"Kafka in Farbe" derzeit am Vorarlberger Landestheater © Joel Schweizer
Dagmar Ullmann-Bautz · 23. Jän 2015 · Theater

Weißer Plüsch und rote Lippen - Genets "Zofen" in neuem Gewand im Theater Wagabunt in Dornbirn

Unter dem Titel "Venus in Furs" präsentierte gestern das Theater Wagabunt eine Bearbeitung des Klassikers "Die Zofen" von Jean Genet. "Venus in Furs" ist ein Song von "The Velvet Underground", einer experimentellen Rockband aus den 60ern, geschrieben von Lou Reed nach der Novelle "Venus im Pelz" von Leopold von Sacher-Masoch. 1870 verfasst, erzählt Sacher-Masochs Geschichte von Severin und Wanda und deren erotischer Beziehung, die ein Spiel von Macht und Unterwerfung ist.

Genets Stück aus dem Jahre 1947 wird immer noch gerne gespielt, doch oft scheitern die Produktionen daran, dass das Bürgertum und die Sehnsucht der Untergebenen in dieses Bürgertum aufzusteigen, wie Genet es beschreibt, heute obsolet sind.

Die Lust an Unterwerfung und Erniedrigung


Regisseur Stephan Kasimir platziert nun seine Bearbeitung in einen Sadomaso-Club, in dem sich der männliche Sklave der Domina unterwirft, steckt männliche Schauspieler in erotische Kleidchen und Netzstrümpfe und zeichnet ein noch grausameres, manchmal lächerliches, aber auch amüsantes Bild der menschlichen Gelüste nach Macht und Vorherrschaft und der Lust an Unterwerfung und Erniedrigung.

Alles aus einem Guss


Claire und Solange dienen ihrer "Herrin und Meisterin" und wenn "die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse" und so vergnügen sich die beiden in ihren sadomasochistischen Rollenspielchen bis zum bitteren Ende.

Kasimir hat den Text gut gekürzt, hat umgeschrieben was nötig war, die Schauspieler perfekt geführt und in seiner Plattenkiste wieder die passenden Scheiben gefunden. Caro Stark hat eine kuschelige Bühnenlandschaft geschaffen, mehrere Ebenen, alle eingepackt in weißen Pelz. Die Zusammenarbeit von Regie und Ausstattung hat, wie eigentlich immer bei diesem kongenialen Paar, wieder einmal perfekt funktioniert – alles wie aus einem Guss.

Spannend und unterhaltsam


Ein ganz prächtiges Paar geben die beiden Schauspieler Robert Kahr und Wolfgang Pevestorf als die zwei Schwestern Claire und Solange. So ist es weniger was sie sagen, das fesselt, sondern es sind ihre Gesten, ihre Mimik, jede ihrer Bewegungen, die zum amüsanten Voyeurieren einladen.

Die Idee, die Herrin mehr oder weniger fiktiv als relativ starres Videobild mit Stimme (Dorrit Aniuchi) auftreten zu lassen, passt dabei trefflich ins Konzept und entbehrt auch nicht einer gewissen Wirkung.

Ein spannender, ein empfehlenswerter Theaterabend, dem allein ein größeres Publikum für die kommenden Aufführungen zu wünschen ist.

 

Weitere Aufführungen im TIK in Dornbirn, Jahngasse 10
24. Jänner, 20 Uhr
25. Jänner, 18 Uhr
6. Februar, 20 Uhr
8. Februar, 18 Uhr
Karten: www.theaterwababunt.at, Tel: 0664 9730316