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05.09.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (6.9. - 12.9. 2019)

Beim TaSkino Feldkirch steht diese Woche die französische Komödie „Rebellinnen“, die weibliche Selbstermächtigung feiert, auf dem Programm. Das Heimatmuseum Schruns zeigt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „septimo“ den Spielfilm „Vollgas“, in dem Sabine Derflinger kritisch auf die Situation von Saisonarbeitern im Wintertourismus blickt.

Rebellinnen – Leg´ dich nicht mit ihnen an! Drei Fabrikarbeiterinnen kommen an eine Tasche Geld. Gut können sie das selber brauchen, doch bald sind Polizei und Drogenhändler hinter ihnen her.
Kein sozialrealistischer Film über den Ausbruch aus prekären Lebensverhältnissen ist das, sondern vor allem eine sich an den Filmen Quentin Tarantinos orientierende – dessen „Kill Bill“ wird über den Soundtrack explizit zitiert -, lustvolle und einfallsreiche Komödie über weibliche Selbstermächtigung. Mit stets neuen Wendungen treibt Allan Maudit in seinem Debüt die Handlung voran und spitzt sie bis zu einem großen, bleihaltigen Showdown, auf den auch noch ein starker Epilog folgt, zu.
Vertrauen kann er dabei auf ein groß aufspielendes Schauspielerinnentrio. Sichtlich Spaß macht es Cécile de France, Yolande Moreau, Audrey Lamy diese drei ganz unterschiedlichen Frauen zu spielen. An Realismus ist Maudit dabei nicht interessiert, setzt eher auf grelle Töne, schwarzen Humor und Slapstick. Reichlich wird hier geschlagen und geschossen, doch wie im Comic stehen die Figuren meist wieder rasch auf.
Das Tempo stimmt, die Pointen kommen dicht, sodass man sich bestens unterhält und sich natürlich rasch auf die Seite der im Grunde gar nicht so sympathischen, aber vermeintlich schwachen Frauen schlägt, bei denen natürlich von Anfang an klar ist, dass sie sich gegen alle Widerstände durchsetzen werden und ihnen am Schluss das – zumindest materielle – Glück winken wird.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Fr 6.9. bis Mo 9.9.


Vollgas:
Draußen ist es kalt, also sollen heiße Disco-Rhythmen und viel Alkohol den Touristen im Tiroler Wintersportort richtig einheizen. Evi arbeitet hier als Saisonkellnerin und muss sich als alleinerziehende Mutter daneben noch um ihre sechsjährige Tochter Paula kümmern. Doch der Job im Gastgewerbe kennt keine Ruhepausen, fällt eine Kollegin aus, muss die andere auch noch diese Schicht übernehmen: Auf Frühstücksservice im Hotel folgt der Dienst an der Schneebar und am Abend der Barbetrieb in der Disco. Und immer soll das Personal gut drauf sein und alle sollen Vollgas geben…
Authentisch schildert Sabine Derflinger in ihrem 2001 entstandenen Spielfilmdebüt die Arbeitssituation, überzeugend ist ihr Film in der dokumentarisch wirkenden Milieuschilderung, ein wirklicher Handlungsaufbau fehlt aber und die Wiederholungen im Arbeitstrott äußern sich auch in wiederkehrenden Szenen, die dem Film einiges an Dichte rauben.
Diese Schwäche resultiert allerdings aus dem Anspruch von "Vollgas": Statt eine Geschichte zu erzählen, will die österreichische Regisseurin vor allem das Porträt einer Frau am Rande eines Abgrunds zeichnen. Ganz im Zentrum steht folglich die von Henriette Heinze großartig gespielte Evi, der die Kamera ihre ganze Aufmerksamkeit schenkt. Wunderbar vielschichtig ist diese Figur gezeichnet, schwankend zwischen selbstbewusster Bedienung und verzweifelter junger Frau, mal erscheint sie als Opfer dieser Spaßgesellschaft und des Leistungsdrucks, dann wieder durch ihr Verhalten gegenüber ihrer Tochter als Täterin.
Heimatmuseum Schruns: Mi 11.9., 20 Uhr

Weitere Filmkritiken, Festivalberichte, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website https://www.film-netz.com.



Rebellinnen – Leg´ dich nicht mit ihnen an!

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