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Monatsprogramm

Artikelaktionen
Musik / Konzert 16.05.2021
Anita Grüneis

Podiumskonzert im TAK: der fulminante Pianist Daniel Berger
Daniel Berger imponierte mit einem Konzert voller Temperament und Virtuosität

Bei der Halbzeit der diesjährigen Podiumskonzerten sorgte der junge Pianist Daniel Berger für ein außerordentliches Konzerterlebnis. Auf dem Programm standen Werke von Josef Gabriel Rheinberger, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Franz Liszt sowie eine Uraufführung zweier Stücke des Liechtensteiner Komponisten Jürg Hanselmann. Das Publikum im TAK, das im Rahmen seiner erlaubten Besucherzahl ausverkauft war, zeigte sich begeistert.

Theater 15.05.2021
Peter Niedermair

„Kind.Erbe.Reich. Über das Erben und Erblassen.“ Von Barbara Herold. Altes Hallenbad Feldkirch, Premiere 13. Mai 2021
dieheroldfliri.at: „KIND.ERBE.REICH“ im Alten Hallenbad, Feldkirch (alle Fotos: Mark Mosman)

Mit dem Erben ist das so eine Sache … Eine gut bekannte Rechtsanwältin, die sich auf die Erbschaftsangelegenheiten spezialisiert hat, bestätigt, was die meisten wissen, in seltenen Fällen gibt es Familienbande, die durch ein Erben-Ereignis nicht zerbrochen sind oder: Wie viele Familien in Ihrem Verwandten- und Freundeskreis kennen Sie, die sich über das Erben nicht völlig zerstritten haben? Im Programmheft zum Stück heißt es: „Erben ist gerecht. Erben ist ungerecht. Erben ist ein Segen und ein Fluch. Erben ist Zufall. Erben ist der letzte Liebesbeweis. Erben und erblassen müssen alle. Die aktuelle Erbschaftswelle und die hohen Summen, die in Industrieländern vererbt werden, machen die zunehmende Ungleichverteilung des Kapitals offensichtlich. In der Nach-Baby-Boomer-Generation ist deutlich spürbar, wer erbt und wer nicht. Einige haben einen immerwährenden Startvorteil, viele haben so gut wie keine Chance mehr, aufzusteigen. Das Geld der Eltern hat erheblichen Einfluss auf den Lebensentwurf der Kinder. Ist das ungerecht oder ist der Urtrieb, den Nachkommen etwas weiterzugeben, einfach natürlich? Auf eine alte Frage müssen neue Antworten gefunden werden: Eigentum verpflichtet, aber wozu?“

Musik / Konzert 15.05.2021
Silvia Thurner

Das Concerto Stella Matutina faszinierte mit vitalen und klangsinnlichen Werkdeutungen
Das "Concerto Stella Matutina" stellte den böhmischen Komponisten und Trompeter Pavel Vejvanovsky in den Mittelpunkt und begeisterte in der Kulturbühne amBach.

Nach Monaten der Abstinenz vom Konzertbetrieb setzte das „Concerto Stella Matutina“ mit einem erlesenen Programm einen erfrischenden Markstein an den Beginn der neuen Saison. Unter dem Motto „Pavel, der Feldtrompeter“ widmete sich das Orchester dem mährischen Komponisten Pavel Vejvanovsky. Herbert Walser-Breuß kennt die Qualitäten Vejvanovskys, Trompeter und Kapellmeister des Fürsten Carl Liechtenstein-Castelcorn von Ölmütz, seit Jahrzehnten. Er stellte eine erlesene Werkauswahl zusammen, und unter seiner Leitung begeisterte das CSM mit einer vielgestaltigen Instrumentierung und einer feinfühligen Spielart. Die variantenreichen Kompositionen im barocken Stil verströmten allesamt einen melodisch-melancholischen Charakter. Poesievoll wurden die Trompeten, Posaunen und Streicher nicht in einen klanglichen Gegensatz, sondern in eine Beziehung zueinander gestellt.

Musik / Konzert 14.05.2021
Fritz Jurmann

Nach dem Jahr der Pandemie trumpft das SOV mutig mit glänzenden Programmideen für die nächste Saison auf
Nach einer durch die Pandemie arg dezimierten letzten Saison hofft das Symphonieorchester Vorarlberg mit neuen Ideen auf Besserung der Situation (© SOV/Gerhard Klocker)

Wollte man in der Sprache der Musik bleiben, könnte man so etwas wie die abgelaufene Saison beim Symphonieorchester Vorarlberg ohne Bedenken auch als „Tragische Symphonie“ bezeichnen, wie sie etwa ein Franz Schubert mit seiner Symphonie Nr. 4 geschaffen hat. Ein solches Werk der Tonkunst würde freilich niemals jene Tragödie umschreiben, wie sie sich um das SOV in Zeiten der Pandemie wirklich zugetragen hat. Denn da war nicht nur das Covid-19-Virus, das letztlich nur eines von sechs geplanten Abo-Projekten zugelassen hat. Es waren vor allem auch das Unverständnis der Gesundheitsbehörden in Vorarlberg, die mit überzogenen Sicherheitsmaßnahmen und ohne jedes Verständnis für die Bedürfnisse von Kunst und Kultur darüber hinaus vieles zunichtegemacht haben. Die Veranstalter wurden damit zur ganz kurzfristigen Absage bereits geplanter und geprobter Projekte gezwungen, während im übrigen Österreich weit weniger einschneidende Maßnahmen angewandt wurden.

Film / Kino 13.05.2021
Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (14.5. - 20.5. 2021)
Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien (c) filmgalerie 451

Der Spielboden Dornbirn zeigt diese Woche den Dokumentarfilm "Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien". Bei der Leinwandlounge in der Remise Bludenz steht dagegen das mitreißende, bittersüße Teenagerdrama "Milla Meets Moses – Babyteeth" auf dem Programm.

CD-Tipp 13.05.2021
Peter Füssl

Wollny – Parisien – Lefebvre - Lillinger: XXXX

Wenn der deutsche Pianist Michael Wollny, sein Landsmann Christian Lillinger an den Drums, der französische Sopransaxophonist Emile Parisien und der amerikanische E-Bassist Tim Lefebvre erstmals zu einem viertägigen Gipfeltreffen außergewöhnlicher Spitzenmusiker zusammenkommen, darf man sich natürlich einiges erwarten. Dennoch dürften die wenigsten Fans dieser gleichermaßen kreativen wie virtuosen Individualisten mit dem nun Vorliegenden, das für die jeweils reichhaltigen und vielschichtigen Diskographien der Protagonisten ziemliches Neuland bedeutet, auch nur ansatzweise gerechnet haben.

Literatur 12.05.2021
Annette Raschner

„Das Leben ist für mich schreibend besser zu erfassen“ - Vorarlberger Literaturpreis für Petra Pellini-Forcher
Petra Pellini-Forcher: „Ich denke, es braucht den Humor, und ich denke, den brauchen wir überhaupt alle täglich.“

Schreiben schärft die Wahrnehmung, ist die diesjährige Gewinnerin des Literaturpreises des Landes Vorarlberg überzeugt. Petra Pellini-Forcher erhält die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für eine Textprobe zum Thema Demenz – Arbeitstitel: „Am Puls der Zeit“. Die diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester arbeitet in einer Wohngruppe mit zwölf dementen Bewohnerinnen und Bewohnern im Sozialzentrum Weidach in Bregenz. Die Geschichte überzeugte die Kunstkommission Literatur aufgrund des frechen und frischen Tons, mit dem die Autorin ein gesellschaftspolitisch brisantes Thema verhandelt. Zwei Arbeitsstipendien gehen an Nils Nußbaumer und Ingrid Maria Kloser. Annette Raschner hat mit der in der heimischen Literaturszene bis dato weitgehend unbekannten Literaturpreisgewinnerin ein Gespräch geführt.

CD-Tipp 11.05.2021
Peter Füssl

How Noisy Are The Rooms? – Almut Kühne / Joke Lanz / Alfred Vogel

How Noisy Are The Rooms? nennt sich das Trio der deutschen Vokalistin Almut Kühne, des Schweizer Turntablisten und Performance-Künstlers Joke Lanz – beide leben in Berlin – und des in Bezau stationierten Schlagzeugers und Produzenten Alfred Vogel. Gemeinsam reiten sie eine gnadenlose Attacke gegen alle üblichen Hörgewohnheiten.

Musik / Konzert 09.05.2021
Silvia Thurner

Mit einem persönlichen Zeit-Ort-Stempel – Der Lyriker Gerald Rauscher und der Komponist Thomas Heel setzten Wort und Ton geistreich in Beziehung zueinander
Der Lyriker Gerald Rauscher, Hubert Sander (Perkussion), Bertram Müller (Trompete, Flügelhorn und Sprecher), Thomas Heel (Posaune, Melodica, Sprecher), Emmanuel Schöch (Posaune) und Patrik Haumer (Trompete, Flügelhorn, Melodica und Sprecher) eröffneten die Saison des Kulturvereins "Illitz" mit einer vielschichtigen Performance. (v.l.n.r.)

„Kontumaz“, eine alte Bezeichnung für Quarantäne, nennt Thomas Heel sein neuestes Projekt. Beeindruckt von dem im vergangenen Jahr veröffentlichten Gedichtband „Wenn der Schnee reift“, lud der Komponist und Musiker den Lyriker Gerald Rauscher zur Zusammenarbeit ein. Der Kunstverein „Illitz“ initiierte die musikalische Lesung an einem reizvollen Ort. Die Tischlereiwerkstatt von Werner Salzgeber in Tschagguns bot ein schönes Ambiente für die anregende, aber teilweise auch anstrengende Begegnung von Text und Musik.

Theater 08.05.2021
Peter Niedermair

KASPAR von Peter Handke. Ein Theaterprojekt von Andreas Jähnert im Wildpark Feldkirch, Premiere, Fr 7. Mai 2021
KASPAR von Peter Handke. Ein Theaterprojekt von Andreas Jähnert im Wildpark Feldkirch (© Heidi Salmhofer)

Das leerstehende Steinwildgehege im Feldkircher Wildpark ist Schauplatz einer außergewöhnlichen Theaterinszenierung. Andreas Jähnert ist Theaterbesucher*innen einerseits als Mitglied des aktionsheater ensembles von Martin Gruber bekannt, andererseits als Regisseur und Gründer des „theater der sprachfehler“. Im Steinwildgehege inszeniert er das Stück „Kaspar“ von Peter Handke. Die Wahl des außergewöhnlichen Ortes ist durchaus auch der Pandemie geschuldet. Der Regisseur hat sich bei der Inszenierung sehr an den Text gehalten und kaum gestrichen. Ursprünglich wollte Jähnert in Innenräumen spielen, die Situation zwang ihn jedoch zum Umdenken, was laut Jähnert schlussendlich auch eine Chance war, denn für ihn passt „Kaspar“ in den Wildpark. Das Stück, das Peter Handke in den 1960er Jahren geschrieben hatte, wurde von zahlreichen Kritiker*innen als eines der wichtigsten deutschsprachigen Theaterstücke rezipiert. Es erzählt von Kaspar, dem sprachlosen Individuum, der durch Einsager der Sprache mächtig wird und erst mit dem Aneignen der Sprache die Wirklichkeit gewinnt.

Aktuell 07.05.2021
Peter Niedermair

Tage der Utopie. Samstag, 1. Mai 2021, Workshop Bildungshaus Arbogast, und Vortrag Götzis AMBACH: Nora Wilhelm – „Systemwandel vorantreiben: Die Reise ins Unbekannte“ - Wo-Man is the Measure - Change als Haltung und Manifest
Nora Wilhelm bei den "Tagen der Utopie" (© Lucas Breuer)

Ouverture. Die Skulptur. Drüben im Garten bei M und M. Anstoß zum aufrechten Gang. Dabei muss ich um sie herumgehen. Vor mir dekliniert sie das Alphabet der Augen. Komponiert die Flächen und Linien. Die Syntax. Die Stele als Symbol für den aufrecht stehenden und gehenden Menschen. Wie bei Giacometti. Die Figuration ist das Elementare. Da kann Christo in Basel im Park hinter dem Beyeler die Bäume einpacken. Bis er Gaiß kriegt. So wie der Geiger der Geige den Ton gibt. Oder Lucas die Viola d’amore spielt. Man hört auch John Coltrane. Wie immer bei ihm. U. würde sich derweil bei M einen Koffer ausleihen. Führe nach Varese. Wieder einmal. Zeige Plastik als Tektonik. In der Semantik der Übergänge. Aus der Katamnese der Traumatisierungen. So als formte U. seine Figuren aus der Erinnerung. Diese Transformation in Plastizität erscheint als die nach Innen geschichtete Form. Und wenn die Figur da ist, ist alles schon da. Kann ganz alleine stehen. Mit ihrer Wirbelsäule. Die der Künstler mit beiden Händen nach oben greifen kann. Wie Wotruba. Drüben. Unter den Bäumen. Ich gehe hin und her. Lirum larum Löffelstiel. U. ist avant. Auch wenn er zurückschaut. Ist hier und dort. Und yonder. Pardesse und Paradies. Die Figur als politisches Manifest. Das Manifest vom aufrechten Gang. Wo-Man is the Measure. Gerade in der Veränderung. Man muss sich einlassen auf dieses Sehen, um der Figuren magische Energie zu begreifen. Die ihnen eingetexteten Erfahrungen lesen. Über die Existenz. Den Schmerz. Die Angst. Die Schönheit. Und Liebe. Weil wir Menschen sind.

Musik / Konzert 07.05.2021
Silvia Thurner

Ein stimulierendes musikalisches Gesamterlebnis – begeisterte Jubelstimmung nach einem in vielerlei Hinsicht eindrücklichen Pforte-Kammerkonzert
Pavel Zalejski sowie SongHa Choi an den Violinen, die Cellistin Kajana Packo sowie Danusha Waskiewicz und Klaus Christa an den Bratschen interpretierten Werke von Johanna Müller-Hermann, Julia Lacherstorfer und Antonin Dvorak. Ihre mitreißenden Werkdeutungen versetzten die Zuhörenden in Staunen und zogen sie in ihren Bann. (Foto: Fritz Jurmann)

Das Pforte-Team reagiert flexibel auf die Unwägbarkeiten der Zeit und so konnte die Kammermusikreihe „Musik in der Pforte“ wieder Fahrt aufnehmen. Weil ursprünglich engagierte Mitwirkende nicht nach Österreich einreisen konnten, lud Klaus Christa den in Vorarlberg sehr geschätzte Geiger Pavel Zalejski sowie SonghHaChoi (Violine), Danusha Waskiewicz (Viola) und die Cellistin Kajana Packo zum gemeinsamen Musizieren ein und landete damit einen Volltreffer. Auf dem Programm unter dem Leitgedanken „Aus einer anderen Welt“ standen neben Dvoraks Streichquintett, op. 97, die Uraufführung des neuesten Werkes „Atma“ von Julia Lacherstorfer sowie ein wiederentdecktes Streichquintett, op. 7 der Wiener Komponistin Johanna Müller-Hermann. Das geist- und humorvolle Werk versetzte die Zuhörenden in Staunen. So wurde das zweite Abonnementkonzert sowohl im Hinblick auf die Werkauswahl als auch wegen der überragenden Spielweise des Ensembles ein großes Hörerlebnis.

Theater 07.05.2021
Raffaela Rudigier

Vorarlberger Landestheater: Kürzere Spielrhythmen und Einschränkungen im künstlerischen Bereich
Szene aus Jephta, Foto: Anja Köhler

Stillstand durch Corona und dann auch noch Kürzungen der Landes-Förderungen – das Vorarlberger Landestheater durchlebt gerade sehr schwierige Zeiten. Das hat auch direkte Auswirkungen auf das neue Programm der kommenden Spielzeit.

Theater 07.05.2021
Peter Niedermair

„Geht am Rande des Sonnensystems in strahlendem Glanz ein iPhone auf“ – „Supa Hell“ von Sophie Blomen/Max Reiniger, Premiere am Theater Kosmos, am 6.5.21
Jeanne-Marie Bertram, Robert Kahr, Simone Loser - in drei Glanzrollen (alle Fotos © Caro Stark)

Im Siegerstück des Kosmodrom Stückewettbewerbs 2020 ist die Dystopie ein literarisch fiktiv absurder Spaß, der die Antiutopie als Apokalypse mitunter nahe an das absurde Theater eines Samuel Becketts heranrückt. Der Spirit in „Warten auf Godot“, Inbegriff des Absurden Theaters, das nur auf ein „karges Bäumchen“ als Anzeichen von menschlicher Zivilisation verweist, parallel wie in „Supa Hell“, das mit einer grauen ausgedörrten Sandlandschaft auskommt und inhaltlich in eine zu Ende gehende Welt transponiert wird. Gemeinsam mit der Protagonistin X Æ A-12: führt uns das Autorenduo auf eine vermeintlich prä-apokalyptische Durchquerung in eine Welt auf dem Weg zum Meer, in der sonst nichts mehr vorhanden scheint. Außer am Himmel: dort kreisen mehrere Supernovae, es ist heiß. Super heiß. Die Protagonistin in silberfarbenem Outfit und Sand in den schwarzen Stiefeln schwitzt. Das einstündige Theater-Text-Programm ist schauspielerisch hervorragend besetzt und überzeugend gespielt von Jeanne-Marie Bertram, Robert Kahr, Simone Loser, in drei Glanzrollen, stringent und klug inszeniert von Stephan Kasimir, der auch die künstlerische Leitung besorgt und beim Bühnenbild in bewährter Kooperation mit Caro Stark agiert.

Film / Kino 07.05.2021
Gunnar Landsgesell

Der schönste Platz auf Erden
Ein Kalb am Sportplatz und die Wette, wo die Flade landet.

Das burgenländische Pinkafeld ist eine Kleinstadt wie viele andere in Österreich. Auch wenn nicht aus jeder solcher Kleinstadt ein Bundespräsidentschaftskandidat kommt. Aber darum geht es hier gar nicht. "Der schönste Platz auf Erden" lauscht, ausgehend vom Jahr 2016, in die Leute, befragt diese und schließlich auch sich selbst, ob ein Film eigentlich etwas auslösen kann. Ein Film zwischen zahmen Rehen und aufgebrachten Bürgern.

Film / Kino 06.05.2021
Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (7.5. - 13.5. 2021)
Wir beide

Da das Filmangebot aufgrund der Corona-Beschränkungen eher dünn ist, in dieser Woche zwei Filme aus dem Programm des Feldkircher TaSkinos: Eliza Hittmans Abtreibungsdrama "Niemals selten manchmal immer" und Filippo Meneghettis "Wir beide".

Literatur 06.05.2021
Manuela Schwaerzler

„Niemand schreibt mehr eine Utopie. Warum?“
Valerie Fritsch liest aus „Winters Garten“ (© Martin Schwarz)

Das Theater am Saumarkt hat sich bereits wieder in seinem Jahresrhythmus eingefunden, wie vor Corona finden im Mai die Feldkircher Literaturtage mit namhaften Schriftsteller*innen statt: dieses Jahr vom 6. bis zum 8. Mai, übertitelt mit „Dystopie 2021 – Über die Zukunft schreiben“. – Ist denn die Zukunft wirklich düster? Marie-Rose Rodewald-Cerha, die mit ihrer Literaturgruppe des Saumarkt-Theaters für das Programm verantwortlich ist, antwortet darauf: „Die Literatur kann nicht beantworten, ob die Zukunft düster sein wird oder nicht. Es geht mir viel mehr um die Frage, seit wann die Utopie (der früheren Jahrhunderte) zur Dystopie wird und warum. Schriftsteller*innen reagieren ja auf die Gesellschaft und ihre eigene Lebenswelt. Was muss da passieren, dass sie sich gezwungen sehen, dystopische Welten zu entwickeln? Niemand schreibt mehr eine Utopie. Warum?“

CD-Tipp 06.05.2021
Peter Füssl

Marius Neset: A New Dawn

Der nach vielen Jahren in Kopenhagen mittlerweile wieder in Oslo lebende norwegische Saxophonist Marius Neset nutzte die corona-bedingte Zwangspause, um endlich ein lange gehegtes Wunschprojekt zu realisieren: ein Solo-Album auf dem Tenorsaxophon – pur, ohne jegliche Overdubs, ohne technische Effekte. Neset lässt sich von der Pandemie nicht die Stimmung vermiesen, sondern legt – dem optimistischen Titel „A New Dawn“ gemäß – ein nicht nur vor Spielfreude, sondern auch vor musikalischen Ideen sprühendes Konvolut aus zehn Titeln vor, die er ursprünglich für seine Bands oder sogar für Sinfonieorchester geschrieben hatte – man erinnere sich etwa an seine atemberaubenden Großprojekte „Snowmelt“ und „Viaduct“ mit der London Sinfonietta.

Theater 05.05.2021
Peter Niedermair

"SCHLAFES BRUDER" von Robert Schneider - Theaterfassung für das Vorarlberger Landestheater von Teresa Rotemberg und Ralph Blase, Premiere 5. Mai 2021
Luzian Hirzel (alle Fotos: © Anja Köhler)

Bald dreißig Jahre nach Erscheinen von Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder“ 1992 im Reclam-Verlag Leipzig hat sich mit der dramaturgischen Version am Vorarlberger Landestheater, Inszenierung, Choreografie & Fassung Teresa Rotemberg, ein Stück weit auch die Rezeption des Romans in ein etwas anderes Licht entwickelt. Die Spots dafür eingeschaltet haben das Team des Landestheaters unter Intendantin Stephanie Gräve, die in ihr Programm wiederholt auch originär vorarlbergische Stoffe sowie AutorInnen und Autoren mit aufgenommen hat, wie jüngst die Perspektive auf Franz Michael Felder des in Wien lebenden Bregenzer Schriftstellers Max Lang, und nun auch Teresa Rotembergs und Ralph Blases Auseinandersetzung mit „Schlafes Bruder“. Die Premiere fand vor gut einer Woche am 29. April statt, ich habe die Aufführung am Sonntag, 2. Mai um 15 Uhr gesehen. 95 Theaterminuten, die allen Covid-Maßnahmen sehr gewissenhaft folgten, eine Inszenierung, die ich sehenswert fand und weiterempfehle. Es wird auch Streaming-Version von der Fassung geben.

CD-Tipp 04.05.2021
Peter Füssl

London Grammar: Californian Soil

Befürchtungen, das sympathische Trio um Sängerin Hannah Reid, Gitarrist Dan Rothman und Dot Major an Drums und Keyboards könnte sich mit seinem für Indie-Verhältnisse zu angepassten und für den blanken Kommerz zu unangepassten Sound unglücklich zwischen den Stühlen platzieren, wurden angesichts drei Millionen verkaufter Tonträger, einer Million verkaufter Tickets sowie einer Milliarde Streams längst pulverisiert. Pünktlich im Vierjahres-Rhythmus meldet sich London Grammar nach dem 2013 erschienenen Debüt „If You Wait“ und dem 2017 veröffentlichten, kommerziell noch erfolgreicheren „Truth Is a Beautiful Thing“ nun mit „Californian Soil“ mit neuem Selbstverständnis und gewohnt makellos angenehmem Sound zurück.

Musik / Konzert 01.05.2021
Silvia Thurner

Musik im hier und jetzt mit Freude gespielt und von aufmerksamen Zuhörenden gut aufgenommen – David Soyza und Elias Menzi improvisierten im Dornbirner TiK
Der Saal im TiK in Dornbirn bot eine feine Atmosphäre für die klangfarbenreichen Improvisationen von David Soyza am Vibraphon und Elias Menzi am Hackbrett.

Seit zehn Jahren wird am letzten Tag im April der „Internationale Tag des Jazz“ gefeiert. Der Vibraphonist David Soyza und Elias Menzi am Hackbrett luden am frühen Abend ins TiK in Dornbirn und stellten ihr neues Projekt namens ZEZI vor. Die beiden kreativen Musiker begegneten einander bei „Musik in der Pforte“ und machten dort die Erfahrung, dass sie sich in der Improvisation ausgezeichnet verstehen und ergänzen. Während David Soyza als Perkussionist quasi im Jazz sozialisiert ist, widmet sich Elias Menzi vornehmlich der Volksmusik. Im Vorabendkonzert erfuhren die Zuhörenden, wie sich diese beiden musikalischen Genres inspiriert und klangsinnlich ergänzen.

Aktuell 01.05.2021
Peter Niedermair

Tage der Utopie 2021: Ilija Trojanow „Die Essenz des utopischen Denkens“, Kulturbühne AMBACH Götzis, Donnerstag, 29.4. – 17.00 Uhr und Arbogast Workshop, Freitag, 30. 4.
 Ilija Trojanow (© Tage der Utopie)

Am vierten Tag, Donnerstag, der 29. April 2021, etwas nach der Hälfte der diesjährigen Tage der Utopie, nach Ariadne von Schirachs vorabendlicher Hymne an das Leben stellt Michael Lederer, Leiter des Geschäftsfeldes „Bürgerschaftliches Engagement und Beteiligung“ im Büro für Zukunftsfragen im Amt der Vorarlberger Landesregierung mit den Schwerpunkten Partizipation, Bürger*innen-Räte sowie Beratung und Begleitung von Beteiligungsprozessen den Referenten Ilija Trojanow vor; geboren in Bulgarien, floh 1971 mit seiner Familie nach Deutschland und erhielt dort politisches Asyl. Er lebte zehn Jahre in Kenia, fünf Jahre in Bombay, zog 2003 nach Kapstadt und lebt heute in Wien. Seine Romane, Reisereportagen und Streitschriften sind von der Kritik gefeierte Bestseller, seine Bücher sind bisher in 30 Sprachen übersetzt worden. Zuletzt, lesen wir in der kurzbiographischen Skizze auf Seite 64 des von Hans-Joachim Gögl herausgegebenen Tagungsbandes „Tage der Utopie. Neue Formate für eine gute Zukunft“, Hohenems, 2021, in dem ergänzende und vertiefende Texte der Festival-Sprecherinnen und –Sprecher versammelt sind, erschienen „Nach der Flucht“, sein Sachbuch-Bestseller „Meine Olympiade: Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen“ sowie der Roman „Doppelte Spur“.

Aktuell 30.04.2021
Peter Niedermair

Tage der Utopie: AMBACH Götzis und Bildungshaus Arbogast, Mi, 28. / Do, 29. April 2021 Ariadne von Schirach: „Die psychotische Gesellschaft. Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden.“
Ariadne von Schirach (alle Fotos © Lucas Breuer)

2019 waren die Tage der Utopie ein Festival mit Fokus auf das, was gelingt, ein intellektuelles Feuerwerk am Puls der Zeit. Positiv in die Zukunft blickend präsentierten sich die Tage vor zwei Jahren „als wegweisende Veranstaltung für all jene, denen die um sich greifende Zukunftsverdrossenheit nicht das Geringste anhaben kann“. Auf dem Weg ins Freie gab es ein breites Spektrum an zukunftsweisenden Themen, Konzepten und Ideen, Impulse, Strategien, Best Practice: von erfolgreicher agiler Unternehmenskultur über ein gerechtes Internet und Entwicklungsstrategien für den ländlichen Raum bis hin zur Zukunft des politischen Dialogs und Wegen aus der globalen Krise. Doch diesem Träumen auf dem Weg ins Freie war – im Schnitzler’schen Sinn – bereits im Titel des Romans, der 1908 bei S. Fischer in Berlin erschien, etwas Zweideutiges eingeschrieben. Schnitzler zeichnet auf der Handlungsebene des Romans (1898/1899) das Bild einer Belle Époque, in der von jüdischen Intellektuellen konträre Gespräche über die Zukunft geführt werden, deren politischen Wege der Vergesellschaftung vorgezeichnet sind. The Times They Are A-Changing. 2021 ist anders.

Film / Kino 30.04.2021
Gunnar Landsgesell

The Seventh Day - Gott steh uns bei
Dramaturgische Finte: Zwei Priester inszeniert wie Cops, die mit sich selbst nicht ganz im Reinen sind.

Einmal mehr schickt das Kino Priester aus, um einen Exorzismus durchzuführen. Ein Schuljunge hat seine Familie getötet und nun stellt sich die Frage, welche Dämonen ihn dazu getrieben haben. "The Seventh Day" ist ein überraschend verhaltener Horrorfilm, der sich nicht an William Friedkins Klassiker von 1973 messen will, sondern die innere Spannung stärker auf das Verhältnis zweier Priester legt, die dem Fall nachspüren. Während Guy Pearce als Father Peter eine recht unchristliche Härte einbringt, wirkt die dramaturgische Abwicklung ein wenig blass, so wie das Gesicht des besessenen Jungen.

Film / Kino 29.04.2021
Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (30.4. - 6.5. 2021)
Space Dogs

Am Spielboden Dornbirn steht mit "Space Dogs" ein visuell starker Essayfilm über Straßenhunde in Moskau auf dem Programm. Das TaSKino Feldkirch zeigt dagegen nochmals Miranda Julys herrlich schräge US-Indie-Perle "Kajillionaire".