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22.11.2009 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (23.11. - 29.11. 2009)

Drachenläufer: Ob im San Francisco des Jahres 2000, wo der Film einsetzt, oder im Afghanistan der 1970er Jahre oder am Ende wieder in San Francisco – immer wieder zeigt Marc Forster steigende Drachen, folgt ihnen mit fliegender Kamera und taucht mit ihnen ab. – Mitreißend vermitteln diese Bilder Freiheit, Unschuld und Glück, völlige Losgelöstheit von allen politischen und gesellschaftlichen Zwängen und damit auch das Glück einer unbeschwerten Kindheit.
Ein Anruf im Jahr 2000 ruft im Exil-Afghanen Amir Erinnerungen an seine Kindheit im Kabul der 1970er Jahre wach. Damals hat er seinen Freund Hassan verraten, nun ergibt sich für Amir eine Möglichkeit der Wiedergutmachung.
In einer großen Rückblende rollt Forster in seiner Verfilmung von Khaled Hosseinis 2003 erschienenem Roman Amirs ganze Lebensgeschichte auf, taucht ein ins westlich geprägte Kabul der 1970er Jahre, streift kurz den Einmarsch der Sowjets, schildert das Leben im amerikanischen Exil und schließlich die brutale Diktatur der Taliban.
Das Politische bleibt weitgehend ausgeklammert, der Fokus liegt ganz auf der privaten Geschichte. Auf große Effekte verzichtet Forster dabei und setzt statt auf Stars auf unverbrauchte Gesichter. Mitfühlend und ergreifend schildert er die Kindheit mit der tragisch endenden Freundschaft und lässt im Finale die Coming-of-Age-Geschichte in einen harten Thriller übergehen. Im Bestreben zu emotionalisieren neigt er auch zu Schwarzweißmalerei, verteufelt recht platt Sowjets und die Taliban, während die USA bruchlos als neue Heimat und Land des Glücks und der Zukunft gefeiert werden.
Altes Kino, Rankweil: Di, 24.11., 20 Uhr


The Bubble: Das Private kann man gerade in einer Konfliktregion wie dem Nahen Osten nicht vom Öffentlichen trennen: Nicht nur oder nicht mehr durch gesellschaftliche Reglementierungen ist dort eine homosexuelle Liebe zwischen einem Israeli und einem Palästinenser gefährdet, sondern vor allem durch die aggressiven politischen Gegensätze. So können Noam und Ashraf in der pulsierenden Metropole Tel Aviv für kurze Zeit zwar das Glück finden, doch bei aller Lebensfreude ist der Nahost-Konflikt über Fernsehberichte immer präsent.
Ist für die Israelis Noams Homosexualität kein Problem, so muss sich Ashraf bei seiner Familie mühsam zu einem Coming-Out durchringen und dafür Verachtung einstecken. Aber jenseits dieser Barrieren gibt’s eben die politischen Spannungen, gibt’s Selbstmordanschläge in Tel Aviv, die wieder zu unkontrollierten israelischen Militäraktionen in den besetzten Gebieten führen. – Eine Liebe über die Grenzen muss hier eine Utopie bleiben, zerplatzt an der Realität. Hoffnung, dass sich die Dinge ändern können, macht Eytan Fox dem Zuschauer keine, träumt aber in seinem einfühlsamen und über weite Strecken humorvollen und von Empathie für die Figuren durchzogenen Film wie diese von Frieden und unbeschwertem Leben.
TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos: Mi, 25.11., 19.30 Uhr; Do, 26.11., 21.30 Uhr


Zerrissene Umarmungen – Los abrazos rotos: Sehnsucht, Leidenschaft, Eifersucht und daraus resultierende Verbrechen sind Grundthemen der Filme von Pedro Almodóvar. Wie ein Sampler aus Motiven früherer Filme wirkt in diesem Sinne „Los abrazos rotos“. Formal souverän blendet Almodóvar von der Nachricht vom Tod eines Industriellen zurück in die 90er Jahre, als sich der Filmregisseur Mateo Blanco – unübersehbar Almodovars Alter Ego – in die mit dem Industriellen liierte Schauspielerin Lena (Penelope Cruz) verliebt. Der Industrielle nimmt dies freilich nicht hin und sinnt auf Rache.
So perfekt die Bilder komponiert sind, so überlegt die Farbdramaturgie auch ist, so sehr fehlt diesem Film – auch wenn er von der Leidenschaft erzählt – letztlich selbst die Leidenschaft. Stilsicher spult Almodóvar sein Spielchen runter, erweist den großen weiblichen Filmstars seine Reverenz und feiert seine Muse Penelope Cruz, doch kalt wirkt „Los abrazos rotos“ dabei und lässt nie spüren, dass der Regisseur mit Herzblut dahinter steht.
TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos: Fr, 27.11. – Do, 3.12.

Drachenläufer

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The Bubble

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Zerrissene Umarmungen - Los abrazos rotos

Zerrissene Umarmungen - Los abrazos rotos

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