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25.03.2009 |  Silvia Thurner

Folksongs, Lieder des Lebens

Volkslieder haben seit jeher die Komponisten inspiriert und zahlreiche musikalische Ideenwelten geprägt. Nicht nur weil sie interessante musikalische Idiome beinhalten, sondern auch um die eigene Identität zu finden oder zum Ausdruck zu bringen. In der vergangenen Woche stellte das Vorarlberger Landeskonservatorium einige Konzerte unter das Motto „Musik und Migration“ und selbstverständlich schöpften die MusikerInnen unter diesem Leitgedanken auch aus dem Fundus der Folksongs. Im Rahmen eines Dozentenkonzertes beeindruckten die MusikerInnen vor allem mit authentischen Werkdeutungen von Mario Castelnuovo-Tedesco, Maurice Ravel und Luciano Berio. Die Harfenistin Consuelo Giulianelli zeichnete für das stimmungsvolle Konzert verantwortlich.

Natürlicher Charme

Zu Beginn trat Consuelo Giulianelli auf die Bühne, setzte sich an ihre Harfe und sang „Three sephardic melodies“ des Italienischen Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco. Der natürliche Charme der Musikerin und ihre schöne Stimme wirkten authentisch. Ihr Harfenspiel intensivierte die Musik zusätzlich, unter anderem mit chromatischen Läufe in „Montanas altas“, Tonkaskaden und beziehungsreichen harmonischen Wendungen in „Ven y verras“. Tonmalerische Motive erzeugten in „Una Noche“ eine unterschwellige Spannung. Maurice Ravels „Sonatine“ für Flöte, Cello und Harfe wurde im Original für Klavier komponiert. Obwohl ich Bearbeitungen eher skeptisch gegenüber stehe, verströmte diese Werkfassung von Carlos Salzedo einen eigenständigen Charakter mit vielschichtigen Klangfarbenschattierungen. Eugen Bertel (Flöte) und Imke Frank (Violoncello) balancierten ihre Linien schön aus, unterstützt vom komplex angelegten Harfenpart. Der durchdachte Einsatz leiser Passagen verlieh der Musik einen poetischen Charakter und unterstrich die große Gestaltungskraft der MusikerInnen. Ravels „Chansons madécasses“ für Mezzosopran, Flöte, Cello und Harfe sang Dora Kutschi. Im Wechselgesang mit dem Violoncello kamen die vielgestaltigen emotionalen Ebenen des Textes zwar zum Ausdruck, sie wirkten jedoch insgesamt etwas unterkühlt. Vielleicht auch deshalb, weil Dora Kutschi zu sehr auf die Noten konzentriert war.

Von Amerika nach Azerbaijan

Luciano Berio schrieb die „Folk Songs“ für Mezzosopran und Ensemble seiner Ehefrau Cathy Berberian auf den Leib. Als abgerundetes Gesamtereignis bündelte er Volkslieder aus Amerika, Armenien, Frankreich, Sizilien und anderen Ländern und kristallisierte die typischen Idiome jedes einzelnen Liedes heraus. Das Ensemble (neben den bereits erwähnten MusikerInnen spielten Karin-Regina Florey an der Viola sowie Stefan Greussing und Martin Sutter am Schlagwerk) unter der Leitung von Wolfgang Lindner brachte die Emotionen der „Folk Songs“ gut zum Ausdruck. Die zeitgenössischen Stilmittel, die Berios musikalischer Sprache zur Verfügung standen, beispielsweise das Spiel mit den Obertönen und Glissandi belebten die Musik und bewirkten zugleich ein erdiges Fundament. Bei diesen Liedern war Dora Kutschi in ihrem Element, sie brachte das kraftvolle Timbre ihrer Stimme wirkungsvoll zum Einsatz und überhöhte die zugrunde gelegten Texte auf ihre individuelle Art.

Das engagierte Ensemble des Landeskonservatoriums

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