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14.04.2009 |  Silvia Thurner

Helden - im Detail und im großen Stil

Mit einem zweitteiligen Konzert schloss das Symphonieorchester Vorarlberg den aktuellen Abonnementzyklus ab. Zuerst interpretierte Florian Uhlig Beethovens fünftes Klavierkonzert. Mit seiner Deutung erfüllte er zwar traditionelle Hörerwartungen nicht, er eröffnete jedoch ungewöhnliche Hörperspektiven. Eine Visitenkarte lieferte das SOV mit dem Monumentalwerk „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss. Der Geiger Hans-Peter Hofmann als Solist, Gérard Korsten am Dirigentenpult und die MusikerInnen zogen das Publikum im Bregenzer Festspielhaus in ihren Bann und zeichneten die guten Lebensabschnitte und die Querelen des Helden in einem stringenten musikalischen Bogen nach.

Beethovens fünftes Klavierkonzert ist ein Klassiker des Konzertrepertoires und wohl nur wenige KonzertbesucherInnen verbinden nicht spezifische Bilder mit diesem berühmten Werk. Doch Florian Uhlig lieferte mit seinem Zugang zu diesem Werk einige Überraschungen, die nicht nur auf Zustimmung stießen. Er spielte die Themen mit einer ausgeklügelten Anschlagskultur, die vor allem die harmonischen Beziehungen, Spannnungsverhältnisse und Verbindungslinien in den Motiv- und Themengestaltungen betonte. Besonderes Augenmerk richtete er auf die in sich ruhenden Felder, wo der Solist getragen wurde von einem ausgewogenen Orchesterklang. So bewirkte Uhlig, dass Schwerpunkte innerhalb der Themenführungen in einem ganz anderen Licht erschienen. Dieses Hinhören auf eine teilweise überraschend neue Sicht der Dinge, eröffnete mir neue Hörperspektiven und entwickelte eine große Spannkraft. Vor allem der Beginn des langsamen Satzes mit den transparent und perlend gespielten melodischen Themen und die Nahtstellen zwischen den Soli und den Tuttipassagen und die Überleitung zum Finalsatz wurden mit einem bedachtsamen Miteinander und einem gemeinsamen Atem entfaltet. Das Orchester war ein aufmerksamer Partner, bedacht auf Uhligs Präferenzen innerhalb der Werkdeutung.

Musikalische Dramatik

Strauss’ monumentale Tonschöpfung „Ein Heldenleben“ formten die MusikerInnen mit einer bewundernswerten Konzentration. Die groß angelegten Bögen, wogend ineinander verkettet durch vielgestaltige Themenabwandlungen, wurden plastisch und aussagekräftig gebildet. Gérard Korsten leitete die MusikerInnen mit einer impulsiven und klaren Gestik, so dass sich der musikalische Fluss mit einer erlebbaren Stringenz entwickelte. Leidenschaftlich und souverän, karikierend überzeichnet, aufbrausend und abgeklärt agierten die einzelnen Stimmgruppen. Das Thema des „Helden“ kristallisierte das nie oberflächlich musizierende Orchester leitmotivisch klar heraus und stellte damit immer wieder die Verbindungen zum Gesamtkontext her.

Klangsinnlich

Hans-Peter Hofmann ist seit Jahren der viel beachtete Konzertmeister des SOV, diesmal spielte er die Rolle des Helden und überzeugte auf seine individuelle Weise. Er musizierte ganz bei sich selbst, personifizierte die melodischen Linien voller Leidenschaft und Musikalität und entfaltete ein facettenreiches Panorama an emotionalen Welten. Überdies trat Hans-Peter Hofmann in eine schöne Zwiesprache mit seinen Partnern. Das Konzert wirkte in sich abgerundet und hinterließ einen starken Eindruck

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