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22.03.2016 |  Anita Grüneis

Liland ist überall und anderswo - Das erste Buch von Nancy Barouk-Hasler

Liechtenstein ist reich an literarischen Talenten. Eine von ihnen ist Nancy Barouk-Hasler, geboren in New York, aufgewachsen in München, seit mehr als 30 Jahren in Liechtenstein wohnhaft. Ihr erstes Buch heißt „Liland“, hat 110 Seiten und ist Ende letzten Jahres erschienen.

Liland habe nicht unmittelbar mit Liechtenstein zu tun, versicherte die Autorin in einem Interview. Es sei eher ein virtueller Raum, in dem Dinge geschehen, Menschen leben, träumen und hoffen. Bei einer Recherche zum Wort „Lila“ sei sie zudem darauf gestoßen, dass Lila auf Sanskrit „Spiel der Götter“ heißt. Insgesamt umfasst „Liland“ acht Geschichten, die mehr oder weniger zusammenhängen.

Von Ägypten in die Welt

Am dichtesten ist die Erzählung „2000 Teppiche“, die von einem Vater handelt, der als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie während der Suez-Krise das Land Ägypten verlassen musste, in New York seine Frau kennenlernte und den Großteil seines Lebens in Brüssel verbrachte. Zentrale Figur ist Benedikt, der Sohn des Mannes, der in Liechtenstein lebt und vom Rechtsanwalt informiert wird, dass sein Vater schwer krank im Krankenhaus liegt. Vor dessen Ableben sei noch einiges zu regeln. Dazu müsse er unbedingt nach Brüssel reisen. Da sei die Sache mit den Teppichen. Benedikt besucht seinen Vater, von dem er fast vierzig Jahre nichts gehört hat.

To cut a long story

Und dann nimmt die Autorin den Leitsatz des Monsieur Baruch „To cut a long story short“ zu wörtlich: sie bleibt beim Wiedersehen, schiebt zwar noch zwei Geschichten nach, die aber den Kern der ursprünglichen Geschichte nicht mehr treffen. Man möchte mehr erfahren vom aufregenden Leben dieses Monsieur Baruch, seiner Liebesgeschichte in New York, die von der Familie nicht akzeptiert wird, seinem Sohn Benedikt, dem Teppichgeschäft und all den Bedrohungen. Immerhin: Barouk-Hasler gibt dem Sohn ein „Lila-Notizbuch“ des Vaters mit. Darin heißt es: „Ich schreibe ein Buch, vielleicht für dich, vielleicht für mich selbst. Diese Reise des Schreibens führt nirgendwohin.“ In seinen Ausführungen geht er auf Spinoza ein, erklärt das Wesen des Judentums und die Beweggründe für den Weggang aus Ägypten. Außerdem deutet er das englische Wort Fog, zu deutsch Nebel, auf seine Weise: „F.O.G. Follow Only God. Wir können nicht sehen, wohin wir gehen. Der Weg ist nicht sichtbar. Der Nebel verdeutlicht uns die Nichtsichtbarkeit“.

Wohin ohne Geld

Es wirkt fast so, als versuche die Autorin mit diesem Kapitel aus der Geschichte des Vaters wieder aufzutauchen und ihn sterben zu lassen. Folgerichtig lautet die nächste Geschichte denn auch „Die Beerdigung“. Sohn Benedikt reist wiederum nach Brüssel, erkundet die Eigenheiten einer jüdischen Bestattung, bei der unter anderem immer bar bezahlt werden muss. Doch woher so viel Bargeld in so kurzer Zeit hernehmen? Er wendet sich an die Liechtensteinische Botschaft - und ihm wird geholfen.

Wo wohnt Gott?

Die Autorin versteht es geschickt, Sachverhalte und freie Assoziationen miteinander zu verknüpfen, dazu packt sie ihre philosophischen Betrachtungsweisen vom Leben und Sterben mit einer großen Portion Humor hinein. Das wird vor allem in der Geschichte „Glückskekse“ deutlich, in dem sie den Motivationstrainer Leo im Motivationstief beschreibt. Leo fragt sich, wo Gott wohnt und welche Sprache er spricht, schreibt ihm spontan (und ziemlich betrunken) ein E-Mail und adressiert es an GOD@shangri.li. Wieder nüchtern, bemerkt er, dass er aus Versehen Good statt God geschrieben hatte, entschuldigt sich, bei Frau Good, die ihm auf sein E-Mail geantwortet hatte. Und nun entspinnt sich ein Dialog wie bei „Gut gegen Nordwind“.

Im letzten Kapitel „Lila-eine Möglichkeit“ lässt die Autorin den Sohn Benedikt und den Motivationstrainer im Zug aufeinandertreffen und treibt die Geschichte(n) zugleich ins Surreale. Ihre Geschichten seien wie ein Puzzle, dessen Teile sich nicht richtig ineinanderfügen und ein geschlossenes Ganzes ergeben wollen, meint die Autorin zu ihrem Erstling, der hoffentlich nicht alleine bleiben wird.

 

Nancy Barouk-Hasler, Liland, ISBN 978-3-033-05329-8
Das Buch ist bei Cervantes & Co in Feldkirch und in Liechtensteiner Buchhandlungen erhältlich

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