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24.11.2009 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (30.11. - 6.12. 2009)

Der Verdacht: Frank Beyer erzählt in seinem ersten Spielfilm nach der Wende von einer Liebe zwischen der Tochter eines einflussreichen SED-Funktionärs und einem Unangepassten in der DDR der 70er Jahre. Auf Druck des Vaters bricht die junge Frau zunächst die Beziehung ab, überlegt es sich in einem entscheidenden Moment aber nochmals anders.
Wie bei Heiner Carows DEFA-Klassiker „Die Legende von Paul und Paula“ schrieb auch für diesen Film, Frank Beyers letzten DEFA-Film, der Schriftsteller Ulrich Plenzdorf das Drehbuch. Und wie in „Paul und Paula“ geht es auch hier um die junge Generation, die sich dem System nicht mehr unterwerfen will, mehr Freiheiten und Möglichkeiten zur Verwirklichung des privaten Lebensglücks fordert. – Die deutsche Fachzeitschrift „Filmdienst“ lobt zwar die guten Darsteller und Beyers Bemühen, DDR-Vergangenheit aufzuarbeiten, wirft dem Film aber Langatmigkeit vor und kommt zu dem Resümee, dass Drehbuch und filmische Umsetzung vieles zu wünschen übrig ließen.
Spielboden Dornbirn: Fr, 4.12., 20.30 Uhr


West-östlicher Divan - Dogu-Bati Divani: Nach der Klosterreise „Locus Iste“ und dem daraus entstandenen Film von Robert Polak und Wolfgang Mörth, in dem der Spielbodenchor 2004 Klöster in Südtirol, der Schweiz und Süddeutschland – und damit die Wurzeln der regionalen Kultur – besuchte, begab sich die Dornbirner Singgemeinschaft im Herbst 2008 zur Vorbereitung eines interkulturellen österreichisch-türkischen Kulturprojekts auf eine achttägige Türkeireise. Diese hat Stefan Bohun mit der Kamera begleitet, stellt aber der Reisedokumentation Szenen voran, die Einblick in das Leben als Türke in Österreich und in den Ausführungen von Günther Hagen die Gründe für dieses Projekt vermitteln.
Im unaufgeregten Fluss von Alltagseindrücken und Interviews, später von Reiseeindrücken aus Kappadokien, Pamukkale, Aphrodisia, Ephesos und Istanbul, die durch den Reiseleiter Aydin Ballin, der in Vorarlberg einen türkischen Chor leitet, zusammengehalten werden, geschichtlich-kulturkundlichen Erläuterungen von Günther Hagen und kurzen Szenen von Auftritten und Kontakten mit der türkischen Bevölkerung eröffnet der Film nicht nur einen Dialog zwischen den Kulturen, sondern auch zwischen Geschichte und Gegenwart. - Der ohne große Kunstanstrengung gedrehte Dokumentarfilm stellt sich ganz in den Dienst der Intentionen, einerseits Reisedokumentation zu sein und andererseits anknüpfend an Goethes titelgebende Gedichtsammlung für die Verständigung der Kulturen zu plädieren. Und diese selbst gesteckten Ziele erfüllt „West-östlicher Divan“ völlig.
Spielboden Dornbirn: 5./9./22./27.12. – jeweils 20.30 Uhr


The Informant!: “Auf einem wahren Fall beruhend“ verkündet ein Vorspanntitel, bricht die Erwartungshaltung aber gleich mit dem ironischen Zusatz „künstlerisch frei bearbeitet“. Wahrhaft irrwitzig ist die Geschichte von Marc Whitacre (Matt Damon), der als führender Angestellter eines Agrarkonzerns sich dem FBI als Spitzel anbietet, um seine eigene Firma illegaler Preisabsprachen zu überführen. Whitacre hofft, mit seinem Doppelspiel alle zu täuschen und letztlich sogar befördert zu werden, verfängt sich aber zunehmend in seinem eigenen Lügennetz.
Das ist im Grunde der Stoff für einen realistischen Wirtschaftskrimi und in diesem Stil beginnt „The Informant!“ auch. Bald aber setzt Steven Soderbergh nicht zuletzt mit dem swingenden Soundtrack von Marvin Hamlish und lila Inserts zu Ort und Zeit des Geschehens Akzente, die den Film ins Irrwitzige kippen und das zunächst bediente Genre unterwandern. Wirtschaftliche Hintergründe interessieren den Amerikaner kaum, er fokussiert ganz auf dem von Matt Damon knochentrocken gespielten Whitacre und zwingt den Zuschauer mit Voice-Over in die Perspektive des Protagonisten. Folgt man diesem zunächst gerne, so betrachtet man ihn angesichts seiner gar sonderlichen Überlegungen mit Fortdauer mit zunehmender kritischer Distanz. Statt eines Thrillers entwickelt sich „The Informant!“ so letztlich zu einer Farce und zum Psychogramm eines bis zum Ende nicht ganz fassbaren Charakters – einer bipolaren Person, eines Kranken oder eines Aufschneiders. Moralische Position gegenüber seinem Protagonisten bezieht Soderbergh dabei keine, sondern überlässt es dem Zuschauer, sich selbst eine Meinung zu bilden.
TaKino Schaan: 4./5./11./12.12. – jeweils 22 Uhr

West-östlicher Divan

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The Informant!

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