Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

08.11.2018 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (9.11. - 15.11. 2018)

TaSKino Feldkirch und Filmforum Bregenz zeigen diese Woche den Dokumentarfilm „Zu ebener Erde“, der kommentarlos den Alltag von vier Wiener Obdachlosen schildert. Einblick in die Lebenswelt der streng orthodoxen chassidischen Gemeinde von Brooklyn bietet dagegen der Spielfilm „Menashe“, der ebenfalls beim Filmforum Bregenz auf dem Programm steht.

Zu ebener Erde: Birgit Bergmann, Steffi Franz und Oliver Erwani begleiten mit der Kamera abwechselnd vier Obdachlose durch ihren Alltag in Wien. Auf Kommentar und Erklärungen wird verzichtet, ganz auf die ruhige begleitende Beobachtung vertraut das Regie-Trio, das nur mit einigen Fragen aus dem Off eingreift.
Nichts Neues erfährt man im Grunde, aber abstrakte Meldungen bekommen hier ein konkretes Gesicht, weil dieser Film dort hinschaut, wo man sonst gerne wegschaut. Vertraut werden einem so im Laufe des Films die vier Protagonisten. Wenig erfährt man über die Biographie des Herrn, der immer mit Hut vor der U-Bahnstation Pilgramgasse steht, der redegewandten und gebildeten Frau, die sich am Stadtrand in einem Wald- und Wiesengebiet eine Schlafgelegenheit unter einem Baumstamm eingerichtet hat, eines Mannes, der Plastikflaschen sammelt, und eines bettelndes slowakisches Paar. Bestenfalls bruchstückhaft werden die Gründe für den Sturz in die Not erwähnt, erfahrbar wird aber ihr Alltag zwischen Übernachtung im Freien, Notschlafstätte, Waschsalon und Kleiderausgabe. – Anders wird man nach diesem Film - zumindest für eine gewisse Zeit - auf Obdachlose blicken.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Sa 10.11., 22 Uhr; Mo 12.11., 18 Uhr; Di 13.11., 20.30 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 14.11., 20 Uhr + Fr 16.11., 22 Uhr


Menashe:
Der Dokumentarfilmer Joshua Z. Weinstein nützt bei seinem Spielfilmdebüt eine Vater-Sohn-Geschichte, um den Zuschauer mit ethnographischem Blick in Alltag und Riten der streng orthodoxen chassidischen Gemeinde von Borough Park in Brooklyn, New York  zu entführen.
Im Zentrum des weitgehend auf Jiddisch und mit Laienschauspielern an Originalschauplätzen gedrehten Films steht der etwas tollpatschige Supermarktangestellte Menashe, der von der Gemeinde mehr belacht als wirklich akzeptiert wird. Menashe bringt aber nicht nur sein Leben nicht richtig auf die Reihe, sondern hält sich auch nicht an die strengen Regeln der Chassiden.
Weil er zudem seit einem Jahr verwitwet ist, darf auch sein elfjähriger Sohn Rieven nicht bei ihm leben, da Kinder nach Gemeinderegeln von beiden Elternteilen erzogen werden müssen. Mit einer neuen Ehe könnte er Rieven zwar zurückholen, doch der Suche nach einer Partnerin durch die Gemeinde widersetzt er sich.
Ganz selbstverständlich fließen in dieser zurückhaltend inszenierten Tragikomödie, die in groben Zügen auf der Lebensgeschichte des Hauptdarstellers Menashe Lustig beruht, dokumentarische Beobachtung und Spielfilmhandlung ineinander. Weinstein zeichnet seinen Protagonisten zwar als Mann mit Schwächen, doch lässt er im warmherzigen Blick stets die Liebe des Vaters zu seinem Sohn spüren. Aber auch der Blick auf die chassidische Gemeinde, in der Handys, Computer und Fernseher verboten sind, ist frei von Polemik. Statt zu kritisieren setzt Weinstein auf feinfühlige Beobachtung und eine Menschlichkeit, die bewegt.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Fr 9.11., 22 Uhr

Zu ebener Erde (c) Stadtkino

Zu ebener Erde (c) Stadtkino

Menashe (c) Polyfilm Verleih

Menashe (c) Polyfilm Verleih

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Zu ebener Erde (c) Stadtkino Zu ebener Erde (c) Stadtkino
  • Menashe (c) Polyfilm Verleih Menashe (c) Polyfilm Verleih