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21.09.2019 |  Walter Gasperi

Cinema Dornbirn: Ungewisse Zukunft

2018 sanken die Besucherzahlen der Vorarlberger Kinos um 13,62%, besonders kritisch ist die Situation beim Cinema Dornbirn, das ohne zusätzliche Förderungen mit Ende Juni 2020 seinen Betrieb einstellen wird.

Nach den katastrophalen Zuschauerzahlen 2018 brachte auch das erste Halbjahr 2019 keine Trendumkehr. Auch beim Cinema Dornbirn waren die Zuschauereinbußen dramatisch, obwohl man sich dort mit dem Programm klar vom Cineplexx Hohenems und Lauterach abhebt und weitgehend leichte Arthaus-Filme anbietet. Erst im Sommer verbesserte sich - wie bei den anderen Kinos - auch beim Cinema vor allem dank des Erfolgs von „Der König der Löwen“ die Situation etwas.

Dennoch fehlen dem Cinema Dornbirn laut Kinobetreiber Michael Wieser pro Jahr 20.000 Euro. Wieser wird deshalb mit Stadt, Land und Bund verhandeln, um diesen Fehlbetrag abzudecken. Gespräche mit der Stadt sind laut dem Dornbirner Kulturamtsleiter Roland Jörg für Ende November/Anfang Dezember geplant.

Von der Kulturabteilung des Landes ist laut Kulturamtsleiter Winfried Nussbaummüller keine zusätzliche Förderung zu erwarten. Hier lege man den Fokus auf die Filmklubs, die anspruchsvolles Programm bieten und so für Diversität und Frequenz sorgten. – Übersehen wird dabei aber offensichtlich, dass einerseits gerade das Cinema Dornbirn im letzten Jahrzehnt für Vielfalt im Vorarlberger Kinoprogramm sorgte (wenn auch mit synchronisierten Fassungen) und vielfach Filmclub-Filme zeigte und dass andererseits die Filmclubs ihre Filme in den Kinos zeigen: Gibt es kein Kino mehr, fehlen auch den Filmclubs die Abspielstätten.

Unterstützung müsste von Landesseite vom Wirtschaftsressort kommen, bei dem Peter Pienz als Gremialvorsteher der Vorarlberger Kinos für bis zu 30.000 Euro pro Jahr für jedes der fünf Kleinkinos über die nächsten drei Jahre angesucht hat. – Entschieden wurde über dieses Ansuchen bislang nicht.

Mit diesen 30.000 Euro könnten laut Michael Wieser beim Cinema Dornbirn die Verluste der früheren Jahre abgedeckt werden, die 20.000 Euro zur Abdeckung der jährlichen Kosten seien aber trotzdem nötig. Sollte es gelingen diesen Betrag für die nächsten drei Jahre aufzustellen, werde der Mitvertrag bis 2022 erfüllt werden und dann über die weitere Zukunft verhandelt werden. Sollte dies nicht gelingen, werde man im Jänner 2020 schweren Herzens die endgültige Schließung zum 30. Juni 2020 bekannt geben müssen.

Für eine Förderung durch Europa Cinemas, die beispielsweise das Feldkircher Kino Rio erhält, habe man nicht angesucht, da man vor Jahren dies gemacht habe und wegen Nichterfüllung der Kriterien abgewiesen worden sei. Außerdem sei man für 2020 hier inzwischen zu spät. - Fragen darf man sich, wieso man angesichts der Tatsache, dass der Hut brennt, nicht früher ansucht.

Eine Umwandlung in ein reines Programmkino, das dann vielfach Originalfassungen mit Untertiteln zeigt, kommt für Michael Wieser nicht in Frage. Das habe keine Erfolgschancen wie sein Versuch Originalfassungen anzubieten gezeigt habe. 75% der Besucher hätten deutsche Fassungen gewünscht und auch im Cinema Paradiso in St. Pölten oder im Volkskino in Klagenfurt seien die deutschen Fassungen deutlich besser besucht als die Originalfassungen. – Hier stellt sich allerdings die Frage, ob das nicht auch eine Sache der Gewohnheit ist und das Publikum nicht Originalfassungen vorzieht, wenn man sich einmal darauf eingestellt und deren Vorzüge erkannt hat.

Auch von Vermieterseite sei kein Entgegenkommen mit einer Senkung der Miete zu erwarten. Hier stelle man sich vielmehr bereits darauf ein, dass das Grundstück an eine Baufirma verkauft und Wohnungen gebaut werden. Das Cinema würde damit das gleiche Schicksal ereilen wie vor wenigen Jahren die Weltlichtspiele Dornbirn. Eigentümer Klaus Spiegel betonte dort zwar immer wieder, dass er das alte Kino abreißen und ein neues bauen wolle, doch gebaut wurden dann nur Wohnungen und Geschäftsräume. - Einzige Hoffnung bleibt also, dass die Verhandlungen mit Stadt, Land und Bund zu einem positiven Ergebnis führen, denn die Schließung des Cinema Dornbirn würde eine drastische Verarmung des Filmangebots in Vorarlberg bedeuten.

1944 als Kammerlichtspiele eröffnet, 1970 geschlossen und 1979 als Cinema 2000 wieder eröffnet, seit 2012 von Michael Wieser betrieben und in Cinema Dornbirn umbenannt

1944 als Kammerlichtspiele eröffnet, 1970 geschlossen und 1979 als Cinema 2000 wieder eröffnet, seit 2012 von Michael Wieser betrieben und in Cinema Dornbirn umbenannt

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  • 1944 als Kammerlichtspiele eröffnet, 1970 geschlossen und 1979 als Cinema 2000 wieder eröffnet, seit 2012 von Michael Wieser betrieben und in Cinema Dornbirn umbenannt 1944 als Kammerlichtspiele eröffnet, 1970 geschlossen und 1979 als Cinema 2000 wieder eröffnet, seit 2012 von Michael Wieser betrieben und in Cinema Dornbirn umbenannt