Stille Nacht
Der aus Vorarlberg stammende Christian Vuissa erzählt die Geschichte der Entstehung des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“, doch sein Film kommt kaum über bloße Bebilderung hinaus, lässt nicht nur Tiefe vermissen, sondern verbreitet durch teilweise unterirdische schauspielerische Leistungen auch unfreiwillige Komik.
Die Geschichte von Pfarrer Mohr, zu dessen Text an Weihnachten 1818 im bei Salzburg gelegenen Dorf Obernberg der Organist Franz Gruber eine Melodie schrieb, ist weitgehend bekannt. Diese erzählt Vuissa klar und geradlinig, aber auch äußerst einfach, um nicht zu sagen einfältig.
Billigste Schwarzweißmalerei
Klar gezogen sind in diesem Film, der vom Pay-TV-Sender „BYUtv, der den Mormonen gehört, produziert wurde, die Grenzen zwischen gut und böse. Während Mohr der reine Gute und die Menschen liebende Wohltäter ist, ist sein Vorgesetzter Pfarrer Nöstler ein erzkonservativer, verbitterter die Welt und die Menschen gering schätzender Widerling. Dazu kommt ein feiner Herr in der Gemeinde, der ebenfalls den fortschrittlichen Mohr attackiert, eine allein erziehende Mutter, die sich in den Pfarrer verliebt, und als Außenseiter die im Wirtshaus singende Maria und ihre Freunde, die Mohr mit seiner Güte in die Kirche zurückführen kann.
Überforderte Schauspieler
Auf Typen reduziert bleiben alle diese Nebenfiguren, dienen nur dazu, um im Kontakt mit Mohr verschiedene Problemfelder aufzuzeigen. Differenzierte Charaktere sucht man hier vergebens, denn es wird auch keine Szene plastischer entwickelt, sondern nur versucht durch häufigen Szenenwechsel den Zuschauer bei der Stange zu halten. Es gibt nur die Bebilderung der Geschichte, aber keine Vertiefung einzelner Momente oder Aspekte.
Das liegt freilich auch an den Schauspielern, die einerseits zwar keinen Raum erhalten ihren Figuren Profil zu verleihen, andererseits dazu aber sichtlich auch nicht in der Lage sind. Da werden Texte deklamiert, ohne dass Emotionen spürbar würden. Blass bleibt auch Carsten Clemens in der Hauptrolle, zum Lachen reizt geradezu - von einer Szene gegen Ende abgesehen - Clemens Aap Lindenberg als Mohrs Gegenpart Pfarrer Nöstler. Wie auf einer schlechten Laienbühne betont Lindenberg jedes Wort über alle Maßen, schneidet Grimassen und verurteilt poltend das Neue.
Bieder und behäbig
Aktuelle Momente gäbe es mit der Frage des Zölibats oder dem Gegensatz zwischen konservativen und progressiven Kräften in der Kirche durchaus, doch auch hier bleibt der Film sowohl ganz im Historischen als auch an der Oberfläche. Nie gewinnt „Stille Nacht“ Dringlichkeit, sondern plätschert bieder und auch recht zäh in Postkartenbildern von Landschaft und Dorf sowie Wechsel zwischen Wirtshaus, Kirche und Besuchen bei der Mutter und ihrem Jungen dahin.
Als zentrales Motiv zieht sich zwar die Frage der Hoffnung durch den Film, doch wird diese weniger aus der Handlung heraus entwickelt als vielmehr immer wieder vom Pfarrer von der Kanzel herunter oder in Gesprächen gepredigt.
Grauenhafte Musiksauce
Schlimmer als die Bildebene ist aber die Musik. Nervt es schon, wenn immer wieder entweder im Kirchenchor oder im Wirtshaus gesungen wird, so gibt eine penetrante Musiksauce, die jeder weiteren Szene unterlegt ist, dem Film den Rest. Die Stille, von der das berühmte Weihnachtslied, um das es geht, beschwört, sucht man in „Stille Nacht“ vergeblich.
Oberflächliches Erbauungskino ist das, aber letztlich auch kein religiöser Film. Wer einen solchen sucht, dem sei als scharfes Gegenstück zu so viel Süßlichkeit und Gutmenschentum dringend Anders Thomas Jensens pechschwarze Komödie „Adam´s Äpfel“ empfohlen.