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06.05.2021 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (7.5. - 13.5. 2021)

Da das Filmangebot aufgrund der Corona-Beschränkungen eher dünn ist, in dieser Woche zwei Filme aus dem Programm des Feldkircher TaSkinos: Eliza Hittmans Abtreibungsdrama "Niemals selten manchmal immer" und Filippo Meneghettis "Wir beide".

Wir beide - Deux: Seit Jahren sind die Rentnerinnen Nina (Barbara Sukowa) und Madeleine (Martine Chevallier) ein Paar, doch weder die Öffentlichkeit noch die Familie wissen davon. Als Madeleine einen Schlaganfall erleidet, wird folglich Nina plötzlich aus dem Leben der Geliebten ausgeschlossen.
Weitgehend auf die beiden Wohnungen konzentriert sich die Handlung von Filippo Meneghettis Spielfilmdebüt. Unterstützt von den beiden großartigen Hauptdarstellerinnen Barbara Sukowa und Martine Chevallier beschwört der 40-jährige Italiener zunächst dicht und bewegend die Liebe dieses Paares. Nicht viele Worte sind hier nötig, sondern durch Blicke, Gesten und Berührungen wird ihr blindes Verständnis und ihre Harmonie spürbar. Auch die nahen Einstellungen von Kameramann Aurelien Marra beschwören Vertrautheit und Intimität.
Prägnant zeichnet Meneghetti auch die beiden unterschiedlichen Charaktere. Während Nina, die nie verheiratet war, stark und selbstbewusst auftritt, erscheint Madeleine, über die gesagt wird, dass sie ihr ganzes Leben der Familie geopfert hat, als sensibel und zerbrechlich.
Dichte gewinnt dieses Kammerspiel aber nicht nur durch das intensive Spiel der Hauptdarstellerinnen, sondern auch durch die elegante visuelle Gestaltung. Während die Szenen der Liebe und der Vertrautheit am Beginn in warme Braun- und Goldtöne getaucht sind, werden Farben und Licht später kälter. Farbdramaturgie und Lichtführung sind hier genau überlegt und jede Einstellung ist sorgfältig kadriert.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio:
Sa 8.5., 18 Uhr; Do 13.5., 18 Uhr (jeweils O.m.U.); So 9.5., 17.45 Uhr (Deutsche Fassung)

Niemals selten manchmal immer: Ganz auf der 17-jährigen Autumn fokussiert Eliza Hittman. Erst in der Mitte des Films wird die Bedeutung des Titels klar, wenn der von Sidney Flanigan gespielte Teenager in einer Abtreibungsklinik bei einer endlos langen Befragung zu ihren Sexualpartnern, zu Nötigung und Gewalt durch die Männer mit den möglichen Antworten „nie selten manchmal immer“ schließlich in Tränen ausbricht.
Die Unterdrückung der Frau durch die Männer und die Schwierigkeit dagegen aufzubegehren oder die Übergriffigkeit publik zu machen, trat freilich schon zuvor zutage, als sich Autumn und ihre Cousine im Supermarkt, in dem sie neben der Schule als Kassierinnen arbeiten, Zärtlichkeiten vom schmierigen Chef gefallen lassen mussten oder als Autumns Vater wie ein Patriarch zu Hause herrschte und kein Einfühlungsvermögen für seine Tochter zeigte.
Bald nach dem positiven Schwangerschaftstest steht für Autumn fest, dass sie sich noch nicht bereit fühlt, Mutter zu sein und abtreiben will, doch weil dazu in Pennsylvania bei Minderjährigen die Unterschrift der Eltern nötig ist, bricht sie mit ihrer Cousine per Bus nach New York auf.
Auf wenige Tage beschränkt sich die Handlung, der Weg zur Abtreibung ist das einzige Thema, gleichzeitig wird der Film dabei auch zu einem Plädoyer für die unabhängige Entscheidung der Frau und zur ebenso unaufgeregten wie eindringlichen Abrechnung mit der vielfältigen Ausbeutung durch Männer.
Große Dichte gewinnt „Niemals selten manchmal immer” durch die enge Handlungsführung ebenso wie durch die unaufdringliche, aber präzise und atmosphärisch dichte Verankerung in einem realistischen Milieu, vor allem aber durch die beiden famosen Hauptdarstellerinnen Sidney Flanigan und Talia Ryder. – Ganz auf Augenhöhe und nah dran an ihnen ist Hittman und arbeitet gerade in der nüchternen, nie wertenden Begleitung dieser beiden Jugendlichen Grundsätzliches heraus.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Sa 8.5., 17.45 Uhr (Deutsche Fassung); So 9.5., 18 Uhr (O.m.U.)

Weitere Filmkritiken, Streamingtipps, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website https://www.film-netz.com.

 

 

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