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01.08.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (2.8. - 8.8. 2019)

Unter anderem zwei Komödien zeigen die Filmclubs diese Woche: Beim Open-Air in Egg steht die norwegisch-schwedische Produktion "Kill Billy" auf dem Programm, beim FKC Dornbirn die österreichische "Kaviar", mit der die Ibiza-Affäre geradezu prophetisch vorweggenommen wurde.

Kill Billy: Das Leben des norwegischen Möbelhändlers Harold Lunde (Bjørn Sundquist) geht den Bach runter, als neben seinem Geschäft Ikea eine Filiale eröffnet. Als Rache will Harold nun den Gründer des schwedischen Möbelhauses entführen.
Wunderbar trocken und mit herrlichem schwarzem Humor beginnt Gunnar Vikenes Komödie, zeichnet knapp und prägnant den Abstieg des von Bjørn Sundquist stoisch gespielten Harold, doch verliert der Film nach dem Aufbruch Harolds seinen roten Faden und eine klare Zielrichtung. Zu viel packt da Vikene mit einem Konflikt Harolds mit seinem Sohn, der ein alkoholsüchtiger Journalist ist, dem Frau und Kinder davongelaufen sind, und einem verlorenen Teenager, der unter seinen dysfunktionalen Familienverhältnissen leidet, auf der einen Seite hinein und kann andererseits zu wenig aus der Entführung herausholen.
Bissig übt Vikene zwar Kritik an Ikea, an der Billigproduktion, an Nazi-Vergangenheit, Steuertricks und Kinderarbeit sowie an den knallharten Methoden der Gewinnoptimierung, die der Firmengründer an einem Hölzchen, aus dem zwei Bleistifte werden, zeigt, aber auch an der Marketing-Ausrichtung aller Aktionen und Schritte. Hinreißende Szenen bietet so „Kill Billy“ auch in der zweiten Hälfte, doch bleiben das eben einzelne Momente, die sich nicht zu einem großen Ganzen fügen.
Open-Air-Kino in der Parkhalle Egg: Mi 7.8., 21 Uhr


Kaviar: Ein russischer Oligarch möchte auf der Wiener Schwedenbrücke eine Luxus-Villa errichten. Ein schmieriger Wiener – Georg Friedrich: wer sonst? - versucht gegen entsprechende Bezahlung, einen Politiker für diese Pläne zu gewinnen.
So nah „Kaviar“ in Zeiten der Ibiza-Affäre an der Realität ist, so bescheiden bleibt diese Komödie doch insgesamt. Sichtlich mit Vergnügen ist das Ensemble (Margarita Breitkreiz, Daria Nosik, Sabrina Reiter, Georg Friedrich, Simon Schwarz) zwar bei der Sache, doch mehr Karikaturen als Charaktere zeichnet Elena Tikhonova.
Auch die Handlung lässt es an stringentem Aufbau vermissen und beschränkt sich letztlich auf die recht lose Aneinanderreihung einzelner Szenen. Potential hat die Geschichte durchaus, aber der Inszenierung fehlt es an Treffsicherheit. Die Handlungsfülle hält dieses Spiel mit Klischees über Russen und den satirischen Blick auf die österreichische Politik und die Gier des Individuums zwar am Laufen, aber grob gestrickt und grell überzeichnet sind Figuren und Handlung, nichts ist differenziert ausgearbeitet, Zwischentöne sucht man vergebens.
Alles wirkt hier comichaft, sodass statt bissiger Satire Klamauk geboten wird, bei dem längst nicht alle Gags zünden. Wenig überzeugend ist diese Farce letztlich auch als Plädoyer für die Solidarität und die Kraft der Frauen und aufgesetzt wirkt die finale Erkenntnis, dass die Freundschaft, die sich hier entwickelt hat, wichtiger ist als Geld.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 7.8., 18 Uhr + Do 8.8., 19.30 Uhr

Weitere Filmkritiken, Festivalberichte, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website https://www.film-netz.com.

Kill Billy

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Kaviar

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