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26.09.2019 |  Walter Gasperi

Film- und Kinoverständnis auf Landesebene

Die Kleinkinos – nicht nur in Vorarlberg – sind in einer finanziellen Krise. In Deutschland wurden Förderungen beschlossen, in Vorarlberg legt das Land eine seltsame Denkweise über Kino und Film an den Tag.

In Deutschland wurde im Frühjahr ein Soforthilfeprogramm für Landkinos lanciert, in Vorarlberg reagiert das Land auf einen Antrag um Wirtschaftsförderung für die fünf Kleinkinos zurückhaltend. – Sicher: Bis zu 30.000 Euro pro Kino würden im maximalen Fall für ein Jahr immerhin 150.000 Euro ausmachen, doch andererseits sollte man auch sehen, dass beispielsweise vor einigen Jahren ein einziger Film mit 200.000 Euro gefördert wurde. - Abspielstätte waren für diesen Film dann freilich auch die heimischen Kinos.

Seltsam mutet auch an, dass von Landesseite die schwierige Situation der Kinos mit anderen Branchen wie dem Sterben der Dorfgasthäuser verglichen wird. So bedauerlich die Situation der Gasthäuser ist, zeugt dieser Vergleich doch von einem in anderen Regionen längst überholten Verständnis von Film, der sonst vielfach als die wichtigste Kunst des 20. Jahrhunderts angesehen wird.  – Auch für Vorarlberg scheint zu gelten, was die Regisseure Ulrich Köhler und Henner Winckler beim Filmfestival von Locarno über Deutschland sagten: „Der Bildungsbürger hat das Kino nie als Kunstform akzeptiert".

Statt finanziellen Zuschuss zu gewähren, will man nun eine Arbeitsgruppe einrichten, die „innovativere Ansätze findet, die nachhaltig wirken.“ – Innovativ klingt immer gut, was man sich darunter aber konkret vorstellt, ist unklar und was dabei herauskommt wird ganz entscheidend davon abhängen, wer zu dieser Arbeitsgruppe gehört.

Auch werden von der Kulturabteilung des Landes Kraut und Rüben vermischt, wenn erklärt wird, dass das alte Modell nur in Nischen überlebensfähig sei und als positive Beispiele dafür das Spielbodenkino, das Jöslar in Andelsbuch und das Kino Rio in Feldkirch angeführt werden. Läuft ersteres nämlich beim großen Kulturveranstalter mit, so kann man - so lobenswert die Inititiative ist - die einmal monatliche Kinovorführung im Gasthof Jöslar doch nicht mit einem normalen Kinobetrieb mit täglichem Programm vergleichen.

Auch der Hinweis auf das Rio hinkt letztlich. Programmkinoschiene des TaSKino und "normales" Programm greifen hier zwar gut ineinander, da der oberösterreichische Kinomacher Wolfgang Steininger das Angebot aufeinander abstimmt, doch ein Kino mit einem Saal mit rund 100 und einem mit 40 Plätzen lässt sich eben auch viel leichter bespielen als eines mit einem Saal mit 350 und insgesamt 540 Plätzen (Metrokino Bregenz) oder eines mit einem Saal mit 240 und insgesamt 320 Plätzen (Cinema Dornbirn). Die für heutige Zeiten überdimensionierten Saalgrößen werden sich freilich kaum ändern lassen. Zudem kommt dem Kino Rio speziell gegenüber dem Cinema Dornbirn die Distanz zum Cineplexx zugute.

Der Ruf nach nachhaltigen Maßnahmen ist zweifellos berechtigt, aber wer kann die weitere Zuschauerentwicklung wirklich absehen. Wer weiß, ob die Zugkraft der Streamingdienste nicht bald wieder nachlässt und das Interesse an einem gemeinsamen Filmerlebnis im Kino wieder zunimmt?

Nicht übersehen darf man auch, dass die Kinos vielfach an Vorgaben durch die Verleiher gebunden sind und dass zum Kino eine perfekte technische Ausstattung gehört. – Sicher: Netflix stellt eine Konkurrenz dar, aber Filme wie beispielsweise "Ad Astra" oder „Roma“ – ausgerechnet eine Netflix-Produktion – können mit ihrer Arbeit mit Schärfentiefe und mehreren Bildebenen sowie einem sensationellen Sounddesign nur auf der großen Kinoleinwand ihre Wirkung entfalten. – Wer meint, dass es egal sei, ob man einen Film am Handy, Computer, TV-Schirm oder im Kino – zudem natürlich mit anderen Leuten – sieht, dem fehlt wohl grundsätzlich jedes Verständnis für die Kraft, die Magie und die Poesie, die einen Film auszeichnen können.

Neue Konzepte für die Vorarlberger Kinos?

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