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09.08.2019 |  Gunnar Landsgesell

Fisherman's Friends

Londoner Musikproduzent trifft im südwestlichen England auf eine Gruppe singender Fischer, die er gerne zu einem Plattenvertrag überreden würde. Beschwingte Feelgood-Komödie, in der nicht gleich alles rund läuft, nur um am Ende den Erfolg noch größer zu feiern.

Eine Gruppe versnobter Junggesellen aus London landet in einem pittoresken Fischerdorf in Cornwall und trifft dort auf eine Gruppe von Fischersleuten, die gerne und gut singen. Dass hier kommerzielles Potenzial schlummert, erkennt auch der findige Musikproduzent Danny (Daniel Mays), der die Männer mit einem Plattenvertrag ködern will. Vorerst erfolglos, doch kann in einer Feelgood-Komödie wie „Fisherman’s Friends“ denn etwas schiefgehen? Nein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die verbohrteste Plattenlabel-Chefin einsieht, dass sie dem Erfolg dieser Truppe nicht im Weg stehen kann. Denn sie sind authentisch, traditionsbewusst und nicht korrumpierbar. Klingt nach einem guten Stoff für einen Film, der es den Mannen gleichtut und ebenfalls seine eigenen Wege sucht. Das tut Regisseur Chris Foggins freilich nicht, sondern setzt auf Erfolgsformeln: zuerst prallen Gegensätze zwischen den Städtern und denen aus der Provinz ganz so aufeinander, wie man es schon öfters gesehen hat. Die einen schlicht und ehrlich, die anderen unsympathisch und gewieft. Sobald sich aus dieser simplen Konstellation eine Lovestory schält, nämlich Danny mit einer Frau aus dem Dorf, die ihn zuerst gar nicht mochte, werden auch die Rollen neu verteilt. Man lernt sich kennen und ein bisschen besser verstehen, da kommen bereits erste Feelgood-Gefühle auf. Als ein Polizist die armen Fischer drangsaliert und Danny diese wortreich verteidigt, weiß man, dass sich das Blatt nun wendet. Auch der Film gibt sich sogleich versöhnlich: Vielleicht ist Danny ein bisschen berechnend, aber im Grund sind die Städter nicht wirklich schlimm. Ein paar kleine familiäre Misstöne und einige ermunternde Songs zwischendurch halten die Balance zwischen Drama und Komödie. So hantelt sich Regisseur Chris Foggins recht routiniert durch diese Erzählung und sorgt letztlich immer für Stimmung. Mag das Wetter im Südwesten Englands noch so mies und mögen die Fische in den Netzen noch so klein sein.

Harmonie statt Dissonanz

„Feelgood“ heißt nicht, dass alles spaßig ist bei den Fischern und ihren Freunden, sondern dass das Publikum weiß, dass bei allen Fährnissen am Ende doch alles gut ausgehen wird. Das ist auch der kalkulierte Mangel dieses Films. Der Film sucht gar nicht nach authentischen, geradlinigen Fischersleuten, die eigentlich vor dem Ausverkauf der Musikindustrie gerettet werden müssen. Sondern er hält sich eher an das Motto von einem der Londoner Jungs: „Die erste Regel im Rock’n’Roll ist: Vergiss nicht auf das Geld“. Der Film sieht eben darin seinen Auftrag, die Erfolgsstory nachzuerzählen, wie der Chor der Fischersleute vom Musikbusiness aufgenommen wird. Insofern sind auch die unvermittelt einsetzenden Folklore-Songs im Film nicht im Sinn Brechts zu verstehen, sondern zur Bestätigung der Verhältnisse. Die Versöhnung ist vielleicht die größte Botschaft des Films, die der Städter mit dem Land, die der Fischer mit der Weltmusik und die der alten Familienkonflikte, die nun bereinigt werden können. Feel it!

Am Ende keine Dissonanzen: der Mann aus London (Daniel Mays) und die Frau aus Cornwall (Tuppence Middleton).

Am Ende keine Dissonanzen: der Mann aus London (Daniel Mays) und die Frau aus Cornwall (Tuppence Middleton).

"Fisherman's Friends": Authentizität versus Ausverkauf als Nebengedanke im idyllischen Cornwall.

"Fisherman's Friends": Authentizität versus Ausverkauf als Nebengedanke im idyllischen Cornwall.

Charaktergesichter, dramaturgisch ein bisschen im Stich gelassen.

Charaktergesichter, dramaturgisch ein bisschen im Stich gelassen.

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  • Am Ende keine Dissonanzen: der Mann aus London (Daniel Mays) und die Frau aus Cornwall (Tuppence Middleton). Am Ende keine Dissonanzen: der Mann aus London (Daniel Mays) und die Frau aus Cornwall (Tuppence Middleton).
  • "Fisherman's Friends": Authentizität versus Ausverkauf als Nebengedanke im idyllischen Cornwall. "Fisherman's Friends": Authentizität versus Ausverkauf als Nebengedanke im idyllischen Cornwall.
  • Charaktergesichter, dramaturgisch ein bisschen im Stich gelassen. Charaktergesichter, dramaturgisch ein bisschen im Stich gelassen.