Neu in den Kinos: „Teaches of Peaches" Musikdoku des gebürtigen Vorarlbergers Philipp Fussenegger (Foto: Avanti Media Fiction)
Annette Raschner · 13. Apr 2024 · Theater

Unser täglicher Kampf gegen die Windmühlen

Premiere des Stückes „Sonntag. Sieben Bilder wider den Fleiß“ von Tobias Fend

Immer mehr Arbeitnehmer:innen leiden am sogenannten Burnout. Die Folgen sind oft lange Krankenstände bis hin zur völligen Berufsunfähigkeit. In ihrem neuen Episodenstück „Sonntag. Sieben Bilder wider den Fleiß“ von Tobias Fend spürt die freie Kompanie Café Fuerte unserem Verhältnis zur Arbeit nach – augenzwinkernd und liebevoll ironisch. Die Uraufführung fand in einer Tenne in Hittisau statt.

Schaffa, schaffa, Hüsle baua

Das Bild des dauerfleißigen Vorarlbergers hat sich in vielen von uns eingebrannt. Wer keine Leistung zeigt, wer sich nicht auspowert, ist ein höchst zweifelhafter Müßiggänger. Dabei hatte doch eigentlich John Maynard Keynes bereits 1930 prognostiziert, dass die Technologie bis zum Ende des Jahrhunderts derart fortgeschritten sein würde, dass wir bald bei einer 15-Stunden-Arbeitswoche angekommen wären. Im Jahr 2024 jedoch geben laut einer Studie über 30 Prozent der Menschen an, in einem „Bullshit-Job“, sprich in einem Berufsfeld zu arbeiten, das völlig nutzlos sei.

„Die Sinnlosigkeit schreit aus jedem Moment“, …

sagt Johanna im Stück und konstatiert: „Nichts ist anstrengender, als geschäftig zu wirken, ohne etwas zu tun. Das ist ein bitteres Geschäft.“ In diesem Monolog spricht sie aus der Seele einer zu Tode Gelangweilten. Regisseurin Danielle Fend-Strahm hat dafür mit ihrem Team eine stimmige, von Musiker Widrig begleitete „Langeweile-Choreografie“ entwickelt, die für Erheiterung im Publikum sorgte. So lässt sich schonungslose Kost leicht ertragen! 

Mit kleinen Bildern ein großes malen 

Schauspieler und Autor Tobias Fend hat sich dem komplexen Thema Arbeit von verschiedenen Seiten her angenähert. Sieben Bilder liefern sieben Perspektiven. Das macht Sinn und beim Zusehen Spaß, denn das kurzweilige Episodenstück regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern bietet viel Abwechslung und Unterhaltung, auch aufgrund der großen Spielfreude der Darsteller:innen Johanna Köster, Gregor Weisgerber, John Kendall und Tobias Fend. Das Grundsetting ist ein riesiges Wohnzimmer (Ausstattun Ronja Svaneborg), dessen Mobiliar permanent „verrückt“ wird, um jede Szene spielerisch neu zu arrangieren. Apropos spielerisch: Wer, wenn nicht den Schauspielern ist es gegeben, auf die Verbindung von arbeiten und spielen hinzuweisen?! Großartig in diesem Zusammenhang die „Windmühlen“-Szene, in der ein Mann in seinem Garten am größten privaten Windrad in der Region bastelt, an einem „Leuchtturm“, der so hoch werden soll, „dass es Signallichter braucht, wegen der Flugzeuge“. 

Keine Antworten

Antworten oder gar Lösungen zu bieten, wäre dem Café Fuerte zu billig. Doch es gibt zumindest eine Art Conclusio, die da lautet: Pause machen nicht vergessen!

Cafe´ Fuerte: „Sonntag. Sieben Bilder wider den Fleiß“ von Tobias Fend
weiteren Aufführungstermine im April: 

18./19.4./Feldkirch, Altes Hallenbad; 20.4./Trogen, Kronensaal; 24.4./Hittisau, Tenne Kirchenbühl 193; 25.4./Lauterach, Alte Seifenfabrik; 26.4./27.4./Hittisau, Tenne Kirchenbühl 193; 28.4./Trogen, Kronensaal 

detaillierte Infos und weitere Termine im Juni unter:
https://cafefuerte.at/termine