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31.07.2019 |  Gunnar Landsgesell

Leberkäsjunkie

Die mittlerweile sechste, routiniert ins Bild gesetzte Verfilmung der Rita-Falk-Krimikomödien nach Titeln wie "Dampfnudelblues" und "Sauerkrautkoma". Der Eberhofer Franz, der träge Dorfpolizist, hat wieder mehr mit seinem kleinen Sohn, den Kumpels, der Ex und den zu konsumierenden Leberkässemmeln zu tun als mit den Ermittlungen. Denn ein Mordfall passiert ja trotz allem.

Die Eberhofer-Krimireihe ist ein bisschen das, was die Wolf-Haas-Verfilmungen in Österreich im Kino sind: Man taucht ein in ein vertrautes Universum, in dem sich zwar neue Episoden abspielen, aber man unbekannte Gesichter nicht fürchten muss. Besonders nicht das vom Eberhofer Franz. Sebastian Bezzel als behäbiger Dorfgendarm lässt auch in der sechsten Verfilmung der Krimikomödien von Autorin Rita Falk die Unbilden rund um sich mit dem typisch stoischen Lätschngesicht über sich ergehen. Soll heißen: keine unnötigen Kraftakte wagen und gerne zwei, drei Leberkäsesemmeln zwischendurch. Ein Mord ereignet sich natürlich auch diesmal, aber die Ermittlungen laufen eher nebenbei. „Leberkäsjunkie“ baut sich vor allem als derbe Sozialsatire auf, die völlig anders als die laxe Gangart des Polizisten funktioniert: Eine zugespitzte Situation reiht sich dicht an dicht an die nächste. Vieles ist komisch, einiges auch richtig witzig, sinnlos verblödelt wirkt das aber überraschend selten. Es gibt eine Grundierung, die einen trotz der verzerrten Darstellungen in diesem Niederkaltenkirchen oft an das reale Leben erinnert: Eberhofer, der nun sein Söhnchen am Hals hat, weil seine geschiedene Frau „lernen“ muss; der Wichtigtuer Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), der seinen Freund Eberhofer dummdreist bei den Ermittlungen unterstützt, aber immerhin ist er „aktiv“; die Mooshammerin (Eva Mattes), die als Mitbewohnerin am Hof der Eberhofers ihre Vorteile sucht aber auch selbst taktisch umworben wird; der Flüchtling Buengo (Castro Dokyi Affum), den man vor allem deshalb schätzt, weil er für den örtlichen Fußballklub überlebenswichtig ist. Bunt, schrill, deftig, „Leberkäsjunkie“ ist ein gesellschaftliches Zerrbild, bei dem es keine Nuancen mehr gibt, könnte man sagen. Das stimmt. Auch darin liegt wohl der Reiz dieser Reihe.

Spaß wie geschmiert

 Dass die Charakterdarstellerin Eva Mattes in „Leberkäsjunkie“ mitspielt, hat wohl damit zu tun, dass sie viele Jahre mit dem Eberhofer-Darsteller Sebastian Bezzel Seite an Seite in der Krimireihe „Tatort“ gespielt hat. Und Regisseur Ed Herzog, der schon die bisherigen Rita-Falk-Verfilmungen wie etwa „Dampfnudelblues“ oder „Schweinskopf al dente“ inszeniert hat, ist ebenfalls ein langjähriger „Tatort“-Regisseur. Eine gewisse Routine ist zweifellos Teil des Projekts geworden, bei aller Verstörung läuft in dieser jüngsten Verfilmung alles wie geschmiert. Das gilt auch für die Themensetzung, aufgegriffen wird, was bewegt: ein Flüchtling unter Mordverdacht, ein schwules Paar (Manuel Rubey, Robert Stadlober) ebenfalls unter Mordverdacht, ein Polizistenvater (Eisi Gulp), der gerne sein eigenes Kraut raucht, und ein blondes Scheidungskind, bei dem trotz der dysfunktionalen Eltern der Spaß nicht auf der Strecke bleibt. Für eine echte Satire wäre dann wohl noch mehr Biss nötig.

Der Hund, das Kind, das Essen und dazwischen der Leberkäsjunkie: Das sind auch einige der Ingredienzien der Krimikomödie, die derb zubereitet ist, aber dennoch ein bisschen zu gut geschmiert wirkt.

Der Hund, das Kind, das Essen und dazwischen der Leberkäsjunkie: Das sind auch einige der Ingredienzien der Krimikomödie, die derb zubereitet ist, aber dennoch ein bisschen zu gut geschmiert wirkt.

Obduktion durch Dr. Michael Ostrowski: Ekel erregt hier aber nur die angekackte Windel des jüngsten Eberhofers.

Obduktion durch Dr. Michael Ostrowski: Ekel erregt hier aber nur die angekackte Windel des jüngsten Eberhofers.

Kompromisslos: Simon Schwarz als Wichtigtuer ohne Hirn und Plan. Lachhaft, nicht wirklich zum Lachen, aber Motor für Komisches allemal.

Kompromisslos: Simon Schwarz als Wichtigtuer ohne Hirn und Plan. Lachhaft, nicht wirklich zum Lachen, aber Motor für Komisches allemal.

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  • Der Hund, das Kind, das Essen und dazwischen der Leberkäsjunkie: Das sind auch einige der Ingredienzien der Krimikomödie, die derb zubereitet ist, aber dennoch ein bisschen zu gut geschmiert wirkt. Der Hund, das Kind, das Essen und dazwischen der Leberkäsjunkie: Das sind auch einige der Ingredienzien der Krimikomödie, die derb zubereitet ist, aber dennoch ein bisschen zu gut geschmiert wirkt.
  • Obduktion durch Dr. Michael Ostrowski: Ekel erregt hier aber nur die angekackte Windel des jüngsten Eberhofers. Obduktion durch Dr. Michael Ostrowski: Ekel erregt hier aber nur die angekackte Windel des jüngsten Eberhofers.
  • Kompromisslos: Simon Schwarz als Wichtigtuer ohne Hirn und Plan. Lachhaft, nicht wirklich zum Lachen, aber Motor für Komisches allemal. Kompromisslos: Simon Schwarz als Wichtigtuer ohne Hirn und Plan. Lachhaft, nicht wirklich zum Lachen, aber Motor für Komisches allemal.