Mit dem satirisch aufbereiteten Musiktheater „Yum!“ setzte Wen Liu dem Publikum einen Spiegel der Gegenwart vor. (Foto: Anja Koehler)
Silvia Thurner · 21. Nov 2013 · Musik

Den musikalischen Dingen auf den Grund gehen – Der Eröffnungsabend der diesjährigen „bludenzer tage zeitgemäßer musik“ war etwas langatmig

Mit einer Festausgabe der „bludenzer tage zeitgemäßer musik“ wird das 25-jährige Bestehen des Vereins allerArt gefeiert. Am Eröffnungsabend standen Werke des ehemaligen Festivalleiters Georg Friedrich Haas im Mittelpunkt. Neben Werken von Helena Winkelman und Yair Klartag, ehemalige Studenten in der Kompositionsklasse von G.F. Haas, bereicherte die Komposition „Skalen, Texte, Maß“ von Alexander Moosbrugger den Abend.

Das „ensemble recherche“ mit Martin Fahlenbock (Flöte), Jaime González, (Oboe), Shizuyo Oka (Klarinette), Christian Dierstein (Schlagwerk), Klaus Steffes-Holländer (Klavier), Melise Mellinger (Violine), Barbara Maurer (Viola) und Åsa Åkerberg (Violoncello) musizierte auf einem bewundernswert hohen Niveau. Konzentriert vertieften sich die MusikerInnen in jede einzelne Komposition. Doch trotz der bedachten Programmgestaltung und der hervorragenden Werkdeutungen wirkte das Eröffnungskonzert etwas flau.

Wenig repräsentativ


Am Beginn stand das Ensemblewerk „Nach-Ruf ... ent-gleitend...“ von Georg Friedrich Haas. Darin kristallisierte der Komponist aus sich reibenden Klangfeldern heraus immer wieder anders gestaltete Obertonakkorde. Eigentümlich ‚alt’ wirkte diese Komposition aus dem Jahr 1999 und wenig aussagekräftig für die Qualitäten des international geschätzten Komponisten Georg Friedrich Haas. Dies betraf auch die beiden Solowerke für Bassklarinette und Viola aus dem variabel kombinierbaren Werk „...aus freier Lust ... verbunden ...“. Die speziellen Spieltechniken und die Spielarten der Solistinnen Shizuyo Oka und Barbara Maurer beinhalteten zwar einige reizvolle Hörereignisse, repräsentativ für einen Konzertabend anlässlich eines Jubiläumsfestes waren diese jedoch nicht.

Ein Ereignis


Erst das Sextett „Tria ex uno“ offerierte die besondere Kunst, mit der G.F. Haas musikalische Verläufe aus der Tradition heraus und in seinen musikalischen Kosmos überführt. Zuerst erklang eine Passage aus dem „Agnus Dei II“ des Renaissance-Komponisten Josquin Deprez. Daraus generierte Haas in den folgenden Abschnitten die Quintessenzen der polyphon angelegten Linien und deren Zusammenklänge. Dazu modellierte er schubartige Tonballungen, die in vielfarbig nuancierten Klangschattierungen eine besondere innere Kraft verströmten. Mitreißend interpretierte das „ensemble recherche“ dieses anspruchsvolle Werk.

Den StudentInnen ein Podium bieten


Georg Friedrich Haas bietet immer wenn er dazu Gelegenheit hat, auch seinen (ehemaligen) KompositionsstudentInnen einen Raum, damit sie ihre Musik präsentieren können. In Bludenz wurde Helena Winkelmans „Impromptu“ für Klavier präsentiert. Anklänge an Schubert wurden deutlich und auch die beiden Gegenwelten des musikalischen Ausgangsmaterials als formbildende Teile kamen zur Geltung. Dennoch entwickelte sich das Werk eher wenig langatmig. Yair Klartag verwendete für sein Werk „All Day I Hear the Noise of Waters“ Gläser, Wasser, ein rauschendes Radio, ein Metronom sowie eine Ratsche als Instrumentarium. Spielerisch wirkte die kompositorische Anlage des Werkes. Während des Einfüllens der Gläser wurden diese tremoloartig angeschlagen und durch Reiben am Glasrand zum Klingen gebracht. Doch Christian Dierstein konzentrierte sich allzu penibel auf die Partitur und nahm dadurch der Musik genau den spielerischen Reiz.

Eine Bereicherung


Gut dass Alexander Moosbruggers Komposition „Skalen, Texte und Maß“ das Lehrer-/Schülerkonzert aufmischte. Dieses Werk forderte die volle Konzentration jedes Zuhörenden ein und wirkte auf seine individuelle Art spannend und in sich schlüssig angelegt. Die Musiker mussten innerlich einen Text rezitieren und dazu musikalische Aktionen setzen. Das funktionierte ausgezeichnet und die Musik verströmte eine inspirierende Kraft.

 

Weitere Konzerte und Veranstaltungen im Rahmen der btzm

Donnerstag, 21. November; Remise Bludenz, 20:00 Uhr 

Ensemble Phace, Uraufführungen von Wolfram Schurig, Giorgio Netti und Christopher Trebue Moore.

Freitag, 22. November, Remise Bludenz, 20:00 Uhr
Formalist Quartet. Werke von Alexander Moosbrugger und Georg Friedrich Haas.

Samstag, 23. November, Künstlerhaus Thurn und Taxis, Bregenz 11:00 Uhr – 21:00 Uhr

Performances und Installationen von Serge Baghdassarians und Bois Baltschun; Alessandro Bosetti; Achim Lengerer und Erik Bünger.

Internet: www.btzm.at