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20.09.2019 |  Gunnar Landsgesell

Ad Astra - Zu den Sternen

Ein intergalaktisches Zusammentreffen von Vater (Tommy Lee Jones) und Sohn (Brad Pitt), das weniger das Weltraumabenteuer, als zutiefst menschliche Fragen nach der eigenen Existenz sucht. Regisseur James Gray geht im Sci-Fi-Bereich neue Wege mit seinem introspektiven Weltraumabenteuer.

Es war vielleicht vor zehn Jahren, dass einem das Weltall im Kino derart verinnerlicht begegnet ist wie in “Ad Astra”. Damals stellte der Filmemacher Duncan Jones (Sohn von David Bowie) in „Moon“ die Frage nach der Einzigartigkeit des menschlichen Subjekts. Der Film endete mit einer Enttäuschung seines einsamen Protagonisten. In „Ad Astra“ führt die Reise weit über den Mond hinaus, zum Mars und später bis zum Neptun, wo der NASA-Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) der Ursache elektromagnetischer Störungen nachspüren soll, die auf der Erde zahlreiche Todesopfer gefordert haben. Dass Roy dort schließlich auf seinen eigenen Vater (Tommy Lee Jones) trifft, der völlig vereinsamt und verwirrt lange nach dem Ende seiner Mission die Stellung hält, ist kein Zufall. In James Gray’s Weltraumodyssee geht es weniger um die Erforschung des Alls und eine Leistungsschau der Technik als um das Innenleben des Menschen und dessen oft weite Wege zu sich selbst. “I am always on the Exit, just don’t touch me”, sagt Pitt zu Beginn dieser Erzählung. Es sind Geleitworte für das, was folgt.

Produktion mit Risiko

Man nimmt „Ad Astra“ wie durch einen Raumfahrerhelm wahr, im Ton so gedämpft und im Tempo so gedrosselt, dass man sich eher auf einem Zen-Buddhismus-Trip wähnt als in einem Science-Fiction-Abenteuer. Im Mittelpunkt steht ein Astronaut, dessen Vater als nahezu mythologische Figur beschrieben wird, ein Vorbild für die jüngste Raumfahrergeneration, der sein Leben statt der Familie der Weltraumforschung gewidmet hat. James Gray führt nun seinen Sohn Roy auf dessen Spuren, und setzt diese als wechselvolles Abtasten der eigenen Psyche und der Erinnerung an die abwesende Vaterfigur fort. Dass über dieser Vaterfigur ein dunkler Schatten liegt, ist gleichsam Teil einer größeren Aufgabe dieses Films: Vater- ergo Heldenfiguren müssen überwunden werden, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. James Gray, der zuletzt mit „Die versunkene Stadt Z.“ einen Forscher im Amazonasurwald verschwinden ließ, macht sich in „Ad Astra“ erneut auf die Suche nach den Geheimnissen der menschlichen Existenz. Zwar hat Brad Pitt auch einige gröbere Zwischenfälle zu meistern, vom Angriff der Mondpiraten über eine böse Überraschung in einem havarierten Raumschiff bis zu einer Falle, in die ihn vielleicht die NASA selbst gelockt hat. Doch das nimmt sich alles fast wie Beiwerk auf Pitts philosophischer Reise aus. Oftmals in Großaufnahmen sieht man den Hollywoodschauspieler, der zuletzt in Quentin Tarantinos „Once Upon a Time…“ einen bemerkenswerten Auftritt hatte, scheinbar ungeschminkt und bar jeder Erhöhung als „nackten“ Menschen, der seinen Platz in der Welt zu ergründen sucht. Auch wenn die Begegnung von Vater und Sohn im All, auf die die gesamte filmische Erzählung hinstrebt, ein wenig skurril anmutet, muss man Gray zugestehen, dass er mit diesem Projekt ein Risiko eingeht und das All, wenn auch nicht mit einer philosophischen Dimension wie in Kubricks „2001“, so doch mit einer menschlichen Fragestellung auflädt, die im Science-Fiction-Genre nicht sehr oft gesucht wird.

Ein Film wie durch einen Raumfahrerhelm: im Tonfall gedämpft, im Tempo gedrosselt.

Ein Film wie durch einen Raumfahrerhelm: im Tonfall gedämpft, im Tempo gedrosselt.

Brad Pitt als ungeschminkter, einsamer Held, der die meiste Zeit zu sich selbst spricht. Das Publikum hört mit.

Brad Pitt als ungeschminkter, einsamer Held, der die meiste Zeit zu sich selbst spricht. Das Publikum hört mit.

Die NASA (darunter auch Donald Sutherland in einer Nebenrolle) als Verein, der Mythen produziert und dunkle Geheimnisse verbirgt.

Die NASA (darunter auch Donald Sutherland in einer Nebenrolle) als Verein, der Mythen produziert und dunkle Geheimnisse verbirgt.

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  • Ein Film wie durch einen Raumfahrerhelm: im Tonfall gedämpft, im Tempo gedrosselt. Ein Film wie durch einen Raumfahrerhelm: im Tonfall gedämpft, im Tempo gedrosselt.
  • Brad Pitt als ungeschminkter, einsamer Held, der die meiste Zeit zu sich selbst spricht. Das Publikum hört mit. Brad Pitt als ungeschminkter, einsamer Held, der die meiste Zeit zu sich selbst spricht. Das Publikum hört mit.
  • Die NASA (darunter auch Donald Sutherland in einer Nebenrolle) als Verein, der Mythen produziert und dunkle Geheimnisse verbirgt. Die NASA (darunter auch Donald Sutherland in einer Nebenrolle) als Verein, der Mythen produziert und dunkle Geheimnisse verbirgt.