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10.01.2019 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Klare Positionierung mit dem neuen Spielplan – Theater Kosmos

„Wie gefällt euch unsere Zeit?“ Mit Ödön von Horvaths Zitat aus seinem Roman „Ein Kind unserer Zeit“ fixiert das Theater Kosmos die Thematik seiner Spielzeit 2019 und postuliert damit die Intention eines gesellschaftspolitischen Diskurses zur Gegenwart. Mit Enthusiasmus und einer Leidenschaft, wie in den letzten Jahren selten so intensiv erlebbar, präsentierten die Theaterleiter Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig am Mittwoch, den 9. Jänner in den Räumen der Firma Rhomberg Bau, einem Sponsor des Theaters, ihren Spielplan 2019.

Der Rückblick auf das vergangene Jahr irritierte dabei etwas, da trotz der durchwegs sehr guten Produktionen und auch spannenden Rahmenveranstaltungen die Zuschauerzahlen zurückgegangen sind. Rund 9.000 BesucherInnen wurden bei 101 Veranstaltungen gezählt, was eine Auslastung von gut 70% ergibt.

Sechs Uraufführungen

Diese Auslastung soll heuer gesteigert werden, mit Optimismus schauen die Theatermacher in die Zukunft und stellten den zahlreich erschienen Medienleuten das neue Programm vor. Drei Uraufführungen und eine österreichische Erstaufführung im Theater Kosmos, zwei Uraufführungen im Kosmodrom, ein Stücke-Wettbewerb und mehrere Theaterallianz-Produktionen ergeben einen Spielplan, der neugierig macht und auch Vorfreude erzeugt. Auch die klare und äußerst kraftvolle Ansage, gesellschaftspolitische Position zu beziehen, macht die Vorschau geradezu zu einem spannenden Event.

Überlebensstrategien

Mit dem Stück „Nacht ohne Sterne“ des Autors Bernhard Studlar, der zu den wichtigsten österreichischen Dramatikern zählt, wird die erste Premiere am 23. Februar gefeiert werden. Hubert Dragaschnig zeigt sich hocherfreut, dieses Stück mit einem großen Ensemble zu inszenieren. Elf SchauspielerInnen spielen Menschen, die nach Überlebensstrategien suchen in einer gefährlichen Welt, in der terroristische Gewalt und soziale Ungleichheit eine Gesellschaft spalten und Rechtspopulisten stärken.

Spannender Prozess

Der Regisseur Philip Jenkins, der 2018 im Landestheater „Die Unverheiratete“ inszeniert hat, wird das zweite Stück des Jahres auf die Kosmos-Bühne bringen. Aus Anlass „100 Jahre Vorkloster“ entstand die Idee zu „Odysee – ein Stück über Heimat“ nach Motiven von Homer. Jenkins verknüpft das antike Epos mit wahren Erzählungen von BürgerInnen des Stadtteils Vorkloster. Ein spannender Prozess, der eine außergewöhnliche Produktion verspricht.

Jugendlicher Blick

Wie auch schon im vergangenen Jahr sollen für eine Produktion ganz junge Talente ans Ruder treten. Die Max-Reinhardt-Seminar-Absolventin Maria Sendlhofer wird gemeinsam mit dem Autor Mario Wurmitzer das Stück mit dem Arbeitstitel „Das Optimum“ entwerfen und es mit einem jungen Team auf die Bühne stellen. Die Themen Selbstoptimierung und Leistungsdruck, Konformismus, die Möglichkeiten der Auflehnung und Mechanismen der Ausgrenzung sind doch brisanter denn je.

Fressen und gefressen werden

Kein Geringerer als Michael Köhlmeier konnte als Autor für das vierte Stück des Jahres gewonnen werden. Augustin Jagg wird den Text inszenieren, ein Triptychon um „fressen und gefressen werden, das zur Zeit noch den Arbeitstitel „Lamm Gottes“ trägt. Drei Teile, jeweils in sich abgeschlossen, die jedoch aufeinander wirken und sich um denselben Themenkreis drehen.

Gewinnbringender Austausch

Die Theaterallianz, die Vereinigung von sechs freien, österreichischen Bühnen und eine Plattform für das zeitgenössische Theater, stand am Ende des letzten Jahres auf wackeligen Beinen. Doch nach intensiven Gesprächen ist der Fortbestand nun gesichert und damit der gewinnbringende Austausch von ausgewählten Inszenierungen zeitgenössischer Dramatik. In Bregenz wird im Juni das Stück „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse, eine Produktion des Schauspielhauses Wien, zu sehen sein. Im Oktober ist im Theater Kosmos ein Schwerpunkt mit je einer Produktionen aus Graz, Klagenfurt, Salzburg und Linz geplant.

Arm aber sexy

Das Kosmodrom hat in den letzten 5 Jahren sage und schreibe 21 Kurzstücke von 15 AutorInnen herausgebracht und dies mit minimalsten Mitteln. Nach wie vor laufe das Kosmodrom unter dem Motto „Arm aber sexy“, wie Stephan Kasimir es mit einem Augenzwinkern beschreibt. Kasimir, der seit 5 Jahren das Kosmodrom, welches sich als Labor und Startrampe für junge KünstlerInnen versteht, leitet, erzählte von den diesjährigen Plänen.
Große Freude bereite ihm vor allem der geplante Stücke-Wettbewerb zum Thema „Wer Gewalt sät“, im Rahmen der Informationskampagne „Gewaltverbot in der Erziehung“ des Landes Vorarlberg. Der Siegertext wird im Kosmodrom uraufgeführt und das ganze Projekt vom Land mit 10.000 Euro unterstützt.
Das Stück „Neue Abenteuer von A und B“, geschrieben, inszeniert und gespielt von dem jungen Schauspieler David Baldessari, schildert die Angst des Schauspielers vor dem Abhandenkommen des Textes, der Geschichte, des Stückes, gleichsam der Angst des Tormanns vor dem Elfmeter.
Um geerbten Besitz und zwischenmenschliche Beziehungen geht es im Stück „Zement“  der Autorin Carolyn Amann, das auch von Kasimir inszeniert wird.

Außergewöhnliche Ideen

Das Theater Kosmos mit ihren Leitern Dragaschnig und Jagg will im Wahljahr 2019 (EU-Parlament, AK-Wahl und Vorarlberger Landtagswahl) ganz klare gesellschaftspolitische Statements setzen, sich mit ausgefallenen Aktionen positionieren. Beispielsweise sollen FPÖ-Mitglieder zu allen Aufführungen freien Eintritt haben, um mit ihnen in Diskurs zu treten. Als Zeichen gegen die Ökonomisierung aller Bereiche des Lebens soll eine Aufführung pro Produktion gratis gespielt werden und - man staune - das Publikum den Theaterbesuch mit Euro 10 auch noch bezahlt bekommen.
Zitat Dragaschnig /Jagg: „Es ist wichtig, unsere Zeit sehr genau zu betrachten und Stellung zu beziehen. Wenn heute Populisten mit oberflächlichen Phrasen unsere Gesellschaft spalten und Teile dieser Gesellschaft ihr freies Denken blockiert, wenn diese Gesellschaft drauf und dran ist, sich wieder in eine „selbstverschuldete Unmündigkeit“ - im Kant'schen Sinne - zu begeben, soll das Theater eine Bastion der Mündigkeit sein.“

 

Stephan Kasimir und Hubert Dragaschnig

Stephan Kasimir und Hubert Dragaschnig

Hubert Dragaschnig, Augustin Jagg und Philip Jenkins / Fotos: Theater Kosmos

Hubert Dragaschnig, Augustin Jagg und Philip Jenkins / Fotos: Theater Kosmos

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  • Stephan Kasimir und Hubert Dragaschnig Stephan Kasimir und Hubert Dragaschnig
  • Hubert Dragaschnig, Augustin Jagg und Philip Jenkins / Fotos: Theater Kosmos Hubert Dragaschnig, Augustin Jagg und Philip Jenkins / Fotos: Theater Kosmos