Das Klangkollektiv Wien unter der Leitung von Rémy Ballot gastierte erstmals im Dornbirner Kulturhaus.
Silvia Thurner · 05. Mär 2012 · Musik

Ein Musiker, der etwas zu sagen hat und helle Begeisterung auslöst – Jubel für Aaron Pilsan

Im dicht gedrängten Kulturkalender gibt es in jedem Jahr eine Hand voll Highlights, die eine nachhaltige Wirkung ausstrahlen. Sicher war auch das Klavierrecital mit Aaron Pilsan im Dornbirner Kulturhaus ein derartiges Ereignis. Mit einer hervorragend abgestimmten Werkauswahl zeigte der erst siebzehnjährige Pianist die Bandbreite seines Könnens. Die technische Brillanz sowie die Tatsache, dass er das gesamte Programm auswendig spielte, waren beeindruckend. Größte Bewunderung riefen jedoch vor allem seine durchdachten Werkdeutungen hervor. Aaron Pilsan interpretierte Werke von Beethoven, Chopin, Liszt sowie Hans-Udo Kreuels mit großem Verständnis für innere musikalische Wirkzusammenhänge und kristallisierte diese mit einer faszinierenden Prägnanz heraus.

Endlich steht den MusikerInnen im Dornbirner Kulturhaus ein adäquates Instrument zur Verfügung. Im Rahmen des Recitals von Aaron Pilsan hatte auch der neue Steinway sein Debüt. Es gab also allen Grund zum Feiern im voll besetzten Saal.
Einleitend standen die beiden Sonaten op. 31/1 und op. 26 von Ludwig van Beethoven auf dem Programm. Originell gestaltete Aaron Pilsan im Eröffnungssatz der Sonate op. 31/1 die vertrackten Rhythmen mit den vorgeschlagenen Akkorden in der rechten Hand und lenkte damit von Beginn an die ganze Aufmerksamkeit auf sich. So selbstverständlich die rhythmische Raffinesse ausgestaltet wurde, so unprätentiös stellte Aaron Pilsan auch virtuose Figurationen perlend in den Raum. Und die Freude mit dem Spiel getäuschter Hörerwartungen im Finalsatz war dem jungen Interpreten förmlich anzusehen.

Die Kunst der Tongebung

In allen nachfolgenden Werkdeutungen kam man aus dem Staunen nicht heraus und viel könnte darüber gesagt werden, weil jede einzelne musikalische Passage durchdacht und transparent ausformuliert wurde. Ein Markenzeichen des Aaron Pilsan ist seine differenzierte Anschlagskultur. Damit schafft er Gewichtungen und verleiht den Themenführungen eine ganz eigene Körperlichkeit, die immer wieder aufs Neue überrascht. Eine besondere Spannung erreicht Aaron Pilsan überdies durch das Ausloten von Pausen, die er stets gut proportioniert einsetzt. So erhalten die einzelnen Motive und Themen Zeit und entfalten eine energetische  Wirkung. Besonders zu erleben war dies unter anderem im „Marcia funebre sulla morte d’un Eroe“ aus der Beethovensonate, op. 26.

Altes und Neues

Auf der Bühne wirkt Aaron Pilsan sympathisch, seine Gestik ist authentisch und nie ausladend. Im Gegenteil, der Pianist hat eine bescheidene Ausstrahlung und stellt sich in den Dienst der Musik. Dies war auch in der Uraufführung des Werkes „A wie a“ von Hans-Udo Kreuels zu erleben, das Aaron Pilsan ebenfalls auswendig präsentierte. Der kompositorische Hauptgedanke bestand darin, die Qualität und Charakteristik der Tonhöhe „a“ in vielgestaltigen Umgebungszusammenhängen zu beleuchten. Hinweischarakter hatte das Schubertzitat, das an zentraler Stelle erklang und auf die Leuchtkraft des „a“ in der entsprechenden Tonart verwies. Das kurze Klavierstück wirkte in sich stringent konzipiert und überzeugte in der Spielart des Pianisten. Mit dieser Uraufführung zeigte Aaron Pilsan, dass er nicht allein in der Tradition verhaftet ist, sondern die Ausdruckskraft aktuell komponierter Musik erkennt.

Virtuos, aber nicht oberflächlich

Helle Begeisterung erntete der Pianist für seine temperamentvolle Deutung des Andante spianato et grande polonaise brillante, op. 22 von Frédéric Chopin. Und mit Franz Liszts „Venezia e Napoli“ wurden mediterrane Stimmungsbilder in bunten Klang- und Stimmungsbildern nachgezeichnet. Brillante Läufe, aber auch lyrische Themen und Erzählstränge formte Aaron Pilsan mitteilsam aus. Der Jubel zum Abschluss war groß, es gab sogar Standing Ovations.

Aaron Pilsan zählt zu Recht zu den ganz großen aufstrebenden Pianisten der jungen Generation. Da bleibt nur, alles Gute für die Zukunft zu wünschen!