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17.07.2020 |  Gunnar Landsgesell

Unhinged - Außer Kontrolle

Ein psychopathischer Wutbürger (Cameron Crowe) verfolgt eine junge Mutter (Caren Pistorius) ohne besonderen Grund. Eine Nervenschlacht, holprig inszeniert mit den üblichen Mitteln von Thrillern und garniert mit einigen Härteeinlagen.

Eine Nation in Rage. Schon der Vorspann von „Unhinged“ trägt dick auf: In wahllosen Clips von Amateuraufnahmen, mit denen etwa YouTube sein Millionengeschäft macht, wo Tankstellenräuber Kassiere überwältigen oder auch selbst überwältigt werden, wo Menschen aus fahrenden Autos stürzen oder als Wutbürger andere attackieren, rollt der Film los. Man fragt sich noch, ob das hier eine schnöde Betrachtung zur Trump-Zeit werden soll, die die Gesellschaft mit Kontrollverlust geschlagen hat. Oder ob es um Corona-Psychosen gehen soll, aber der Film wurde schon letztes Jahr gedreht. Beides Fehlalarm. „Unhinged“ hat weder eine politische noch eine psychologische Agenda, und eigentlich auch gar keine richtige Geschichte. Einziger Auftrag ist es, das Publikum durch ein simples Schema von Aktion und Reaktion zu packen. Cameron Crowe spielt einen Mann, über den man nichts weiß, außer dass er offenbar schwer gekränkt wurde, und der seinen Gemütszustand nun in endlose physische Gewalt ummünzt. Caren Pistorius spielt eine junge Mutter, die diesem Mann zufällig über den Weg läuft und so zu dessen Ziel wird. „Unhinged“ ist eine verhängnisvolle Begegnung, erzählt als lange Fluchtbewegung, aufgepeppt mit einigen mörderischen Episoden, mit den tausendfach replizierten Unwahrscheinlichkeiten des Thriller-Gewerbes, aber wenigstens durch die Präsenz seiner zwei Hauptdarsteller aufgewertet. Crowe, ein massiger Mann, der einen langen Weg seit „Gladiator“ hinter sich zu haben scheint und seinen Grimm nicht durch mimische Rafinesse verwässert. Seine Wirkung ist auf Schlichtheit und Physis ausgelegt. Pistorius ist eine junge Frau, die getrieben ist durch innere Nachlässigkeiten und äußere Bedrohungen und während des gesamten Geschehens am Rand der Handlungsunfähigkeit dahinschrammt. Der Dauerbrenner ist die Frage: Wer hilft dem Opfer, wenn nicht die Polizei? Regisseur Derrick Borte dürfte „Falling Down“ des kürzlich verstorbenen Filmemachers Joel Schumacher gesehen haben. Der Vorwurf einer faschistoiden Story, den sich Schumacher und Hauptdarsteller Michael Douglas 1993 noch gefallen lassen mussten, wäre hier aber zu hoch gegriffen. Außer der Abneigung gegen SUV-Fahrer bietet die Figur Crowes kaum Anknüpfungspunkte. Effekte und Affekte sind in "Unhinged" hingegen alles, für einen ordentlichen Autocrash oder einen sauber auf die Tischplatte geknallten Kopf sollte man über dramaturgische Schwächen einfach hinwegsehen. Für Crowe-Fans interessant könnte indes die Frage nach dessen Motiven sein, in dieser Produktion mitzumachen. 

Crowe als Psychopath, SUV-Fahrer und Mann, der andere noch leiden lässt, bevor er selbst abtritt.

Crowe als Psychopath, SUV-Fahrer und Mann, der andere noch leiden lässt, bevor er selbst abtritt.

Fast ein Film, durch den Rückspiegel betrachtet. Aber auch der Terror wirkt hier wie eine altbekannte Größe.

Fast ein Film, durch den Rückspiegel betrachtet. Aber auch der Terror wirkt hier wie eine altbekannte Größe.

Gewalt ohne Reue als Leitmotiv.

Gewalt ohne Reue als Leitmotiv.

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  • Crowe als Psychopath, SUV-Fahrer und Mann, der andere noch leiden lässt, bevor er selbst abtritt. Crowe als Psychopath, SUV-Fahrer und Mann, der andere noch leiden lässt, bevor er selbst abtritt.
  • Fast ein Film, durch den Rückspiegel betrachtet. Aber auch der Terror wirkt hier wie eine altbekannte Größe. Fast ein Film, durch den Rückspiegel betrachtet. Aber auch der Terror wirkt hier wie eine altbekannte Größe.
  • Gewalt ohne Reue als Leitmotiv. Gewalt ohne Reue als Leitmotiv.