Christian Eisenberger – o.T., Acryl auf Leinwand (Foto: Kapi)
Silvia Thurner · 04. Mär 2012 · Musik

Der große musikalische Aktionsradius des Uri Caine – spannende Begegnung mit dem Jazzorchester Vorarlberg

Im Rahmen der diesjährigen Jazztage Bludenz stand der amerikanische Pianist und Komponist Uri Caine im Mittelpunkt. Unter anderem war auch das Jazzorchester Vorarlberg (JOV) engagiert, dem Uri Caine einige Werke auf den Leib geschrieben hat. Bei der Uraufführung in der Bludenzer Remise wurde das JOV seinem guten Ruf mehr als gerecht. Später führte Uri Caine mit seinem „Bedrock Trio“ die Zuhörenden in seine außergewöhnlich inspirierte, auch experimentelle Klangwelt ein. Die temperamentvolle Sängerin Barbara Walker verlieh dem Konzert abschließend einen besonderen Kick.

Für den gemeinsamen Auftritt mit dem JOV hat der amerikanische Pianist und Komponist Uri Caine unter dem Titel „Big Bang Music“ einige Werke komponiert. Unmittelbar erkennbar war das breite Spektrum der kompositorischen Stilrichtungen, aus denen Uri Caine schöpft. Aus durchwegs an der Klassik orientierten melodisch-rhythmischen Ausgangsideen formte er prägnante Themen und entwickelte daraus einen Kosmos von gelenkig variierbaren Varianten. Diese boten unter anderem den Solisten die Gelegenheit, ihre spieltechnische Virtuosität unter Beweis zu stellen.

Ausbalanciert

Bereits mit dem ersten Stück „Bludenz 1“ ging es zur Sache. Wirkungsvolle Klangkaskaden wurden getürmt und in chromatischen Rückungen durch den Tonraum geführt. Dabei spielten die Musiker mit einem mitreißenden Drive. Lediglich an einigen Stellen, vor allem im Stück „Bludenz III“ mit perkussiv und klanglich komplexen Passagen, wurden die Grenzen des JOV erkennbar. Allerdings tat dies dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch, denn die Musiker des Jazzorchesters spielten gut aufeinander abgestimmt. Als Partner für die Solisten agierten sie zuverlässig und hielten sich mit transparenter Klanggebung im Hintergrund. Spannungsgeladen wurden auch jene Abschnitte ausgestaltet, in denen die solistischen Passagen vorbereitet wurden.

Sinn für Humor

Beeindruckend am Zusammenwirken von Uri Caine und dem JOV waren überdies der gemeinsame Sinn für Humor und der mitteilsame Zugang zur musikalischen Deutung. „My sugar“, ein Liebeslied, wie Uri Caine andeutete, spielten die Musiker mit unterschiedlichen Rollenverteilungen, ausgefallenen Sounds und aussagekräftigen Dialogen. Lyrisch wurde auch „Miriams Song“ entfaltet, eine Ballade, die Uri Caine der Organisatorin und Leiterin der Bludenzer Remise Miriam Schreinzer gewidmet hat.

Geistreich

Im zweiten Set präsentierte sich Uri Caine in kleiner Besetzung mit Mark Guiliana an den Drums und Tim Lefebvre am E-Bass. Die Musik des „Bedrock Trios“ zog die Zuhörenden unmittelbar in ihren Bann, denn die drei reagierten höchst geistreich aufeinander. Rhythmisch vertrackte Passagen und ungewöhnliche elektronische Sounds wurden ausgekostet und immer wieder zu originellen musikalischen Lösungen geführt.

Power

Später trat die temperamentvolle Sängerin Barbara Walker auf die Bühne, um den Musikern noch einmal ordentlich einzuheizen. Den meisten KonzertbesucherInnen gefiel die Powerfrau. Ich empfand ihren Auftritt nach dem zuvor Gehörten als zu dominant.