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17.05.2019 |  Gunnar Landsgesell

Greta

Man könnte die Handtasche in der U-Bahn natürlich auch stehen lassen. Ehrliche Finder werden aber meistens belohnt. In diesem Fall mit einer Freundschaft zwischen der Besitzerin (Isabelle Huppert) und der Finderin (Chloe Grace Moretz). Dass "Greta" sich zu einem Psychothriller auswächst, hat aber nicht nur mit voreilig geschlossenen Freundschaften zu tun.

Isabelle Huppert hat schon viele abseitige Rollen gespielt, vor drei Jahren in Paul Verhoevens gewohnt verschmitzt inszeniertem Psychothriller „Elle“ wird sie zu Beginn das Opfer einer Vergewaltigung, verstört aber danach durch ihre Reaktion das Publikum. „Greta“ ist weit weniger komplex, auch wenn sich Stephen Frears jüngste Arbeit von einer Frauenfreundschaft zielstrebig zur Horrorkiste entwickelt. Alles beginnt mit einer Handtasche, die die junge Frances (Chloe Grace Moretz) in der New Yorker U-Bahn findet. Die freundliche, schon ältere Besitzerin Greta (Isabelle Huppert), sie wohnt in einem Hinterhof, lädt die Finderin auf eine Tasse Tee ein, spielt ihr Franz Liszt auf dem Klavier vor und möchte gerne in Kontakt bleiben. Die Handynummern sind rasch ausgetauscht, und Frances, deren Mutter unlängst gestorben ist, scheint glücklich, eine mütterliche Freundin gewonnen zu haben. Warnungen ihrer Mitbewohnerin, sich einer Fremden nicht leichtfertig zu öffnen, scheinen eher deren Eifersucht als der Vorsicht geschuldet. Nicht viel später kostet man in Gretas Küche gemeinsam aus dem Suppentopf, während Frances schon ein ebenso geblümtes Kleid wie ihre neue Bekanntschaft trägt. Dass hier eine Kulisse aufgebaut wird, die langsam zusammenfallen wird, ist dem Zuseher natürlich klar. Als Frances die plötzlich sehr anhängliche Frau unheimlich wird, kann sie diese schon nicht mehr abschütteln. Nach den Anrufen am Handy taucht sie auch im Lokal auf, in dem Frances als Kellnerin jobbt.

Die Fratze des Mütterlichen

Der vertrauensvolle Tonfall, den der Film bis zu diesem Zeitpunkt einnimmt, ist verdächtig genug: Stephen Frears verleiht seinen munteren Figuren gerade soviel Profil, um sie im Strudel der Ereignisse in nervöser Bewegung zu halten. „Greta“ überzeugt weder durch eine besondere Psychologie noch durch eine ausgeklügelte Dramaturgie. Oberste Prämisse scheint es, die Eskalation voranzutreiben. Mit den üblichen Tricks des Spannungs- und Horrorgenres bleibt alles am Köcheln. Dass ein alter Hase wie Frears so inszeniert, wirkt verwunderlich, oder vielleicht tut er es gerade deswegen, weil er ein alter Hase ist. Routiniert zieht er die Schrauben an. Das Mütterliche an Hupperts Figur verzerrt sich zur Fratze, dafür eignen sich auch Social Media ausgezeichnet. Dem Star des Films, Isabelle Huppert, scheint das alles zu gefallen. „Greta“ ist eigentlich rund um sie gebaut. Viel mehr sollte man über diesen Film eher nicht erzählen, er lebt vom Suspense. Auch wenn an diesem moribunden Werk ohnehin schon von Anfang an alles klar ist.

Gemeinsam Suppe vom Löffel schlürfen, das wird einer der beiden Frauen im geblümten Kleid bald zuviel.

Gemeinsam Suppe vom Löffel schlürfen, das wird einer der beiden Frauen im geblümten Kleid bald zuviel.

Stephen Frears taucht recht grobschlächtig aber keineswegs spannungsfrei eine nette Begegnung in einen Alptraum mit Horror-Anklängen. Der Star des Films Isabelle Huppert fühlt sich sichtlich wohl dabei.

Stephen Frears taucht recht grobschlächtig aber keineswegs spannungsfrei eine nette Begegnung in einen Alptraum mit Horror-Anklängen. Der Star des Films Isabelle Huppert fühlt sich sichtlich wohl dabei.

Wenn nur noch der Rückzug in die Großküche nützt: Chloe Grace Moretz.

Wenn nur noch der Rückzug in die Großküche nützt: Chloe Grace Moretz.

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  • Gemeinsam Suppe vom Löffel schlürfen, das wird einer der beiden Frauen im geblümten Kleid bald zuviel. Gemeinsam Suppe vom Löffel schlürfen, das wird einer der beiden Frauen im geblümten Kleid bald zuviel.
  • Stephen Frears taucht recht grobschlächtig aber keineswegs spannungsfrei eine nette Begegnung in einen Alptraum mit Horror-Anklängen. Der Star des Films Isabelle Huppert fühlt sich sichtlich wohl dabei. Stephen Frears taucht recht grobschlächtig aber keineswegs spannungsfrei eine nette Begegnung in einen Alptraum mit Horror-Anklängen. Der Star des Films Isabelle Huppert fühlt sich sichtlich wohl dabei.
  • Wenn nur noch der Rückzug in die Großküche nützt: Chloe Grace Moretz. Wenn nur noch der Rückzug in die Großküche nützt: Chloe Grace Moretz.