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22.05.2019 |  Fritz Jurmann

SOV-Programm 2019/20: Mit einer Brücke zur Bildenden Kunst

Eine Premiere jagt die nächste am Mittwochvormittag im Bregenzer Casino: Sebastian Hazod, seit Herbst neuer Geschäftsführer des Symphonieorchesters Vorarlberg, absolviert mit großer Routine seine erste Programmpräsentation für die kommende Saison 2019/20. Zeitgleich wird bekannt, dass sich die Verantwortlichen des SOV heuer erstmals den Bildenden Künstler Harald Gfader an Bord geholt haben, um mit Auftragsarbeiten zu einzelnen Stücken und Konzerten eine interessante Verbindung zur Musik herzustellen. Dafür gibt es, gewissermaßen zum Ausgleich, in der kommenden Saison keinen Petrenko. Die nach dem Erfolg der epochalen „Achten“ im Mahler-Zyklus heiß begehrte „Neunte“ zum Finale muss noch eine Saison warten, weil der Maestro noch sein letztes Jahr als Generalmusikdirektor in München abdienen muss und dabei bereits im kommenden August seinen neuen Job als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker antritt. Da bleibt ausnahmsweise für das SOV keine Zeit mehr.

Dafür hat Sebastian Hazod ein dickes Paket an Programmen, musikalischen Ideen und interessanten Künstlern geschnürt, die für spannende musikalische Auseinandersetzung oder einfach musikalische Unterhaltung auf hohem Niveau sorgen werden. Dieses wird dem SOV immer wieder attestiert, ebenso die Vielseitigkeit eines in allen Sätteln gerechten Klangkörpers, der mit seinen Leistungen immerhin rund 30.000 Besucher pro Jahr zu begeistern vermag, darunter knapp 2.000 feste Abonnenten. Mit einem Konzert im Lustenauer Abonnement will man sich dort zusätzliches Publikum erobern, auch ein Verein soll mit attraktiven Vergünstigungen das Konzertpublikum näher ans Orchester binden, wie das der Bratschist Guy Speyers als Orchestervertreter schilderte.

Regionale Verankerung

Bei den sechs Abo-Konzerten und einer Oper werden der bisherige und der designierte Chefdirigent des SOV, Ehrendirigent Gérard Korsten und Leo McFall, je eine Produktion leiten. Erstmals wird mit dem Pianisten Alexander Lonquich auch ein Solist das Orchester vom Klavier aus leiten, neu im Reigen der SOV-Dirigenten ist heuer der namhafte 69-jährige Deutsche Bruno Weil, der als Einspringer für Karajan bei den Salzburger Festspielen und weiteren Opern- und Konzert-Dirigaten in Berlin und Wien seither Weltgeltung erlangte. Bei der Wahl der Solisten war man mit dem im Orchester als Solotrompeter tätigen Roché Jenny, dem Geiger Rudens Turku, der am Konservatorium eine Violinklasse leitet, der in Vorarlberg lebenden international renommierten Flötistin Jasmine Choi und dem Klarinettisten Sebastian Manz, Leiter der :alpenarte Schwarzenberg, um regionale Verankerung bemüht.
Bei der Auswahl der Werke, die wegen der langen Vorlaufzeiten in den ersten drei Terminen noch auf den früheren Geschäftsführer Thomas Heißbauer zurückgeht, hat man auf thematische und stilistische Zusammenhänge gesetzt, mit populärer, aber nicht überstrapazierter Klassik und Romantik, etwa Mozarts erstmals vom SOV gespielter „Prager Symphonie“, dem Bruch-Violinkonzert oder Ravels „Tombeau de Couperin“, aber auch deutlichen Akzenten auf die Musik des vorigen Jahrhunderts. So wird zum 50. Todestag mit seinem „Flagellantenzug“ an den vergessenen Feldkircher Komponisten Karl Bleyle (1880–1969) erinnert, der zu Lebzeiten in Deutschland neben Richard Strauss hoch angesehen war. Auch ein Werk des 1970 verstorbenen Bernd Alois Zimmermann als einem herausragenden Vertreter der deutschen Avantgarde und frühe Lieder von Alban Berg werden aufgeführt. Von den 23 Komponisten stammen 13 aus dem 20. oder 21. Jahrhundert.

Zehnmal Mozarts Titus am Kornmarkt

Als Opernproduktion in Zusammenarbeit mit dem Landestheater wird im Februar an zehn Terminen am Kornmarkt Mozarts letzte, unvollendet gebliebene und später so wie das Requiem durch Franz Xaver Süßmayer vollendete Oper „La Clemenza di Tito“ von 1791 aufgeführt, mit dem von heuer bewährten Leading Team mit Dirigent Karsten Januschke und Regisseur Henry Arnold. Politische Themen wie Machtmissbrauch und dessen Auswirkungen werden dabei im „Titus“ angesprochen. „Mozart passt jedenfalls besser in den Orchestergraben im Kornmarkttheater als heuer Beethoven“, gibt Guy Speyer als aktiver Musiker seinen Kommentar dazu ab.
Wie kam es zu den Bildern von Harald Gfader, die das Booklet schmücken, aber auch auf Plakaten Verwendung finden werden? Der Künstler hat nach übermittelten Fotos farbenfrohe und detailreiche Bilder gemalt, nach einem spannenden Entstehungsprozess zusammen mit einem Grafikstudio. Er freut sich, dass es ihm damit gelungen ist, die Reproduktionsfähigkeit der Musik ins Bild zu übertragen. Die Bilder werden zum Preis von Euro 700,- verkauft, wobei sich das SOV und der Künstler den Erlös teilen, eine Win-Win-Situation also.

Das liebe Geld

Apropos Geld: Das SOV finanziert sich, wie Präsident Manfred Schnetzer mitteilt, bei einem 1,5 Mill.-Euro-Budget zu zwei Dritteln selber. Die Subvention des Landes beträgt derzeit Euro 540.000, dagegen gibt es aus dem Bundesbudget keine Zuwendungen. Ein Gespräch mit dem in den USA tätigen Dirigenten Manfred Honeck habe für ihn ergeben, dass es dort keinerlei öffentliche Subventionen gebe und rund 50 Prozent der Tätigkeit des Dirigenten darin bestehe, Sponsoren für das Überleben seines Pittsburgh Symphony Orchestra aufzutreiben. Immerhin sei es nun bei uns gelungen, dass Zuwendungen und Spenden an das Orchester neuerdings von der Steuer absetzbar sind. „Jeder Euro, den wir zusätzlich auftreiben, geht eins zu eins an die Musiker weiter“, so Schnetzer. Die Konzerte sind heute im Durchschnitt zu 95 Prozent ausgelastet, was für das Team eine Bestätigung der gewählten Programmlinie bedeutet.
Eine Reihe zusätzlicher Aufgaben bei den Bregenzer Festspielen (Festmesse,  Opernstudio und Matinee), den Montforter Zwischentönen, beim Festival „Texte und Töne“ im ORF mit neuester Musik aus dem Land, u. a. von Richard Dünser und dem Lindauer Nikolaus Brass, und in der Musikvermittlung zeigen die enorme Breite und Tiefe der Einsatzmöglichkeiten des SOV.     

Eine ausführliche Terminübersicht mit allen Mitwirkenden und Werken gibt's zum Download im Kasten rechts.

Präsentierten Programme und Ideen für die kommende SOV-Saison (v.l.n.r.): Künstler Harald Gfader, Geschäftsführer Sebastian Hazod, Präsident Manfred Schnetzer, Orchestervertreter Guy Speyers

Präsentierten Programme und Ideen für die kommende SOV-Saison (v.l.n.r.): Künstler Harald Gfader, Geschäftsführer Sebastian Hazod, Präsident Manfred Schnetzer, Orchestervertreter Guy Speyers

Manfred Schnetzer ist als Präsident für das Erscheinungsbild des SOV und die Finanzen verantwortlich

Manfred Schnetzer ist als Präsident für das Erscheinungsbild des SOV und die Finanzen verantwortlich

Der neue Geschäftsführer Sebastian Hazod aus Linz koordiniert Programme und Probenpläne (Fotos 1–3: Lisa Mathis)

Der neue Geschäftsführer Sebastian Hazod aus Linz koordiniert Programme und Probenpläne (Fotos 1–3: Lisa Mathis)

Das Symphonieorchester Vorarlberg wurde 1984 gegründet und ist heute als fester Bestandteil im Kulturleben des Landes verankert (Foto: Thomas Schmidt)

Das Symphonieorchester Vorarlberg wurde 1984 gegründet und ist heute als fester Bestandteil im Kulturleben des Landes verankert (Foto: Thomas Schmidt)

Der Londoner Leo McFall wird als designierter Chefdirigent ab der Saison 2020/21 bereits im April 2020 ein Konzert leiten (Foto: Dietmar Mathis)

Der Londoner Leo McFall wird als designierter Chefdirigent ab der Saison 2020/21 bereits im April 2020 ein Konzert leiten (Foto: Dietmar Mathis)

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  • Präsentierten Programme und Ideen für die kommende SOV-Saison (v.l.n.r.): Künstler Harald Gfader, Geschäftsführer Sebastian Hazod, Präsident Manfred Schnetzer, Orchestervertreter Guy Speyers Präsentierten Programme und Ideen für die kommende SOV-Saison (v.l.n.r.): Künstler Harald Gfader, Geschäftsführer Sebastian Hazod, Präsident Manfred Schnetzer, Orchestervertreter Guy Speyers
  • Manfred Schnetzer ist als Präsident für das Erscheinungsbild des SOV und die Finanzen verantwortlich Manfred Schnetzer ist als Präsident für das Erscheinungsbild des SOV und die Finanzen verantwortlich
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  • Das Symphonieorchester Vorarlberg wurde 1984 gegründet und ist heute als fester Bestandteil im Kulturleben des Landes verankert (Foto: Thomas Schmidt) Das Symphonieorchester Vorarlberg wurde 1984 gegründet und ist heute als fester Bestandteil im Kulturleben des Landes verankert (Foto: Thomas Schmidt)
  • Der Londoner Leo McFall wird als designierter Chefdirigent ab der Saison 2020/21 bereits im April 2020 ein Konzert leiten (Foto: Dietmar Mathis) Der Londoner Leo McFall wird als designierter Chefdirigent ab der Saison 2020/21 bereits im April 2020 ein Konzert leiten (Foto: Dietmar Mathis)