Lautstark gegen Gewalt und Ausgrenzung - Good Vibrations mit "Mono & Nikitaman" zum Auftakt des FM4-Wochenendes beim Poolbar Festival
Der Donnerstagabend stand ganz unter dem Motto "Love, Peace and Unity". Mit wärmenden Reggaeklängen und bewegenden Texten brachten "Millions of Dreads" und "Mono & Nikitaman" den Sommer in die Poolbar und eröffneten das FM4-Wochenende. Heute erobern "Camo & Krooked" den Dancefloor, morgen heizen "Get Well Soon" nach "Kommando Elefant" ein und überlassen die Halle dann der zeitgenössischen Volksmusik von "Atwenger".
Österreichischer Reggae die ganze Nacht
Die fünf Freunde aus der Steiermark entzündeten ein Feuer in der jungen Nacht. "Millions of Dreads" kamen ganz ohne Schlagzeug und Bass aus und brachten dennoch einen dicken Soundteppich von der Bühne. Klar formulierten sie ihre Gedanken in deutschen Worten, setzten ein zementiertes Beat-Box-Fundament und umspielten alles mit gezielt gesetzten Posaunen, Samples und Tasten. Sie hatten ihr heuer erschienenes zweites Album "Im Wandel" mit im Gepäck und sind im FM4-Soundpark.
Einen klaren Standpunkt beziehen
"Mono & Nikitaman" sind ein dynamisches deutsch-österreichisches Reggae-Dancehall-Packet. Ihr Auftritt beim Poolbar-Festival war nicht nur ein gefeiertes Soundspektakel, sondern eine lautstarke Demonstration für Freiheit statt Angst. Ihre Songs transportierten eine Message. Dass sie ihre Predigten in deutscher Sprache halten, macht sie leichter verständlich: so konnte die überglückliche Masse üben gleichzeitig zu singen und zu springen. "Mono & Nikitaman" wettern mit fetten Beats für eine bessere Welt. Sie machen Schule gegen Rassismus und für Courage. Kein Mensch sollte ausgegrenzt werden.
Kunst und Musik für ein friedvolles Miteinander
"Nikitaman" ist Deutscher holländischer Herkunft der aber eine Zeitlang in Österreich gelebt hat. "Mono" kommt aus Linz, lebte aber auch in Großbritannien und in den USA. Die beiden haben Weltoffenheit erfahren und wollten das gestern Abend weitergeben. Ein wichtiger Auftrag, denn auch wenn es schon lange her ist, oder vielleicht gerade deshalb, sollten wir aus der Geschichte gelernt haben. Die Themen haben leider nicht an Aktualität verloren. Erfreulich, wenn Künstler die Bühne nutzen, um ein Zeichen zu setzen, gegen Nationalismus und Fremdenhass, gegen Diskriminierung und Unterdrückung, gegen Zwänge und Angst, für die Freiheit und ein friedvolles Miteinander aufzutreten. Natürlich wurde auch das Klischee eines solchen Reggae-Konzertes bedient, aber intelligent. Sie wünschten sich nicht einfach nur, dass man das Kiffen legalisiert, sondern machten viel mehr darauf aufmerksam, wie sehr der Alkohol verherrlicht würde.
Sonnenschein und Sommerfeeling
Der Sound von "Mono & Nikitaman" klingt jedenfalls echt jamaikanisch und steht klar im Einfluss des Genrebegründers Bob Marley. Sie brachten Sonnenschein und Sommerfeeling in die Poolbar. Sie zeigten aber auch andere Seiten und bombardierten die wild springende Menge mit Dancehall, der wortwörtlich die Halle zum Tanzen brachte. Mit all diesen feinen Zutaten kann nur ein gutes Mahl auf den Tisch kommen. Good Vibrations erfüllten Feldkirch und die Leute waren eben nicht feierwütig, sondern feierfreudig. Sie machten für kurze Zeit jede und jeden einzelnen zum Sommerkind, auch bei inzwischen chronischem Regen oder Wind.
Unter dem Titel "Unter Freunden" haben sie heuer ihr viertes Album veröffentlicht, alles ohne Major-Label und in Eigenregie. Spaß, Kreativität oder finanzielle Gründe haben da bestimmt mitgespielt, wahrscheinlich aber auch das Misstrauen gegenüber der Industrie und ihr ungebrochener Freiheitsdrang. Solche Alben sollte man als Fan dann auch kaufen, um seine Band zu unterstützen, statt gratis was aus dem Netz zu saugen.