Tanz ist Festival (Foto: Stefan Hauer)
Michael Löbl · 18. Okt 2022 · Musik

Das Festival alpenarte in Schwarzenberg ab sofort unter neuer Leitung

Der Liechtensteiner Kulturmanager Drazen Domjanic, Gründer und Intendant von alpenarte, möchte seine zahlreichen Aktivitäten reduzieren und sich vor allem dem neuen Campus der Internationalen Musikakademie in Liechtenstein widmen. Eine geregelte und nahtlose Übergabe war ihm wichtig, und so wurde am Sonntag im Rahmen des Abschlusskonzertes die neue Leitung von alpenarte offiziell vorgestellt.

Das Gremium rund um den Präsidenten Hans Metzler hat einen vielversprechenden Nachfolger ausgewählt: Matthias Honeck, in Vorarlberg aufgewachsener Geiger, derzeit Stimmführer bei den Wiener Symphonikern, wird gemeinsam mit seiner Schwester Anna Maria die Leitung des Festivals übernehmen.

Entspannte Atmosphäre

Noch-Intendant Drazen Domjanic verabschiedete sich mit einem dreitägigen Musikfest ganz nach seinem Geschmack vom alpenarte-Publikum. Mit Artist-in-Residence, unzähligen jungen Künstler:innen und insbesondere im zweiten Konzert einer lockeren und sehr unterhaltsamen Konzertdramaturgie.
Auch dieses Festival denkt über neue und zukunftsorientierte Konzertformen nach, kommt aber zu ganz anderen Schlüssen als beispielsweise die Montforter Zwischentöne. Beiden ist aber die Einbindung regionaler Künstler und Strukturen wichtig. Die drei Tage waren abwechslungsreich, Barock, Evergreens und Klassik in verschiedensten Konstellationen ließen jedenfalls keine Langeweile aufkommen. In allen drei Konzerten war eine Künstlerin als Artist-in-Residence zu erleben: Die Vorarlberger Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn.

Unglaubliche Vielseitigkeit

Es gibt nicht viele Sängerinnen, denen eine derartige Bandbreite an Stilen und Gesangsarten zur Verfügung steht, und das noch dazu auf einem unglaublich hohen Niveau. Ob unplugged mit Klavier oder mit Mikro, ob Barock, Autumn Leaves, Whitney Houston oder Lieder von Richard Strauss – Isabel Pfefferkorn kann das wirklich alles, findet sofort den richtigen Ton und die zur Musik passende Bühnenpräsenz. Das ist wirklich ungewöhnlich, auch das Publikum ist fasziniert.
„Evergreens" war der Titel des zweiten Konzertes am Samstag. Drazen Domjanic hat während des ersten Lockdowns jeden Tag einen selbst gespielten Evergreen auf einer Facebook-Seite ins Netz gestellt und konnte damit sieben Millionen Besucher:innen erreichen. Das daraus inspirierte Programm umfasste Evergreens aller Art, von Drazen Domjanic moderiert und teilweise selbst am Klavier gespielt oder begleitet, mit unglaublich begabten jungen Musikern und Musikerinnen, in erster Linie Stipendiat:innen der von ihm gegründeten Musikakademie in Liechtenstein. Die Atmosphäre war entspannt, man durfte sogar Getränke mit in den Saal nehmen. Auf dem Programm standen Werke und Evergreens unter anderem von Joseph Kosma, Pablo de Sarasate, Fritz Kreisler, Sergei Rachmaninoff, Gioacchino Rossini oder Astor Piazzolla.  

Jugend und Talent

Die exzellenten Musiker:innen haben alle zwei Dinge gemeinsam, nämlich ihre Jugend ebenso wie ihre außergewöhnliche Begabung. Der Südtiroler Geiger Julian Kainrath, der kurzfristig eingesprungene Petar Pejcic aus Belgrad am Violoncello oder die drei ukrainischen Pianisten Oleksandr und Roman Fediurko sowie Dmytro Semykras. Der Auftritt der Schweizer Sängerin Nadja Maria Endrizzi mit einer mit Playback gesungenen Eigenkomposition wirkte hingegen wie ein Fremdkörper im Programm und wäre auch verzichtbar gewesen. Dann hätte es allerdings die letzte Zugabe nicht gegeben, einen Song von Mariah Carey und Whitney Houston, gemeinsam gesungen mit Isabel Pfefferkorn und begleitet von Drazen Domjanic am Flügel – der perfekte Abschluss dieses besonderen Konzertes.
Am Tag darauf das Abschlusskonzert, nun sehr klassisch. Im ersten Teil Lieder von André Previn und Richard Strauss, überirdisch schön gesungen von Isabel Pfefferkorn gemeinsam mit Paul Handschke am Cello und Dominic Chamot am Flügel. Nach der Pause dann die etwas umständliche Übergabe der Intendanz an Matthias Honeck und Anna Maria Honeck, gefolgt von einem Doppelkonzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy mit dem Geiger Leonhard Baumgartner, Vladimir Acimovic, Klavier und dem Ensemble Esperanza. Mendelssohn hat ja bereits als Jugendlicher großartige Kompositionen verfasst, dieser langatmige Schinken gehört allerdings definitiv nicht dazu. Immerhin bietet er beiden Solisten reichlich Gelegenheit, sich technisch, musikalisch und klanglich zu präsentieren. Vladimir Acimovic ist ein brillanter und sehr sensibler Pianist, Leonhard Baumgartner, derzeit noch Schüler am Musikgymnasium Wien, ist bereits jetzt ein absoluter Ausnahmekünstler mit starker Ausstrahlung auf der Bühne.

Unter neuer Leitung

Es ist wirklich schwierig, aus all diesen außergewöhnlichen jungen Talenten jemanden hervorzuheben. Aber vier von ihnen hatten dann doch noch eine spezielle Ausstrahlung, die lange nachwirkt. Zwei Pianisten, der erst zwölf Jahre alte Oleksandr Fediurko und der vielseitige, in Jazz, Klassik, Solo und als Begleiter gleichermaßen überzeugende Dmytro Semykras, der unglaublich souveräne Paul Handschke, seit einigen Monaten Solocellist im Tonhalle-Orchester Zürich und natürlich Leonhard Baumgartner, eine absolute Ausnahmebegabung auf der Violine.
Allen wäre zu wünschen, dass sie in der Musikwelt jenen Platz finden, den sie verdienen. Und Matthias Honeck und seinem Team wünschen wir, dass er alpenarte erfolgreich weiterführt und dass es weiterhin auch außerhalb der Schubertiade besondere Konzerterlebnisse im wunderbaren Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg geben wird.  

www.alpenarte.at