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27.08.2020 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (28.8. - 3.9. 2020)

Radikales Arthouse-Kino wird diese Woche mit Angela Schanelecs "Ich war zuhause, aber" bei der Hofkultur im Gutshof Heidensand in Lustenau geboten. Das Filmforum Bregenz zeigt dagegen mit "Suicide Tourist" einen kafkaesken Thriller um einen todkranken Mann, der ein Angebot für ein angeblich schönes Sterben annimmt.

Ich war zuhause, aber: Dem klassischen Erzählen einer Geschichte verweigert sich Angela Schanelec konsequent. Bewusst reiht sie im Grunde zusammenhanglos Szenen aus dem Alltag einer alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern aneinander, zeigt sie bald beim Kauf eines gebrauchten Fahrrads, das sie später wieder zurückgibt, bei der Diskussion mit einem Regisseur über die fehlende Echtheit im Spiel von Schauspielern, hält den Lehrern ihres Sohnes einen Vortrag über die schwierige Beziehung zu ihrem Sohn, der noch Junge ist und schon Mann wird, oder setzt die sie nervenden Kinder vor die Tür. Unterbrochen werden diese Alltagsszenen von Kindern, die Shakespeares "Hamlet" spielen, und am Beginn sieht man, wie ein Hund einen Hasen jagt, ihn dann in einem verfallenen Haus verzehrt, während ein Esel zuschaut.
Wie der Esel, aber auch die elliptische Erzählweise und die mehrfache Fokussierung auf Händen Assoziationen an die Filme von Robert Bresson, im Speziellen an "Au hasard Balthasar" wecken können und der Filmtitel sich auf Yazujiro Ozus "Ich war geboren, aber..." bezieht, so fließt auch Autobiographisches ein, denn wie die von Maren Eggert gespielte Protagonistin hat Angela Schanelec ihren Partner, den Theaterregisseur Jürgen Gosch, vor einigen Jahren durch Tod verloren und beide haben zwei Kinder.
Für sich haben diese in langen distanzierten Einstellungen gedrehten und mit einer Ausnahme musiklosen Szenen, in denen die Dialoge wie bei Bresson meist bewusst emotionslos gesprochen werden, durchaus ihren Reiz, kreisen immer wieder um die Unfähigkeit zu Kommunikation, um Schein und Wirklichkeit, doch zu einem schlüssigen Ganzen will sich der Film nicht fügen.
Bewusst soll wohl in der fragmentarischen Erzählweise das Bruchstückhafte des Lebens vermittelt und mit Kinoillusionen gebrochen werden. So fremd und so anders als alles andere, was man im Kino sieht, ist das freilich im gänzlichen Verzicht auf die sonst übliche Kausalität der Szenenfolge, dass man sich damit doch äußerst schwer tut.
Hofkultur im Gutshof Heidensand, Lustenau: Mo 31.8., 20 Uhr

 

Suicide Tourist: Ein todkranker Mann nimmt das Angebot eines Unternehmens an, das ein schönes Sterben in einem abgelegenen Hotel verspricht. Bald beginnt der Mann aber an seiner Entscheidung zu zweifeln.
Jonas Alexander Arnby erzählt in seinem zweiten Spielfilm nicht chronologisch, sondern lässt ausgehend von dem Aufenthalt im "Sterbehotel" den von "Game of Thrones"-Star Nicolaj-Coster Waldau gespielten Protagonisten Max sich an sein Leben erinnern. Zunehmend scheinen dabei aber Realität und Einbildung zu verschwimmen.
Blicke auf Spiegel und die Glasfronten, in denen sich die Landschaft oder das Gesicht spiegeln, werfen Max immer wieder auf sich selbst zurück, konfrontieren ihn mit seinem Entschluss. Vogelperspektiven, aber auch die übermächtige Berglandschaft evozieren ein Gefühl der Ausgeliefertheit und Ohnmacht. Fragen zu Sterbehilfe und zur Schwierigkeit des Abschieds werden zwar aufgeworfen, doch "Suicide Tourist" ist kein Problemfilm, sondern ein komplex verschachtelter und kühler, aber atmosphärisch dichter und packender Thriller, der den Zuschauer mit dem Protagonisten in eine kafkaeske, auch an Kubricks "Shining" erinnernde Welt entführt, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Auch Arnby versteigt sich hier aber schließlich, verirrt sich in seinem Changieren zwischen Wahn und Wirklichkeit und enttäuschend fällt folglich das Ende aus.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Di 3.9., 20 Uhr


Weitere Filmkritiken, Festivalberichte, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website https://www.film-netz.com.

Ich war zuhause, aber

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