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01.04.2009 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (6.4. - 12.4.2009)

This Is England: Im England Margaret Thatchers schließt sich ein 12-Jähriger, der seinen Vater im Falklandkrieg verloren hat, einer Gruppe Skinheads an, die unter ihrem neuen Führer einen zunehmend fremdenfeindlichen Kurs einschlägt. – Laut Lexikon des Internationalen Films ein „ironisch-kritischer, um Authentizität bemühter Rückblick auf das Britannien der Thatcher-Ära, der den Rechtsruck der jugendlichen Subkultur nachvollziehbar macht. Der bewegende Film zeichnet das Porträt einer verlorenen Generation und zugleich die Studie einer in emotionaler Kälte erstarrten Gesellschaft. “ Und für critic.de  ist „This is England“ „straff erzähltes englisches Kino, das mit der Direktheit einer Kopfnuss daherkommt.“
Club Vaudeville, Lindau: Di, 7.4., 20.00 Uhr


Öteki ben – Das andere Ich: Mukkader Püskürt lässt in ihrem Dokumentarfilm 13 in Österreich lebende türkische Frauen vor der Kamera über Sexualität, Liebe und Partnerschaft erzählen. Bunt gemischt sind die Interviewpartner, von einer älteren Frau über die Mutter der Regisseurin und eine Kurdin bis zu einer jungen türkischen Lesbe und einer jungen Frau, die sich von ihrer Familie gelöst hat, spannt sich der Bogen. So verschieden aber auch die Biographien und Lebenssituationen der Interviewten sind, so unübersehbar auch der Generationenwechsel ist, so sehr bleibt der Film in seiner Kurzatmigkeit, im gleichförmigen Dahinplätschern der Statements, die nie verdichtet oder auf den Punkt gebracht werden, und im die Konzentration hemmenden Wechseln zwischen den Gesprächspartnern an der Oberfläche kleben. Weil die Interviewten mehr holzschnittartig erzählen als ihren Ausführungen durch detailreiche und persönliche Schilderungen packende Kraft zu verleihen, bleibt der Film leblos, seltsam trocken und abstrakt und nichts prägt sich im Kopf des Zuschauers ein, sondern verfliegt in Windeseile.
Spielboden Dornbirn: Mi, 8.4.; Mi, 22.4.; Do, 30.4. -  jeweils 20.30 Uhr


Dacia Express: Täglich verkehrt der D 347 in gut 18 Stunden Fahrzeit zwischen Wien Westbahnhof und Bukarest Nord-Bahnhof. Michael Schindegger hat mit einer kleinen Digitalkamera diese Zugfahrt 17 Mal vollzogen und dabei Reisende gefilmt. Nur wenige Blicke aus dem Fenster, auf eine verregnete Landschaft oder verfallende Industriebauten, werden gewährt, auf Musik wird ebenso verzichtet wie auf Off-Kommentar. Der Fokus liegt ganz auf den Zuggästen in ihren Abteilen, auf einem kanadischen Touristen oder einer Amerikanerin, die nach Bukarest reist, um die Spuren ihrer Vorfahren zu erkunden, einem Roma, der vom Analphabetismus seiner Kinder erzählt, oder einem Moldawier der nach einem Vorstellungsgespräch in Wien enttäuscht von der österreichischen Hauptstadt in seine Heimat zurückreist. Ob es jetzt von Wien nach Bukarest oder in die umgekehrte Richtung geht, ist nicht immer klar, aber auch nicht wichtig, entscheidend ist vielmehr der ruhige und völlig unprätentiöse Fluss der Beobachtungen und Zufallsbekanntschaften, der atmosphärisch viel vom Fließenden und der Offenheit von Zugreisen vermittelt. Wie eben bei einer Zugfahrt hört man mit Interesse und auch amüsiert den Reisenden zu, erfährt einiges über sie und ihre Meinung zu Osten und Westen und verlässt sie irgendwann wieder, nachdem man eine angenehme Zeit mit ihnen verbracht hat.
Spielboden Dornbirn: Do, 9.4.; Do, 23.4.  -  jeweils 20.30 Uhr


Young@Heart: Sicher nicht der Regisseur ist der Star dieses Dokumentarfilms und ein großes Werk mag das auch nicht sein, aber die Protagonisten sind zweifellos phänomenal. Wie die 75 bis 92 Jahre alten Mitglieder des amerikanischen Chors „Young@Heart“ Songs wie den „Clash“-Hit „Should I Stay or Should I Go“, Bob Dylans „Forever Young“ oder den Disco-Song „Staying Alive“ singen, ist nicht nur mitreißend, sondern auch zu Tränen rührend, da die Liedzeilen aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Interpreten eine ganz andere Bedeutung erhalten. So erteilt Stephen Walker, der den Chor und ihren Leiter bei den mehrwöchigen Vorbereitungen für ein Konzert mit der Kamera begleitete und auch kleine Porträts der einzelnen Chormitglieder zeichnet, mit seinem Film dem Jugendwahn eine Absage, feiert leidenschaftlich Vitalität und Lebensfreude im Alter, macht selbst Mut und spart doch auch die Gewissheit des Todes nicht aus.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do, 9.4., 20 Uhr; Sa, 11.4., 22 Uhr
TaSkino Feldkirch im Kino Namenlos: Fr, 10.4., 22 Uhr; Sa, 11.4., 22 Uhr; Mo, 13.4., 19.30 Uhr; Di, 14.4., 21.30 Uhr


Wonderful Town: Der junge Architekt Ton aus Bangkok reist in eine Küstenstadt im Süden Thailands, wo er am Wiederaufbau einer vom Tsunami zerstörten Ferienanlage arbeiten soll. Unterkunft bezieht er in einem kleinen Hotel in einer Kleinstadt. Langsam und ganz sanft entwickelt sich eine Beziehung zu der jungen Hotelbesitzerin Na, doch die Umgebung blickt argwöhnisch auf das Paar, reagiert mit Mobbing und Anschlägen auf das Auto und dann auch auf Menschen.
Ruhig still und leise, aber gerade dadurch intensiv erzählt der Thailänder Adita Assarat. Überall sichtbar sind die Schäden des Tsunami, aber wie unter den Wellen des Meeres, mit denen der Film beginnt, schlummern auch im ruhigen Landstrich unter der idyllischen Oberfläche psychische Verwundungen und Traumatisierungen. Lange Einstellungen statt schnellem Schuss-Gegenschuss, genauer Blick für die Menschen, hervorragende Schauspieler, eine stilsichere Inszenierung, die immer das Bedrohliche unter der Oberfläche subtil durchschimmern lässt, und ein präziser Musikeinsatz verleihen diesem Spielfilmdebüt, das sich von der zarten Liebesgeschichte langsam zum Thriller wandelt, seine Eindringlichkeit.
Takino Schaan: Fr, 10.4. – Di, 14.4., jeweils 18.30 Uhr


City of God – Cidade de Deus: In einem atemlosen, nie zur Ruhe kommenden Tempo erzählt Fernando Meirelles die ausufende Geschichte einer Kindheit und Jugend in einem Armenviertel von Rio de Janeiro und bettet in das private Coming-of-Age die Geschichte von Bandenkriegen, korrupter Polizei, von Kindern, die zu Mördern werden und die Entwicklung der Verbrecherszene von spontanen Überfällen zu geplantem Drogenhandel ein. – Keine Sozialstudie, sondern ein kraftvoller Actionfilm, der virtuos mit den Mitteln der Werbe- und Videoclipästhetik wie Stop-Motion, Zeitraffer und Zeitlupe arbeitet. Stets neue Kaskaden von Gewalt lässt Meirelles dabei über den Zuschauer hereinbrechen, wobei „City of God“ durch das permanente Vorwärtsdrängen und den Einsatz der nervös geführten Handkamera eine vibrierende Spannung, einen atemberaubenden Drive und eine Intensität entwickelt, wie sie im standardisierten europäischen und amerikanischen Kino kaum zu finden sind.
Takino Schaan: Fr, 10.4. und Sa, 11.4.; jeweils 22.30 Uhr


Zur Filmreihe "Frauen am Ball" am Spielboden Dornbirn finden Sie einen ausführlichen Artikel in der Printausgabe der April-KULTUR


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Young @ Heart

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