Prinz Grizzley legt mit "Dear Leftovers" sein drittes Album vor. © PiaPiaPia
Peter Ionian · 04. Mär 2012 · Musik

Charmant, witzig und gediegen: 19 junge Vorarlberger Musiker brachten originelle Großgruppenmusik vom Bodensee auf die Kulturbühne Ambach

Das 1st Lake of Constance Navy Jazz Orchestra Project präsentiert seit einem Jahr unterhaltsame Big Band Nights auf Vorarlbergs Bühnen. Am gestrigen Samstagabend gastierten sie zum zweiten Mal in der Götzner Kulturbühne Ambach. Und wieder waren sie ausverkauft und spielten jede Menge bekannter Songs neu interpretiert und für eine Big Band arrangiert.

Auf den Plakaten wurde die Band mit dem überlangen Namen angekündigt als: „19 grandiose Musiker mit den derzeit angesagtesten Musikern von HMBC: Philipp Lingg, Andreas Broger & Bartholomäus Natter". Wer jedoch einen holstuonarmusigbigbandclub in erweiterter Besetzung erwartet hatte, sollte sich täuschen. Dass die Big Band im Namen des HMBC vorkommt, aber nicht im Namen des tatsächlichen Big Band Orchesters, hat auch auf der Bühne zu Verwirrung geführt. So haben wir an diesem Abend die unterschiedlichsten Versionen für die Bezeichnung des 1st Lake of Constance Navy Jazz Big Band Orchestra Projects gehört.

What You See Is What You Get

Doch das Konzept ist dafür umso geradliniger: ein Haufen junger Musiker, die vor allem den Spaß an der Sache schätzen und eine originelle Songauswahl mit dem Charme einer Big Band präsentieren. Der Rhythmus baute sich rund um Bandobmann Thomas Bühel und Arrangeur Stefan Höfel auf. Ihnen zur Seite standen vier Trompeten bzw. Flügelhörner, vier Posaunen und fünf Saxophone aufgereiht. Vor allem die Solisten Alexander Kranabetter und der virtuose Andreas Broger spielten auf höchstem Niveau. An vorderster Front waren die beiden Vokalisten. Viola Pfefferkorn beeindruckte durch Zurückhaltung und dafür umso hervorragendere Gesangsdarbietungen. Philipp Lingg schlüpfte in die Rolle des Entertainers, der auch stimmlich überzeugte. Schade, dass das große Potential, das in Duetten stecken würde, nur selten ausgeschöpft wurde.

Durch alle Genres

Im Programm waren vielmehr Solo-Nummern, zu denen sich die beiden jeweils abwechselten. Die Höhepunkte von Pfefferkorns Auftritt waren bestimmt: „How Come You Don’t Call Me“ von Alicia Keys, „Hit The Road Jack“ von Ray Charles und „It’s Oh So Quiet“ von Betty Hutton, das durch die Coverversion von Björk bekannt wurde. Mit Michael Jacksons „Bad“ hatte man sich an ein schwieriges Stück gewagt, dafür fuhr Lingg mit „Children Of Sanchez“, „Whisper Your Name“ und der Eigenkomposition des HMBC „Hold Me Down“ zur Höchstform auf. Wenn HMBC schon auf dem Plakat steht, war in der Zugabe die Interpretation von „Mello Bis Ge Schoppornou“ wohl unvermeidbar. So spielte sich die Mannschaft, die auch zwei Frauen umfasste, durch swingende Songcontestnummern, charmante Pophymnen, melancholische Balladen und frische Neuauflagen.

Das Beste kommt zum Schluss

Der Auftritt war unterhaltsam und vor allem ein Genuss für das Gehör. Leider fehlte im ersten Set ein wenig die mitreißende Stimmung. Es gab viel weniger Pausenklamauk als man sich erwartet hätte. Trotz dem humorvollen Zugang nehmen sich die Bodenseemusikanten durchaus ernst. Spaßig sind die Outfits, die entsprechend dem Namen weißen Matrosenuniformen nachempfunden sind. Nach der Pause ging alles wesentlich losgelöster weiter und die Gäste tauten langsam auf. Die Info, dass der Abend vom ORF mitgeschnitten wurde, hat dazu vielleicht auch seinen Teil beigetragen. Szenenapplaus für die Soli und auch nach den Songs gab es schon den ganzen Abend, aber nun wurde auch gelegentlich mitgeklatscht. Die Band war gut, das Publikum hat es aber leider auf den Sitzen gehalten. Mit den derzeit angesagten Musikern, neuen spannenden Arrangements und einem 19-fach multiplizierten Wirkungskreis bleibt aber auf jeden Fall anzunehmen, dass auch zukünftige Auftritte wieder eine sehr gute Resonanz finden werden.

www.jazzorchestra.at