„Tancredi“ begeistert als Hausoper der Bregenzer Festspiele in glänzender Besetzung. (Foto: Bregenzer Festspiele/Karl Forster)
Silvia Thurner · 13. Apr 2011 · Musik

Belebte Klänge – Inspirierendes Konzert mit dem „ensemble plus“

Im Rahmen der Reihe „sul palco“ präsentierte das "ensemble plus" im kleinen Haus des Kornmarkttheaters in Bregenz das neueste Werk „Schallfossile“ von Gerold Amann. Während die Werkdeutung einen eher „unfertigen“ Eindruck hinterließ, fand die Interpretation des humorvollen, aber nicht unkritischen Stückes „Ö! Zur Lage der Kulturnation“ ebenfalls von Gerold Amann viel Zustimmung. Aufsehen erregte Luigi Nonos "Praeludium per Donau“. Engagiert musizierten die EnsemblemusikerInnen Wladimir Rosinskijs Musik für drei Bratschen, das Werk selbst hinterließ einen eher oberflächlichen Gesamteindruck.

Die Atmosphäre in der Black Box des Kleines Hauses des Kornmarkttheaters verstärkte die konzentrierte Stimmung, in der die BesucherInnen die Werkdeutungen erlebten. Für Ermunterung sorgten die zahlreichen Anspielungen, die Gerold Amann im Bratschentrio „Ö!“ verarbeitete. Vornehmlich Zitate aus der klassischen Musik von Schubert über Strauß bis hin zur Bundeshymne bewirkten zahlreiche humorvolle Anspielungen auf politische und gesellschaftliche Gegebenheiten in Österreich. Gyöngy Ellensohn, Karoline Kurzemann-Pilz und Andreas Ticozzi musizierten hervorragend aufeinander abgestimmt, so dass die spitze kompositorische Feder Gerold Amanns prägnant zur Wirkung kam.
Ebenso engagiert spielten die MusikerInnen das Bratschentrio von Wladimir Rosinskij, das zuerst durch einen mitreißenden Drive bestach. Doch bald erschöpfte sich das Interesse an diesem Werk, weil die Fülle an kompositorischen Ideen überbordend, im Detail jedoch wenig ausbalanciert wirkte.

Unausgegorene Erstaufführung

Mit dem Titel „Schallfossilen“ bezeichnet Gerold Amann eine Zusammenschau jener Schallereignisse aus der Natur, die er im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zusammen getragen hat und die ihm stets Vorlagen für kompositorische Werke und Quellen der Inspiration waren. Besonderes Interesse findet und fand er in Transkriptionen von verlangsamten Schallereignissen und Tierlauten, die er nun für Streichquintett (Anita Martinek, Julia Hanke, Andreas Ticozzi, Ulla Hanke, Dominik Neunteufel), Flöte (Anja Baldauf), Horn (Claudia Bär) und Schlagzeug (Stefan Greußing) gesetzt hat. Reizvolle Klangkonstellationen und Nachhalleffekte erregten im „Rotkehlchen-Gesang“ die Aufmerksamkeit. In „Schneewind“ hingegen  mischten sich die Streicherklänge etwas zu wenig. Einen fast romantischen Duktus nahm die Musik in „Wolfsrudel“ und in „Walgesang“ an. Der Abschnitt „Traumzeit“ bildete den Höhepunkt des Werkes, die weit angelegten Linien verströmten einen feinsinnigen Klangcharakter. Humorvoll wirkten die Dialoge im Abschnitt „Siamangs“, die zwischen den Instrumentengruppen herum gereicht wurden. Die Komposition zeigte die verdichtete und zugleich auf das Wesentliche reduzierte Kompositionsart von Gerold Amann, wenngleich die MusikerInnen unter der Leitung von Thomas Gertner mit ihrer Werkdeutung allzu sehr am Notentext verhaftet blieben. Manche Klänge hätte man sich erdiger mit mehr Geräuschanteilen und somit „belebter“ gewünscht.

Packende Klänge

Luigi Nonos „Praeludium per Donau“ interpretierten  Karlheinz Siessl an der Tuba und am Computer Günther Zechberger. Die leisen Klänge, die der Tubist in unzähligen Schattierungen nuancierte, belebten das Werk und bewirkten einen spannenden Bewegungsfluss. Verstärkt wurde der musikalische Sog durch Günther Zechberger, der mittels Elektronik elektroakustische Samples über Vierkanalton modellierte und durch den Raum schickte.
Sympathisch moderierte Ingrid Bertel das Konzert, das beim Publikum auf viel Zustimmung stieß.