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05.09.2019 |  Gunnar Landsgesell

ES: Kapitel 2

Horror von epischem Ausmaß: Dreistündige Fortsetzung des Stephen-King-Romans "Es", in dem die Kinder, die einst in der Kleinstadt Derry einem Horror-Clown ausgesetzt waren, als Erwachsene zurückkehren. Kings Charakterführung, sein Gespür für Orte und seine psychologischen Motive finden sich kaum wieder, viel Energie ging in die CGI.

Man könnte in Abkehr des Coming-of-Age-Begriffs auch von einem „Coming-of-Youth“ sprechen, wenn man die Rückkehr der traumatisierten Kinder in die geisterhafte Provinzstadt Derry verfolgt. Da tropft Blut vom Skateboard nach oben statt nach unten, und verfallene Häuser erwachen wieder zum Leben. Und auch sonst scheint öfters die Perspektive in die falsche Richtung zu laufen. Die Fortsetzung der Stephen-King-Verfilmung „It“ setzt die Handlung 27 Jahre später wieder fort. Die gemarterten Kinder, nun alle Erwachsene, kehren nach den unheilvollen Ereignissen nach Derry zurück, wo sich die unbekannte Macht – stets in Gestalt eines weißen Clowns – wieder auszubreiten scheint. Mit einem Blutschwur hatten die Kinder damals geschworen, einst wieder zurückzukommen, um das Böse endgültig zu besiegen. Damit wäre schon fast die ganze Geschichte erzählt, die anhand der einzelnen Protagonisten durchdekliniert wird. Darunter der Autor Ben (James MacAvoy), der Stand-Up-Comedian (Bill Hader) die einzige Frau Beverly (Jessica Chastain) und Mike (Isaiah Mustafa), der die Stadt als einziger nie verlassen hat. Schon hier beginnen aber die Probleme, und zwar die der Verfilmung selbst. Regisseur Andy Muschietti findet über all die Episoden, in denen jeder einzelne sich nun, wie bei einer Geisterbahnfahrt, dem Bösen und den eigenen Ängsten stellen muss, nie zu einer glaubhaften Gruppendynamik, aus der Kings Story eigentlich ihre Kraft bezieht. Recht effektverliebt wird die Handlung zwischen Krisenstimmung und Schockmoment variiert, findet man bunte Angstphantasien, während das psychologische Motiv als treibende Kraft verloren ging. Wie man aus vielen Gruselgeschichten weiß, steht und fällt die Macht des Bösen immer auch mit dem Vertrauen in die eigene Person. Bei Muschietti wurde diese delikate Frage einfach an die CGI-Abteilung ausgelagert, denn die wiederkehrenden Rückblenden auf die Kinder sind nur wenig erhellend, um die Quelle von deren Pein zu ergründen.

Viel CGI-Fantasy und wenig Gespür

Eigentlich durfte man gespannt sein, wie sich ein Horrorfilm über die epische Dauer von drei Stunden erzählen lässt. Den Spannungsbogen zu halten, ist da schon eher eine Kunst. Kurzweilig ist „It“ durchaus, aber um den Preis des ständigen Buhlens um Aufmerksamkeit. Dabei lässt sich der Beginn gut an: Peter Bogdanovic erklärt in einem Camio am Set seinem Drehbuchautor (MacAvoy), dass er dessen Ende nicht mag. Das verspricht Horror auf der Metaebene, wie er das ironisch und selbstreflexiv eingefärbte Revival der Horrorfilme seit Mitte der Neunziger Jahre anschob. Auch die gewaltsame Szene eines Hate Crimes zu Beginn lässt eine gesellschaftskritische Richtung vermuten. Danach verliert sich jede Idee, dem Stoff Kings nachzuspüren, ein ausgezeichneter Cast (Chastain machte schon in Muschiettis „Mama“ mit), wirkt alleingelassen. Gerade bei King spielen Orte eine große Rolle, Derry bleibt jedoch ein unbeschriebenes Blatt, man selbst ohne jegliches Gefühl für diesen Ort und dessen Einwohner, an dem diesen Kindern so übel mitgespielt wurde. Da ist das Bild, in dem James MacAvoy in das Dunkel eines Gullys hineinschreit, fast bezeichnend. Viel Aufwand auf der Suche nach einem Horrorclown, dem am Ende die Kraft ausgeht.

Horror-Clown-Doublette im Spiegelkabinett. Nette Effekte, selten geerdet.

Horror-Clown-Doublette im Spiegelkabinett. Nette Effekte, selten geerdet.

Toller Cast in Szenen, die zeitweise nicht an die Handlung angebunden wirken. Jessica Chastain in einem Horror-Klo.

Toller Cast in Szenen, die zeitweise nicht an die Handlung angebunden wirken. Jessica Chastain in einem Horror-Klo.

Schöne Referenz an Jugendgruppen-Problemfilme, ein Wald und die Ruine eines selbstgebauten Holzhauses.

Schöne Referenz an Jugendgruppen-Problemfilme, ein Wald und die Ruine eines selbstgebauten Holzhauses.

Hinter-Glas-Malerei, das Gefühl springt nicht über.

Hinter-Glas-Malerei, das Gefühl springt nicht über.

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  • Horror-Clown-Doublette im Spiegelkabinett. Nette Effekte, selten geerdet. Horror-Clown-Doublette im Spiegelkabinett. Nette Effekte, selten geerdet.
  • Toller Cast in Szenen, die zeitweise nicht an die Handlung angebunden wirken. Jessica Chastain in einem Horror-Klo. Toller Cast in Szenen, die zeitweise nicht an die Handlung angebunden wirken. Jessica Chastain in einem Horror-Klo.
  • Schöne Referenz an Jugendgruppen-Problemfilme, ein Wald und die Ruine eines selbstgebauten Holzhauses. Schöne Referenz an Jugendgruppen-Problemfilme, ein Wald und die Ruine eines selbstgebauten Holzhauses.
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