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19.09.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (20.9. - 26.9. 2019)

Im neuen Schaaner Kino SKino läuft diese Woche unter anderem Asif Kapadias Dokumentarfilm „Diego Maradona“. Im Heimatmuseum Schruns wird dagegen im Rahmen des Veranstaltungsmonats „septimo“ Hans Weingartners Spielfilm „Die fetten Jahre sind vorbei“ gezeigt.

Diego Maradona: Mit einer Fülle an Archivmaterial zeichnet Asif Kapadia Aufstieg und Fall des argentinischen Fußballstars nach. Nur kurz streift der britische Dokumentarfilmer die Herkunft Maradonas aus einem Armenviertel von Buenos Aires, seinen Aufstieg bei Boca Juniors und die erfolglosen zwei Jahre bei Barcelona. Der Fokus liegt ganz auf seiner Zeit beim SSC Napoli, zu dem der 1960 geborene Argentinier 1984 für die damalige Rekordablösesumme von umgerechnet 13 Millionen Euro wechselte, und den gleichzeitigen Erfolgen mit der argentinischen Nationalmannschaft (1986: Weltmeister; 1990: Vizeweltmeister). Als aber die Mächtigen Anfang der 1990er Jahren nicht mehr die Hand über ihn hielten und die Polizei gegen ihn zu ermitteln begann, folgte mit Überführung des Drogenhandels und Dopings der tiefe Fall dieses „Fußballgotts“.
Auf Interviews verzichtet Kapadia, er vertraut ganz auf das grobkörnige Archivmaterial, dem teilweise rückblickende Kommentare von Zeitzeugen und Maradona selbst unterlegt sind. Man kann ahnen, welch akribische Arbeit dahinter steckte, rund 500 Stunden Film zu sichten, zu sortieren und schließlich zu montieren, bis daraus eine schlüssige und über weite Strecken mitreißende Erzählung wurde.
Neue Informationen bietet der mit 130 Minuten etwas zu lange Dokumentarfilm kaum, räumt insgesamt auch den Fußballszenen zu viel Platz ein, während das Privatleben und die Skandale eher kurz abgehandelt werden. Prägnant auf den Punkt bringt aber eine finale Montagesequenz nochmals die Doppelgesichtigkeit von Diego Armando Maradona, wenn Bilder aus der Jugendzeit dem vom Partyleben und der Drogensucht Gezeichneten gegenübergestellt werden.
SKino Schaan:
Fr 20.9. + Di 24.9. – jeweils 18 Uhr


Die fetten Jahre sind vorbei:
Jan, Peter und Jule brechen in die Villen von Reichen ein, aber sie klauen nichts. Sie stellen nur Möbel um und hinterlassen Botschaften wie „Sie haben zu viel Geld“ oder „Die fetten Jahre sind vorbei“ und unterzeichnen mit „Die Erziehungsberechtigten“.
Die Rebellion ist die eine Sache – die private Situation des Trios die andere. Getrennt sind diese beiden Pole am Beginn, doch Weingartner zeigt, dass sie untrennbar zusammen gehören: Wenn sich Jan in Peters Freundin Jule verliebt und das Trio bei einer nächtlichen Aktion vom Top-Manager Hardenberg ertappt wird, ist politisches Handeln bald nur noch ein Vorwand zur Durchsetzung privater Ziele…
Das hätte leicht ein bierernster und verkrampfter Film werden können. Doch Hans Weingartner ist mit seiner Handkamera immer hautnah an seinen von Julia Jentsch, Daniel Brühl und Stipe Erceg fabelhaft gespielten Protagonisten. Jede Regung in ihren Gesichtern fängt er so ein, vermittelt echt und unverfälscht den Schock, den der Anblick der umgestellten Wohnung bei einer aus dem Urlaub zurückkehrenden Familie hervorruft, oder die Panik, die das Trio erfasst, als es von Hardenberg ertappt wird.
Phänomenal ist, wie die improvisiert wirkenden Dialoge Authentizität und Dichte erzeugen, wie die Kamera die hinreißende Julia Jentsch ins Bild rückt oder wie Weingartner Songs wie Freddy Quinns „Heimweh“ oder Leonard Cohens „Halleluja“ einsetzt.
Die Arbeitssituation im Nobelrestaurant, in dem Jule als Kellnerin jobt, mag zwar überzeichnet und die gesellschaftspolitischen Diskussionen auf der Alphütte trotz der ironischen Brechung zu schulbuchmäßig und auch naiv sein, aber solche Einwände wiegen gering angesichts einer spielerischen Leichtigkeit und Frische, die an die Nouvelle Vague und dabei vor allem an Francois Truffauts „Jules et Jim“ und Jean-Luc Godards „Bande à part“ erinnern.
Heimatmuseum Schruns: Mi 25.9., 20 Uhr

Diego Maradona

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Die fetten Jahre sind vorbei

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