30 Jahre Theater Kosmos, ab 2027 Schauspielhaus Bregenz (Foto: Heinz Franziska Ullmann)
Gunnar Landsgesell · 04. Mär 2022 · Film

The Batman

Schon wieder eine Neuverfilmung des Comic-Klassikers. Der Film setzt aber weniger auf ausgefeilte Action-Panoramen, sondern taucht tief in das düstere Innenleben seines Protagonisten ab.

Wer den Überblick über die Neuverfilmungen, Prequels und Sequels aus den Superhelden-Universen von DC und Marvel noch nicht verloren hat, darf sich wohl zur hartgesottenen Fangemeinde zählen. Während die technischen Möglichkeiten die Schauwerte über die Jahre in die Höhe trieben, bremst sich die jüngste Adaption von „The Batman“ gewaltig ein. Vor zehn Jahren verkam „The Dark Knight“ in Christopher Nolans Überwältigungskino fast schon zur Nebenfigur. Bei Matt Reeves führt die Reise hingegen in ein beispielloses Reich der Düsternis. Zwar ist der Schauplatz immer noch Gotham City, aber in Wahrheit reisen wir ungebremst in das nachtschwarze Seelenleben des Milliardärs Bruce Wayne. Robert Pattinson ist auch ohne das queere Cape kaum zu erkennen. Strenge Gesichtszüge, ausdrucksloser Blick und stählern trainierter Körper lassen einen erschaudern. Als Guter unter den Bösen geht er hier gerade noch durch. Drei Stunden hat sich Regisseur Matt Reeves (er fiel mit seiner Adaption von „Planet of the Apes“ auf) Zeit genommen, um in epischer Breite den Kampf gegen die Korruption und einen fiesen Serienmörder aufzunehmen. Auffällig ist dabei, dass es eine ganze Spielfilmlänge, also 90 Minuten, dauert, bis der Fledermausmann zum ersten Mal seine Flügel spannt. Die Bruchlandung hat eine gewisse Komik, vielleicht die einzige im Film. Anstatt ausgeklügelter Actionchoreographien wird oft nur mit den Fäusten gekämpft, das Schinden des Körpers zieht hier eine (Verzeihung) „wohltuende“ Physis gegenüber dem klinischen Superheldenradau vor. Vor allem ist es aber ein interessanter Schachzug von Reeves, Batman in eine Melancholie darüber zu stürzen, dass sein verstorbener Vater eng mit den Antagonisten verbunden war, die er nun selbst bekämpft. Das sind Colin Farrell als feister „Pinguin“ und John Turturro als Carmine Falcone im Mafioso-Style. Wie in einem perversen Theaterstück rollt ein psychotischer Killer, der „Riddler“ (Paul Dano) die Homestory der Familie Wayne auf und eröffnet mit jedem seiner recht grauslich ausgedachten Morde einen weiteren Akt in seinem Feldzug gegen die Korruption. Dafür benutzt er die Social Media, um in kurzen Clips die Lust am Töten mit einer Lektion über die politisch korrupte Elite zu verbinden. Der Riddler und Batman arbeiten sich also am selben Thema ab, Analogien zu politischen Auseinandersetzungen über die „Wahrheit“ scheinen nicht unerwünscht.

Melancholie als Haltung

Mit der Thematisierung einer Verschwörung und dem Kampf gegen Korruption findet „The Batman“ jedenfalls sein eigentliches dramatisches Zentrum. In der ersten Hälfte des Films findet das auf beeindruckende Weise statt: Die ausnahmslos düsteren, regenschweren Bilder erzählen vom Innenleben Bruce Waynes, der wie Nosferatu durch das Leben schleicht und ganz zentraler Teil eines immersiven Filmerlebnisses ist. In der zweiten Hälfte öffnet sich das Geschehen mehr Richtung Crime und Thriller. Wayne hat zwei Verbündete an seiner Seite, einen schwarzen Kommissar (Jeffrey Wright) und eine andere Einzelkämpferin mit Cape und Kostüm, Zoe Kravitz als Catwoman zwischen „Rififi“ und rotziger Punk-Attitüde. Das Trio als optimistisch zu bezeichnen, wäre ziemlich übertrieben, dennoch verankert der Film hier so etwas wie einen (hoffnungsfrohen) Anker in einem Meer aus Korrumpiertheit und systemischer Gewalt. Hier finden sich auch jene Momente, die „The Batman“ mit so etwas Ähnlichem wie menschlicher Größe von den üblichen Superheldenepen abhebt. Die Melancholie von Bruce Wayne, die er unausgesprochen mit Catwoman teilt, wiegt schwerer als jede dramatische Auseinandersetzung. Sie erscheint als Blick auf den Zustand der Welt durchaus realistisch