"Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist derzeit in einer Inszenierung von Regisseur Oliver Vorwerk im TAK in Liechtenstein.

Kritiken

Wenn die Cellistin Sol Gabetta und Kristian Bezuidenhout am Hammerklavier gemeinsam musizieren, ist ein außergewöhnliches Musikerlebnis garantiert. Das wissen Musikbegeisterte und so strömten zahlreiche Konzertbesucher:innen zum vierten Abonnementkonzert von Dornbirn Klassik ins Kulturhaus. Auf dem Programm standen Cellosonaten von Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy und im Mittelpunkt eine Musikerin und ein Musiker, die etwas zu sagen haben. Die Vitalität ihrer Spielweise und die historischen Instrumente versetzten die Zuhörenden in eine euphorische Stimmung.

Tom Hanks zwischen Wutbürger und gnadenlosem Ordnungshüter – Mit „A Man Called Otto“ fügt der Hollywood-Star seiner Persona eine neue, durchaus witzige Note hinzu. Die Tragikomödie erzählt von einem Mann, der seinem Leben ein Ende setzen will, aber beständig von den neuen, fröhlichen Nachbarn daran gehindert wird. Trotz aller Unbilden darf das Publikum natürlich darauf vertrauen, dass sich zumindest einiges zum Besseren wendet.

Welche Kraft aus gebündelter Kreativität im Spannungsfeld von Poesie und Musik entstehen kann, bewiesen der aus Schweden stammende Kontrabassist Anders Jormin und die Sängerin, Geigerin und Bratschistin Lena Willemark gemeinsam mit der japanischen Koto-Spielerin Karin Nakagawa bereits 2015 mit dem hervorragenden Album „Trees of Light“. Mittlerweile wurde die Besetzung um den Drummer und Perkussionisten Jon Fält erweitert, einem Langzeit-Partner Jormins im Bobo Stenson Trio, aber auch die Lyrik-Auswahl erfuhr eine beachtliche Ausweitung.

Das Kinotheater Madlen in Heerbrugg zeigt den packenden Journalismus-Thriller „She Said", in dem Maria Schrader die Aufdeckung der Weinstein-Affäre nachzeichnet. In der Bludenzer LeinwandLounge steht mit „Last Film Show – Der Stoff, aus dem die Träume sind" eine leidenschaftliche Feier des Kinos auf dem Programm.

„Die Geschichte des Nationalsozialismus in Österreich nach 1945 muss noch einmal geschrieben werden. Die historische Forschung wird sich dazu neuer Methoden bedienen müssen, denn diese Geschichte ist schriftlos. Schriftlos wie Steinzeit.” (Georg Friedrich Haas: „Durch vergiftete Zeiten”, S. 27) Es sind gewagte Sätze, die einer der bedeutendsten lebenden Komponisten Österreichs, der in Tschagguns aufgewachsene und heute an der Columbia University New York lehrende Georg Friedrich Haas, seinen vor kurzem erschienen „Memoiren eines Nazibuben“ voranstellt.

Mit ihrem vierten, im September 2021 veröffentlichten Album „Sometimes I Might Be Introvert“ schaffte die davor schon zehn Jahre lang als Geheimtipp gehandelte Little Simz (bürgerlich: Simbiatu Abisola Abiola Ajikawo) nicht nur die Festigung ihres exzellenten Rufs unter den Kritikern, sondern auch den kommerziellen Durchbruch. Genau diesen und die damit verbundenen Enttäuschungen thematisiert die Nordlondonerin nun auch in ihrem ohne jegliche Vorankündigung vierzehn Monate später nachgelegten und leider nur digital verfügbaren fünften Album „No Thank You“ – ein Überraschungscoup, sprachlich und musikalisch auf allerhöchstem Niveau.

Das in Wien ansässige Quintett Memplex hat letzten Sommer mit „Villains“ („Bösewichte“) das dritte Album herausgebracht, dessen Vinyl-Ausgabe nun mit einer Mini-Tournee gefeiert werden sollte. Allein, die schwarzen Scheiben wurden nicht zeitgerecht fertig, was wenig verwundert, wenn man weiß, wie unglaublich überlastet die meisten Presswerke sind. Dem musikalischen Vergnügen am Dornbirner Spielboden tat dies allerdings beim Auftakt der Jazz&-Reihe im Frühjahr keinerlei Abbruch.

„The Son" erzählt von der schweren Depression seiner jugendlichen Hauptfigur Nicholas (Zen McGrath), gegen die kein Mittel zu wirken scheint. Was wie ein wendungsreiches Familiendrama mit Laura Dern, Hugh Jackman und Vanessa Kirby als Ex- und Neo-Eheleute beginnt, wirkt am Ende erratisch: wie die Studie eines programmierten Niedergangs.

Im Skino Schaan gibt es diese Woche nochmals die betörend schöne indonesische Emanzipationsgeschichte „Before, Now & Then" zu sehen". Am Spielboden Dornbirn steht dagegen ein weiteres Mal der ebenso informative wie spannende Dokumentarfilm „Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen" auf dem Programm.

Es ist ein Traditionstermin der Bregenzer Meisterkonzerte. Wie jedes Jahr besuchten die Wiener Symphoniker am Freitag im Rahmen ihrer Österreichtournee die Landeshauptstadt. Im Gepäck hatten sie nicht nur die ersten beiden Symphonien von Johannes Brahms, sondern auch einen hochinteressanten spanischen Dirigenten: Pablo Heras-Casado.

Ein besonderes Konzept verfolgen Heidrun Wirth, Bianca Riesner, Angelika Gallez und Martin Gallez mit ihrer Konzertreihe „Klang & Raum“. Sie bringen die Musik zu den Menschen im Dorf. Zugleich verbinden sie Handwerk mit Musik und bringen beides in Beziehung zueinander. Unter dem Leitgedanken „malen“ wurde in die Firma Fetz Color nach Alberschwende geladen. Im Gespräch erzählten der Firmeninhaber Michael Fetz sowie der bildende Künstler Christian Geismayr von ihren künstlerisch-handwerklichen Überlegungen und Arbeiten. Die kluge Werkauswahl mit Klavierquartetten von Mozart, Bach und Beethoven zeigte zur damaligen Zeit innovative kompositorische Denkansätze auf und brachte diese in farbenreichen Werkdeutungen zur Geltung.

„Liechtenstein erzählen“ – so der Titel eines Projektes, dessen Ziel es ist, Einblicke in Liechtensteiner Lebenswirklichkeiten zu geben, die weder in Zeitungen und Reden noch in Statistiken und Umfragen vorkommen. Vielmehr sollen „Hoffnungen, Gefühle, Wünsche, Enttäuschungen, Familiengeschichten und persönliche Erfahrungen zum Ausdruck gebracht werden“, so formulieren es die Projektinitianten Roman Banzer, Hansjörg Quaderer und Roy Sommer auf ihrer Website. Im November 2022 wurde der dritte Band mit dem Titel „Entwürfe“ herausgegeben.

Es ist nun gute fünf Jahre her, dass er in der kleinen Kirche von Oberreitnau im Hinterland des Bodensees wie ein junger Gott Bachs 15-minütiges komplexes Präludium in c-Moll, BWV 546, samt Fuge aus den Tasten und Pfeifen der dortigen kleinen Orgel zauberte – unglaublich für einen Achtzigjährigen! Zu diesem Anlass nämlich hatte sich eine Anzahl vertrauter Freunde und Verwandter zum runden Geburtstag von Prof. Günther Fetz eingefunden und bestaunte danach auch noch dessen fantasievolle Orgel-Improvisationen, die er bis zuletzt so liebte. Die folgenden Jahre freilich waren dann von schweren gesundheitlichen Problemen geprägt, nun ist sein Lebensweg mit 85 Jahren in der Palliativstation des Landeskrankenhauses Hohenems sanft zu Ende gegangen. Mit seinen Angehörigen und Freunden trauere auch ich als einer seiner ehemaligen Orgelschüler und langjähriger Freund um ihn.

„Kafka in Farbe“ – so nennt sich eine Koproduktion zwischen dem Theater Biel Solothurn und dem Vorarlberger Landestheater. Die Textcollage aus Kafkas Romanen, Erzählungen und Briefen erweist sich als wunderbar leicht, witzig und poetisch und enthüllt ein am Kafka-Biografen Reiner Stach geschultes Bild des großen Prager Autors.

Mit dem Musicalfilm „La La Land" traf Damien Chazelle die richtigen Töne. Im Fall seiner Hollywood-Anthologie kommen Brad Pitt und Margot Robbie kaum aus dem Rausch der Ekstase. Am Ende steht die Erschöpfung.

Die Musikervereine des Landes und ihre breitgefächerten Aktivitäten wirken mitten in das gesellschaftliche Leben hinein und werten es auf. Dies war im Rahmen des traditionellen Neujahrsempfangs des Vorarlberger Blasmusikverbandes im Rankweiler Vinomnasaal eindrücklich zu erfahren.

Kontrastprogramm in den Vorarlberger Filmclubs: Der warmherzigen Dramödie „Die goldenen Jahre" beim TaSKino Feldkirch steht beim Filmforum Bregenz mit David Cronenbergs „Crimes of the Future" verstörender Body Horror gegenüber.

Das Symphonieorchester Vorarlberg traute sich und dem Publikum einiges zu, denn die Programmverantwortlichen setzten den Operneinakter „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók als konzertante Aufführung auf das Programm des aktuellen Abonnements. Unter der Leitung von Leo McFall gelang dem groß besetzten Orchester eine eindrückliche Werkdeutung, die wesentlich vom faszinierend gestaltenden Bassbariton Gábor Bretz und der hervorragenden Mezzosopranistin Paula Murrihy lebte.