Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

29.12.2019 |  Peter Füssl

Perfekte musikalische Symbiose - 5/8erl in Ehr’n & Jazzorchester Vorarlberg begeisterten mit neuem Programm am ausverkauften Dornbirner Spielboden

Samstag, 28.12.2019 – ein paar hundert Leute werden dieses Datum als eine der Sternstunden am Dornbirner Spielboden im Gedächtnis behalten, denn die erstmals öffentlich präsentierte Kooperation des Jazzorchesters Vorarlberg mit der renommierten „Wiener Soul“-Band 5/8erl in Ehr’n erwies sich als absoluter Glückstreffer. Eine musikalische Win-win-Situation allererster Güte, weil der lässige Schmäh und die publikumswirksame Musikalität der Wiener durch die breitgestreute Farbenpracht und Wucht des Orchesters ihre Wirkung um ein Vielfaches potenzierten. Ein musikalisches Fest – und gemütlich wie eine Party unter Freunden.

5/8erl in Bestform ...

 

Vier Amadeus-Awards in der Kategorie Jazz/World/Blues markieren die erfolgreiche Bandgeschichte des 2006 gegründeten Wiener Quintetts mit den Sängern Bobby Slivovsky und Max Gaier, Gitarristin Miki Liebermann, Bassist Hanibal Scheutz (ja, ein Sproß des legendären Wilfried) und dem musikalischen Mastermind Clemens Wenger an den Keyboards. Die vorwiegend im Dialekt vorgetragene, geniale Mischung aus wehmütiger Poesie und Wiener Schmäh, Liebeslied und Aufmüpfigem wird mit einer publikumswirksamen Melange aus Jazz, Pop, neuem Wienerlied, Reggae, Funk und Soul zielsicher in die Gehörgänge der sich über alle Altersklassen erstreckenden ZuhörerInnen manövriert. Kopf und Beine werden gleichermaßen angesprochen, und die sympathischen Sänger verstehen auch etwas von nonchalantem Enterainment und finden mühelos den Draht zum Publikum. Die bislang sechs Alben der Band verkauften sich gut, die beiden letzten „Yes We Does“ und „Duft der Männer“ schafften es auch in vordere Charts-Positionen, aber 5/8er in Ehr’n sind vor allem ein Live-Erlebnis!

 

... gekoppelt mit einem äußerst spielfreudigen Jazzorchester Vorarlberg

 

Clemens Wenger, Martin Eberle, Phil Yaeger, Miki Lieberman und Hanibal Scheutz arrangierten in ihren jeweils eigenen, und dennoch bestens miteinander harmonierenden Handschriften alte Hits, Raritäten und brandneues 5/8erl-Material ins 14-köpfige Bigband-Format, wodurch der musikalische Output natürlich enorm an farblicher Strahlkraft und Wucht gewann. Christian Eberle erwies sich als versierter Drummer, der das musikalische Geschehen souverän vorantrieb, in einem Solo auch gekonnt die Muskeln spielen ließ und mit dem grundsoliden Bass von Hanibal Scheutz ein ideales Rhythmus-Gespann bildete. Gitarristin Miki Liebermann überzeugte mit einfühlsamer Vielseitigkeit. Der Saxophon-Satz war mit Isabella Lingg, Martin Franz und Klaus Peter exzellent besetzt und wechselte gerne immer wieder auch auf Klarinette, Querflöte und Bassklarinette, wenn der bunten Soundlandschaft weitere Farbtupfer hinzugefügt werden sollten. Genauso überzeugend waren auch die Blechbläser mit Martin Eberle und Anton Meusburger an Trompete und Flügelhorn, Jan Ströhle an der Posaune und Thomas Halfer an Posaune und Tuba. An Piano und Keyboards überzeugten Benny Omerzell und Clemens Wenger – letzterer leitete auch das Orchester auf souverän-lässige Weise, wobei er sich durch sein auf einer Klavierbank hochgelagertes, nach einer Kreuzband-OP eingegipstes, linkes Bein in keiner Weise beeinträchtigen ließ.

 

Eindrucksvoller Orchester-Sound mit exzellenten Soli als Sahnehäubchen

 

Bereits bei der Premiere dieser vielversprechenden Kooperation fanden die beiden Musikkörper sehr gut zusammen und verschweißten ihre individuellen Talente zu einem eindrucksvollen Orchester-Sound, der gleichermaßen mit druckvoll lässigen Grooves mitzureißen und in einfühlsamer Balladenkunst zu schwelgen vermochte. Einige exzellente Soli verfeinerten das Geschehen sozusagen als musikalische Sahnehäubchen. So steuerte Martin Franz bereits beim ersten Stück, dem funkigen „Euphorie“, ein siedend heißes Sax-Solo bei, wie es andere Musiker vielleicht im Finale eines Konzerts, nachdem sie sich zwei Stunden lang euphorisieren ließen, hinzulegen imstande wären. Auch Martin Eberle brachte seine Trompete mit kraftvoll-emotionalen Soli zum Glühen („Leben wie Qualtinger und Sterben wie Heller“) oder veredelte melancholisch-verhallt den Schmachtfetzen „Heit hea I dem Regen zua“, – wären die Töne Bilder gewesen, würde man sie gerne einrahmen und sich an die Wand hängen. Während Clemens Wenger mehrfach mit verträumten Keyboard-Exkursionen verzauberte, ließ Benny Omerzell im funkigen „Schwochstö“ dermaßen giftig-expressiv die Tasten explodieren, dass einem der Atem stockte und man mit offenem Mund zuhörte. Auch Gitarristin Miki Liebermann verblüffte in der ersten Zugabe, dem balkanmäßig angehauchten „Alaba – How Do You Do?“ mit einem wuchtig hingefetzten Rockgitarren-Solo. Das waren nur einige der Highlights in einem durch und durch gelungenen Abend, der mit tobendem Applaus und Standing Ovations endete. In Wien hat man den Braten wohl schon länger gerochen, denn auch das „Porgy & Bess“, wo das Konzert am 30.12. über die Bühne gehen wird, ist längst ausverkauft. Vielleicht gibt’s ja noch irgendwann einmal ein Wiederholungskonzert in Vorarlberg!

Ein grandioser Abend mit dem Jazzorchester Vorarlberg & 5/8erl in Ehr'n (v.l.n.r.): Benny Omerzell,  Miki Liebermann, Christian Eberle, Bobby Slivovsky, Hanibal Scheutz, Thomas Halfer, Max Gaier, Isabella Lingg, Jan Ströhle, Martin Franz, Martin Eberle, Clemens Wenger, Anton Moosbrugger, Klaus Peter (alle Fotos: © Niklas Koch/Spielboden)

Ein grandioser Abend mit dem Jazzorchester Vorarlberg & 5/8erl in Ehr'n (v.l.n.r.): Benny Omerzell, Miki Liebermann, Christian Eberle, Bobby Slivovsky, Hanibal Scheutz, Thomas Halfer, Max Gaier, Isabella Lingg, Jan Ströhle, Martin Franz, Martin Eberle, Clemens Wenger, Anton Moosbrugger, Klaus Peter (alle Fotos: © Niklas Koch/Spielboden)

Die Sänger Bobby Slivovsky und Max Gaier verstehen sich durchaus auch aufs Entertainment

Die Sänger Bobby Slivovsky und Max Gaier verstehen sich durchaus auch aufs Entertainment

Die beiden JOV-Leader, Saxophonist Martin Franz (links vorne) und Trompeter Martin Eberle (hinten in der Mitte) überzeugten auch mit exzellenten Soli

Die beiden JOV-Leader, Saxophonist Martin Franz (links vorne) und Trompeter Martin Eberle (hinten in der Mitte) überzeugten auch mit exzellenten Soli

Clemens Wenger leitete trotz Gipsbein souverän-lässig das Orchester

Clemens Wenger leitete trotz Gipsbein souverän-lässig das Orchester

Benny Omerzell: Hier wirkt er noch freundlich, aber im funkigen „Schwochstö“ ließ er giftig-expressiv die Tasten explodieren

Benny Omerzell: Hier wirkt er noch freundlich, aber im funkigen „Schwochstö“ ließ er giftig-expressiv die Tasten explodieren

Miki Liebermann brillierte mit stilistischer Vielfalt (alle Fotos: © Niklas Koch/Spielboden)

Miki Liebermann brillierte mit stilistischer Vielfalt (alle Fotos: © Niklas Koch/Spielboden)

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Ein grandioser Abend mit dem Jazzorchester Vorarlberg & 5/8erl in Ehr'n (v.l.n.r.): Benny Omerzell,  Miki Liebermann, Christian Eberle, Bobby Slivovsky, Hanibal Scheutz, Thomas Halfer, Max Gaier, Isabella Lingg, Jan Ströhle, Martin Franz, Martin Eberle, Clemens Wenger, Anton Moosbrugger, Klaus Peter (alle Fotos: © Niklas Koch/Spielboden) Ein grandioser Abend mit dem Jazzorchester Vorarlberg & 5/8erl in Ehr'n (v.l.n.r.): Benny Omerzell, Miki Liebermann, Christian Eberle, Bobby Slivovsky, Hanibal Scheutz, Thomas Halfer, Max Gaier, Isabella Lingg, Jan Ströhle, Martin Franz, Martin Eberle, Clemens Wenger, Anton Moosbrugger, Klaus Peter (alle Fotos: © Niklas Koch/Spielboden)
  • Die Sänger Bobby Slivovsky und Max Gaier verstehen sich durchaus auch aufs Entertainment Die Sänger Bobby Slivovsky und Max Gaier verstehen sich durchaus auch aufs Entertainment
  • Die beiden JOV-Leader, Saxophonist Martin Franz (links vorne) und Trompeter Martin Eberle (hinten in der Mitte) überzeugten auch mit exzellenten Soli Die beiden JOV-Leader, Saxophonist Martin Franz (links vorne) und Trompeter Martin Eberle (hinten in der Mitte) überzeugten auch mit exzellenten Soli
  • Clemens Wenger leitete trotz Gipsbein souverän-lässig das Orchester Clemens Wenger leitete trotz Gipsbein souverän-lässig das Orchester
  • Benny Omerzell: Hier wirkt er noch freundlich, aber im funkigen „Schwochstö“ ließ er giftig-expressiv die Tasten explodieren Benny Omerzell: Hier wirkt er noch freundlich, aber im funkigen „Schwochstö“ ließ er giftig-expressiv die Tasten explodieren
  • Miki Liebermann brillierte mit stilistischer Vielfalt (alle Fotos: © Niklas Koch/Spielboden) Miki Liebermann brillierte mit stilistischer Vielfalt (alle Fotos: © Niklas Koch/Spielboden)