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28.07.2020 |  Anita Grüneis

Werdenberger Schlossfestspiele mit «Carmen»: Liebe, Freiheit und Tod - Auf in den Kampf! 

Es ist ein Wagnis, das Regisseur Kuno Bont und die Verantwortlichen der Werdenberger Schlossfestspiele eingehen. Bis 27. Mai wussten sie alle nicht, ob Bizets Oper «Carmen» als zweite Opernfestspielproduktion am Werdenberger See aufgeführt werden kann. Der Aufwand für die Sicherheit der Mitwirkenden und der erwarteten Gäste war groß: So entstand eine Opernarena mit drei Tribünen für das Publikum und auch auf der Bühne wurde Platz geschaffen. Schließlich müssen sich darauf bis zu 70 Personen tummeln – da wird es mit dem Sicherheitsabstand schon schwierig. Aber diese «Carmen» ist nun auf einem guten Weg, in jeder Beziehung. Am 8. August soll Premiere sein. Ein Probenbesuch.

«Escape into thin air» steht auf dem T-Shirt eines Tontechnikers der Werdenberger Schlossfestspiele. Gemeinsam mit seinem Kollegen schleppt er das Mischpult auf die Tribüne und baut es auf. Die erste Probe der diesjährigen Produktion auf der Seebühne steht bevor, nachdem seit 1. Juli in der Buchser Lokremise geprobt worden war – natürlich unter strengen Sicherheitsmaßnahmen. Schließlich soll die Oper coronafrei bleiben.
Es ist ein heißer Sommerabend. Die rund fünfzig Chormitglieder stehen verteilt auf zwei der drei Zuschauertribünen. Aus dem Orchestergraben gibt Chorleiter Christian Büchel am Klavier die Töne zum Einsingen vor. Auf dem See ist viel Betrieb, die Enten jagen einander und die Schwäne gleiten majestätisch vorüber. Das Schloss ruht auf seinem Hügel über dem See, die Weingärten scheinen im üppigen Grün zu duften. «Kuno, was proben wir?», fragt jemand und Regisseur Kuno Bont im karierten Hemd und Sonnenhut antwortet: «Den 3. Akt». Regieassistentin Annina Giavanoli schaut sich um und ruft: «Bill?», und schon steuert der musikalische Leiter William Maxfield auf seine Position am Dirigentenpult zu. Korrepetitor Michael Roner ist schon parat. 

Unter Schmugglern am See

Auf der rechten Seite der Bühne thront eine Holzskulptur, die an eine Gitarre erinnert, dazu baute Bühnenbildner Rene Düsel links und in der Mitte weitere Projektionsflächen auf. Die Chorsängerinnen und -sänger schleichen sich auf die Bühne, einige von ihnen schleppen Säcke auf ihrem Rücken, die sie seufzend abstellen. Die Schmuggler sind da. Oder sind es Piraten? «Écoute, écoute, compagnon, écoute ... », singen sie (nur mutig, die Schlucht hinab, ihr Kameraden) – im französischen Originaltext. Miteinander gesprochen wird aber deutsch. Kuno Bont unterbricht den Gesang, gruppiert die einzelnen Sängerinnen und Sänger neu. William Maxfield meint dazu: «Ihr seid alle ziemlich weit weg, ich hoffe, wir schaffen das». Und auch Chorleiter Christian Büchel in seinem roten T-Shirt mit der Nummer sieben auf dem Rücken, ist noch nicht zufrieden: «Die Bässe etwas leiser, die Tenöre lauter», ruft er aus dem Zuschauerraum und klatscht den Rhythmus.

Junges Ensemble mit Rollendebüts

Und dann kommen die jungen Solisten zum Einsatz. Eben lümmelten sie noch in kurzen Röcken und Shorts auf der Zuschauertribüne herum. Nun haben sich die Ladies lange Wickelröcke umgebunden, die Herren aber blieben in kurzen Hosen. Sie sind um die 30 Jahre alt, und alle debütieren in ihren Rollen! André Sesgör (Dancairo) möchte den Schmugglern ein Stündchen Ruhe gönnen, Judith Dürr (Frasquita) und Mirjam Fässler (Mercedes) beginnen ihre Schicksalskarten zu befragen, Kathrin Walder (Carmen) fordert von David Jagodic (Don José) ihre Freiheit ein und befragt dann ebenfalls die Karten. Entsetzt wirft sie diese weg, denn sie zeigen, wie sie mit dunkler Stimme bekennt: «Encor! Encor! Toujours la mort». Šarūnas Šapalas (Escamillo) erscheint, schwärmt von Carmen, entfacht so den Zorn von José, die beiden kämpfen, Carmen trennt die Raufbolde. Brigitta Simon (Micaela) wird von Mindaugas Jankauskas (Remendado) aus ihrem Versteck geholt und bittet den abgekämpften José, er möge zu seiner kranken Mutter mitkommen. Als die beiden die Bühne verlassen, tönt es von Ferne «Toréador, en garde ...» und man ahnt, dass dieses Projekt eine richtig interessante Opernproduktion wird. Nicht nur dank der eben gehörten samtenen und voluminösen Stimme von Šarūnas Šapalas – alle Solisten bringen das richtige Opernfeeling an den Werdenberger See. Bei allen Mitwirkenden ist die gleiche Leidenschaft und Begeisterung für dieses Projekt zu spüren. Auf in den Kampf!

Werdenberger Schlossfestspiele 2020
«Carmen», Oper von G. Bizet
Premiere: 8.8.2020
weitere Termine, Infos, Tickets auf: https://carmen20.ch/

Regisseur Kuno Bont (links) beobachtet die Szene zwischen Carmen (Kathrin Walder) und der eben entdeckten Micaela (Brigitta Simon)

Regisseur Kuno Bont (links) beobachtet die Szene zwischen Carmen (Kathrin Walder) und der eben entdeckten Micaela (Brigitta Simon)

Abendstimmung am Werdenberger See bei der Probe zu "Carmen"

Abendstimmung am Werdenberger See bei der Probe zu "Carmen"

Die beiden Widersacher Don José (David Jagodic) und Escamillo (Šarūnas Šapalas)

Die beiden Widersacher Don José (David Jagodic) und Escamillo (Šarūnas Šapalas)

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  • Regisseur Kuno Bont (links) beobachtet die Szene zwischen Carmen (Kathrin Walder) und der eben entdeckten Micaela (Brigitta Simon) Regisseur Kuno Bont (links) beobachtet die Szene zwischen Carmen (Kathrin Walder) und der eben entdeckten Micaela (Brigitta Simon)
  • Abendstimmung am Werdenberger See bei der Probe zu "Carmen" Abendstimmung am Werdenberger See bei der Probe zu "Carmen"
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