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27.09.2010 |  Thomas Kuschny

Der Mann mit der Doppelhals-Gitarre - David Fiuczynski-Portrait beim proFILE Jazz Festival

David Fiuczynski ist, zumindest in einschlägigen Kreisen, hierzulande schon lange kein Unbekannter mehr. Durch sein Hauptprojekt „Screaming Headless Torsos“ ist er viel in der Welt herumgekommen und hat im Zuge dessen auch schon öfter in Vorarlberg bzw im Spielboden Dornbirn Station gemacht. Naheliegend also, ihm beim proFILE Jazz Festival am Spielboden einmal eine größere Plattform zu bieten, seine Vielseitigkeit zu beweisen.

Im ersten Teil des Abends offenbarte sich, dass es Fiuczynskis  Gitarrenarbeit ist, die mitunter auch mittelmäßigen musikalischen Konzepten noch ungeahntes Leben einzuhauchen imstande ist. „FuZe“ ist vor allem ein hervorragender Gitarrist, der eine völlig eigene Klangsprache entwickelt hat, innovativ und mit hohem Wiedererkennungswert, was man nicht gerade von vielen behaupten kann. Wenn sich die Band gleich zu Anfang des „FuZe plays the Blues“-Projekts mit voller Power eine Buddy Guy-Nummer vornimmt, schrillt sogleich die Blues-Rock-Alarmglocke. Diese eher von Weißbroten erschaffene Verwurstung des Blues ist glücklicherweise nur noch wenig angesagt, auch wenn wie hier Afroamerikaner zur Keule greifen. Unauffällige Durchschnittsware, wenn da nicht Fiuczynski ein wohlüberlegtes, zwischen Klischee und Genialität changierendes Solo darüberlegen würde. Weitere Sichtungen des Blues sind dann dankenswerterweise nicht so brachial und durchaus vielseitig, sogar eine alte Bill Withers-Nummer wird ausgepackt, insgesamt ist der erste Teil aber wenig aufregend und wird alsbald der Gnade des Vergessens anheimfallen.

KIF: Abstrusitäten, von denen man nicht genug bekommen kann

Ganz anders das nächste Konzert. „KIF“ setzt der Protagonist gleich zu Anfang in perfektem Deutsch in Zusammenhang mit der Konsumation gewisser Rauchwaren, spricht von Jimi Hendrix und arabischem Einfluss und brilliert sogleich im Duo mit dem Schlagzeuger durch ein spannendes Gebräu aus orientalischen und in der Tat Hendrix'schen Zutaten. Der bundlose, obere Teil seiner Doppelhals-Gitarre erlaubt durch fließende Glissandi und den Gebrauch arabischer Skalen außerhalb des wohltemperierten Bereichs auch ein Oud-ähnliches Spiel. Danach gibt's neben einer witzigen Interpretation von „Birds of Fire“ vom Mahavishnu Orchestra, bei dem erstmals Drummer Louis Cato seine Fähigkeiten vokal und instrumental beweisen darf, noch allerhand verquere Kompositionen abseits aller gängigen Wege, Abstrusitäten, von denen man nicht genug bekommen kann.

Screaming Headless Torsos - intelligentes Vollgas und kitschiger Soul-Funk

Als Abschluss des Abends dann natürlich die schon erwähnten „Screaming Headless Torsos“. Anschnallen muss man sich hier, aber nur teilweise. Wie üblich wechseln die fünf Herren zwischen intelligentem Vollgas und, ja, reichlich kitschigem Soul-Funk hin und her. Von der Urbesetzung ist außer Fiuczynski nur Percussionist Daniel Sadownik dabei. Sänger Freedom Bremner würde gut als „Sneaky Pimp“ in einem Jarmusch-Film durchgehen, sehr elastisch wechselt seine Stimme von Stevie Wonder über Living Colour bis zu lichten Metal-Höhen, er kann aber nicht ganz mit Original-Sänger Dean Bowman mithalten. Der Bassist spielt solide, aber Louis Cato am Schlagzeug entpuppt sich noch als wahrer Wunderknabe. Während eines durchaus komplizierten selber(!) gesungenen Rhythmuspatterns spielt er ein beeindruckendes Solo. Der Mann muss zwei Gehirne haben.

David Fiuczynski enwickelte einen unverwechslbaren Gitarrenstil

David Fiuczynski enwickelte einen unverwechslbaren Gitarrenstil

Die Screaming Headless Torsos anno 2o1o: Mastermind David Fiuczynski, Louis Cato, Freedom Bremner, David "DJ" Ginyard, Daniel Sadownik

Die Screaming Headless Torsos anno 2o1o: Mastermind David Fiuczynski, Louis Cato, Freedom Bremner, David "DJ" Ginyard, Daniel Sadownik

Ein unglaublicher Drummer - der 24-jährige Louis Cato spielt in den USA schon in der Top-Elite

Ein unglaublicher Drummer - der 24-jährige Louis Cato spielt in den USA schon in der Top-Elite

Zwei Energiebündel: Freedom Bremner und Torsos-Urgestein Daniel Sadownik (alle Fotos © d'Schruppi)

Zwei Energiebündel: Freedom Bremner und Torsos-Urgestein Daniel Sadownik (alle Fotos © d'Schruppi)

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  • David Fiuczynski enwickelte einen unverwechslbaren Gitarrenstil David Fiuczynski enwickelte einen unverwechslbaren Gitarrenstil
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