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30.04.2021 |  Gunnar Landsgesell

The Seventh Day - Gott steh uns bei

Einmal mehr schickt das Kino Priester aus, um einen Exorzismus durchzuführen. Ein Schuljunge hat seine Familie getötet und nun stellt sich die Frage, welche Dämonen ihn dazu getrieben haben. "The Seventh Day" ist ein überraschend verhaltener Horrorfilm, der sich nicht an William Friedkins Klassiker von 1973 messen will, sondern die innere Spannung stärker auf das Verhältnis zweier Priester legt, die dem Fall nachspüren. Während Guy Pearce als Father Peter eine recht unchristliche Härte einbringt, wirkt die dramaturgische Abwicklung ein wenig blass, so wie das Gesicht des besessenen Jungen.

Charlie und die Dämonenjäger - auch so könnte der deutsche Filmtitel lauten. "The Seventh Day" beginnt mit einem ironischen Seitenhieb auf den Vatikan, dem die Ausbildung von Exorzisten vor der Öffentlichkeit irgendwann peinlich wurde. Wir schreiben das Jahr 1985 und im Fernseher läuft der Empfang des Papstes Johannes Paul II in den USA. Im düsteren Kinderzimmer, in dem das besagte Fernsehgerät steht, findet gerade ein Exorzismus statt. Zwei Priester, Father Peter und Father Louis, treiben einem Jungen mit dem Kreuz den Teufel aus. Während der Papst im TV-Gerät bereits hinter gefährlichen Bildstörungen zu verschwinden droht, stirbt Father Louis, weil der Dämon ihm ein Kruzifix in den Hals getrieben hat. Der malträtierte Bub hingegen erleidet eine spontane Selbstverbrennung und ist ebenfalls tot. Davor hat der Teufel ihn selbstverständlich noch mit der bekannt tiefen Stimme Drohungen gegen alle Anwesenden ausstoßen lassen. Soweit also die Referenz an die Mutter aller Exorzistenfilme mit Linda Blair. Doch danach schlägt "The Seventh Day" eine deutlich andere Richtung ein. In einem überraschend gemächlich erzählten Tempo entspinnt sich fast so etwas wie eine Detektivgeschichte, in der zwei Priester einem Familiendrama nachspüren. Ein Schuljunge namens Charlie (Brady Jenness) hat seine Familie mit der Axt getötet und sitzt nun im Gefängnis. Father Peter (von Guy Pearce mit einer ganz unchristlichen Härte verkörpert) und sein junger, durchwegs ängstlicher Rookie-Kollege Father Daniel (Vadhir Derbez) machen sich auf die Suche nach den Wurzeln des Bösen: sie wollen, was sonst, den Dämon in Charlie aufspüren. Mit exorzistischen Riten geht der US-amerikanische Regisseur Justin P. Lange (der seinen Debütfilm  "The Dark" 2018 als österreichische Ko-Produktion realisierte) dann aber eher sparsam um. Vielfach umkreist der Film das seltsam spannungsgeladene Verhältnis zwischen den beiden Priestern, deren Dialoge immer wieder auch von den eigenen Dämonen und Ängsten handeln. Das erinnert ein wenig an den jüdischen Horrorfilm "The Vigil" (2019), in dem sich der Totenwächter vor allem mit eigenen Geistern herumschlagen musste.

Auf das Tempo einlassen

Vieles in "The Seventh Day" wirkt unausgegoren, oft als verhaltene Anleihe, wie etwa das dämonische Grinsen des kleinen Charly, das an den "Joker" erinnert. Das Priester-Duo hingegen tritt wie eine Mischung aus Cop, Detektiv und Heilsarmee auf. Der Gegenspieler und vorgeblich mächtige Dämon stülpt sich zwar immer wieder aus dunklen Nischen hervor, treibt mit menschlichen Körpern seine Spielchen, sein Antrieb bleibt dabei aber wenig fassbar. Dass der Film in New Orleans spielt, ist bis auf ein paar Second Unit Aufnahmen an keinerlei spezifischer Atmosphäre oder Architektur zu erkennen. Und die Kirchenvertreter im Film, die sich noch gegen die Verbannung der Praxis des Exorzismus durch den Vatikan stemmen, gewinnen in dieser Frage wenig Profil. Dennoch kann der Film mit seinem ungemein bedächtigen Tempo und seiner durchwegs dunklen Bildgestaltung eine gewisse Konzentration signalisieren. Für eingefleischte Horrorfilmfans mag die verhaltene Zuspitzung der Verhältnisse dennoch eher lahm wirken. Einzig Guy Pearce bringt eine gewisse Schärfe ein. Mit seiner schneidigen Mimik verleiht er seiner traumatischen Priesterfigur eine geringe Berechenbarkeit, die zu interessieren weiß. Dabei wirkt er manchmal diabolischer als der Dämon selbst. 

Dramaturgische Finte: Zwei Priester inszeniert wie Cops, die mit sich selbst nicht ganz im Reinen sind.

Dramaturgische Finte: Zwei Priester inszeniert wie Cops, die mit sich selbst nicht ganz im Reinen sind.

Der Plot um Charly, den Jungen, der seine Familie getötet hat, wirkt fast wie ein MacGuffin.

Der Plot um Charly, den Jungen, der seine Familie getötet hat, wirkt fast wie ein MacGuffin.

Guy Pearce als prägnanteste Erscheinung im Film.

Guy Pearce als prägnanteste Erscheinung im Film.

Zu viele Dämonen: Kirchenverteter im Zwiegespräch.

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  • Dramaturgische Finte: Zwei Priester inszeniert wie Cops, die mit sich selbst nicht ganz im Reinen sind. Dramaturgische Finte: Zwei Priester inszeniert wie Cops, die mit sich selbst nicht ganz im Reinen sind.
  • Der Plot um Charly, den Jungen, der seine Familie getötet hat, wirkt fast wie ein MacGuffin. Der Plot um Charly, den Jungen, der seine Familie getötet hat, wirkt fast wie ein MacGuffin.
  • Guy Pearce als prägnanteste Erscheinung im Film. Guy Pearce als prägnanteste Erscheinung im Film.
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