Der Auftragslover
Dämlich ist zwar der deutsche Titel, doch was sich dahinter verbirgt, ist eine temporeiche und sehr witzige französische Komödie um einen charmanten Mann, der für unterschiedlichste Auftraggeber Frauen verführt, damit sie erkennen, dass der Partner, mit dem sie zusammenleben, nicht zu ihnen passt. Dass selbst diesem Profi früher oder später die Gefühle in die Quere kommen, versteht sich von selbst. Doch zuzusehen, wie sich der lustvoll und locker aufspielende Romain Duris und Vanessa Paradis langsam näher kommen, bereitet dank stets neuer hinreißender Einfälle großes Vergnügen.
Der unvermittelte Auftakt von Pascal Chaumeils Regiedebüt ist ein Kabinettstückchen an Präzision, Tempo und Verwirrungstaktik: Da bleibt ein Mann während eines Marokkourlaubs lieber am Hotelpool liegen, als mit seiner Frau an einer Dünentour teilzunehmen. Die findet im Jeep eines vermeintlich französischen Arztes eine Mitfahrgelegenheit, doch schnell merkt der Zuschauer, dass hier etwas nicht stimmt. Die Auflösung zögert Chaumeil aber geschickt hinaus und lässt den Zuschauer im Unklaren darüber, was hier wirklich gespielt wird.
Unwiderstehlicher Herzensbrecher
Erst nach dieser kleinen, aber feinen Episode wird dem Zuschauer Alex (Romain Duris) und sein Job genauer vorgestellt: In jede erdenkliche Verkleidung schlüpft dieser Charmeur mit Dreitagebart und unwiderstehlichem Blick, singt im Gospelchor, gibt sich mal als japanischer Kellner, mal als Fensterputzer aus oder lässt sich sogar von einer Polizistin abführen um an die Frau heranzukommen, die er im Auftrag eines Familienangehörigen oder Bekannten durch Verführung vom Partner, mit dem sie in einer unglücklichen Beziehung lebt, lösen soll. Weiter als bis zum Kuss soll es dabei aber nie geben.
Auf diese atemberaubend rasante Eröffnung muss die Entwicklung der eigentlichen Geschichte folgen: Alex soll mit seinem kleinen Team, zu dem seine kompetente Schwester und ihr tollpatschiger Mann gehören, im Auftrag eines reichen Pariser Blumenhändlers verhindern, dass dessen Tochter einen betuchten Briten heiratet. Ablehnen möchte Alex zwar gerne, denn nichts deutet darauf hin, dass das Paar in seiner dreijährigen Beziehung je unglücklich war, Geldsorgen veranlassen ihn aber, den lukrativen Auftrag trotzdem anzunehmen.
Professionelles Spiel und Gefühle
Nur zehn Tage bleiben ihm allerdings Zeit, denn dann soll geheiratet werden. Nicht nur dieser Zeitdruck erhöht aber das Vergnügen an dieser Komödie, sondern auch der Umstand, dass sich Juliette (Vanessa Paradis) als besonders harte Nuss erweist. Als sie in Monaco die Hochzeit vorbereitet, versucht sich der professionelle Herzensbrecher bei ihr als Leibwächter einzuschleichen. Aber schon um als solcher von der selbstbewussten jungen Frau akzeptiert zu werden, muss sich Alex Einiges einfallen lassen. Ist das einmal geschafft, muss er alle Register seines Könnens ziehen, muss bestens gebrieft, wie Juliette für George Michael und „Dirty Dancing“ schwärmen oder Roquefort zum Frühstück genießen. Die Zeit freilich droht ihm davon zu rennen …
Locker-leichtfüßige romantische Komödie
Das Genre der romantischen Komödie erfindet Pascal Chaumeil mit seinem locker-leichtfüßigen Debüt, das sich selbst nie ganz ernst oder wichtig nimmt, sicher nicht neu. Doch mag die Handlung auch vorhersehbar sein, so kommt doch nie Leerlauf auf. Einfallsreichtum und viel Situationskomik, ins Witzige verschobene haarsträubende Verfolgungsjagden und Überwachungsszenarien wie in einem Agentenfilm, halten die perfekt geölte Kinomaschine bestens am Laufen. Dem Spiel und gespielten Gefühlen stehen durchgängig authentisches Handeln und echte Gefühle gegenüber, und wenn die Handlung in zu ruhiges Gewässer zu schlittern droht, bringt der Auftritt neuer Figuren wieder einen Kick und eine Wendung: Da taucht plötzlich die nymphomane Ex-Beste-Freundin Juliettes, die wie ein Paris-Hilton-Verschnitt wirkt, auf, später der Verlobte mit Eltern und andererseits mischt sich ein hünenhafter Schläger, der von Alex Geld eintreiben soll, zunehmend bedrohlicher ins Geschehen ein. Etwas zäh wird es nur, wenn gegen Ende an die Stelle des Witzes zunehmend Gefühl und Romantik treten.
Der Reiz der Côte d'Azur
Doch darüber rettet „Der Auftragslover“ dann wieder der fotogene Hintergrund hinweg. Denn vorzüglich eingebettet ist die Handlung in die stets attraktive Kulisse der Côte d´Azur und auch die Hotelsuiten und Restaurants, in denen diese gehobene Gesellschaft verkehrt, geben optisch Einiges her. Etwas blass bleibt zwar Vanessa Paradis, doch man spürt wie es zwischen ihr und dem charismatischen Charmeur Romain Duris, der die Triebfeder dieser Komödie ist, knistert. Ausgesprochen gut besetzt sind auch die Nebenrollen, sodass man sich zwei Stunden bestens amüsiert – aber auch schon mit Skepsis an das hier zu erwartende amerikanische Remake denken kann.