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27.06.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (28.6. - 4.7. 2019)

Der Spielboden Dornbirn zeigt diese Woche nochmals Kelly Coppers und Pavol Liskas eigenwillige, aber sehr unterhaltsame „Verfilmung“ von Elfriede Jelinek Roman „Die Kinder der Toten“. Das TaSKino Feldkirch startet dagegen mit der schwedischen Komödie „Britt-Marie war hier“ in den Juli.

Die Kinder der Toten: Die Amerikaner Kelly Copper und Pavol Liska haben Elfriede Jelineks 1995 erschienenen Roman „Die Kinder der Toten“, da es ihn nicht in englischer Übersetzung gibt, nie gelesen, sondern nur sich den Inhalt erzählen lassen. Dies aber ist noch die kleinste Schrägheit dieser „Literaturverfilmung“, denn das New Yorker Nature Theater of Oklahoma – der Name bezieht sich auf eine Kapitelüberschrift von Franz Kafkas unvollendetem „Amerika“-Roman – hat unter Coppers/Liskas Regie Jelineks Roman als stummen Super-8-Film mit Zwischentiteln adaptiert.
Besetzt wurden die Rollen mit Laienschauspielern aus der Obersteiermark, in der Jelinek ihre Kindheit verbrachte und in der auch der Film gedreht wurde. Zentraler Schauplatz ist ein Dorfgasthof, auf dessen Besucher Copper/Liska mit einem Biss blicken, der an die Filme Erich von Stroheims erinnert. Als es bei einer Tour für die Gäste zu einem Unfall kommt, kehren bald die lebenden Toten zurück, während gleichzeitig einige syrische Poeten im Gasthof um Aufnahme bitten und ein Förster vom Geist seiner beiden Söhne, die Selbstmord begingen, verfolgt wird.
Bewusst trashig und mit Lust am Amateurhaften ist das inszeniert, ist aber auch ein böser Kommentar zur österreichischen Verdrängungskultur. Denn bald wird auch die Witwe eines Nazis in einer stillgelegten Fabrik im Cinema 666, dessen Name sich sowohl auf Satan als auch auf die Seitenzahl von Jelineks Buch beziehen kann, eine geheime Filmvorführung abhalten, bei der sich unter einen Heimatfilm auch Nazi-Offiziere mischen und die Zuschauer Rotz und Wasser heulen, bis die Leinwand in Flammen aufgeht und die Toten ins Kino vordringen.
Auf Dialoge verzichten Copper/Liska zwar, doch alles andere als stumm ist der Film, denn brillant ist das Sounddesign mit Musik von Wolfgang Mitterer und Geräuschen. Höchst einfallsreich sind auch die Zwischentitel, denn sie liefern nicht nur die Dialoge, sondern auch Kommentare zu den Figuren oder Hinweise ans Publikum.
Spielboden Dornbirn: Fr 28.6., 19.30 Uhr

Britt-Marie war hier: Vor drei Jahren lief die schwedische Tragikomödie „Ein Mann namens Ove“, in der ein verbitterter Pensionist langsam wieder Lebensfreude entwickelt, erfolgreich in den Kinos. Mit „Britt-Marie war hier“, zu dem ebenfalls Fredrik Backman die Vorlage lieferte, kommt nun die weibliche Variante dieser Geschichte. Im Zentrum steht eine biedere 63-Jährige, die sich mit ihrem monotonen Hausfrauenalltag längst abgefunden hat. Als sie aber entdeckt, dass ihr Mann eine Geliebte hat, packt sie die Koffer und zieht aus. Da es für Frauen in Britt-Maries Alter kaum Jobs gibt, übernimmt sie, obwohl sie Fußball hasst, das Angebot eine Kindermannschaft zu trainieren.
Vorhersehbar ist zwar die Handlung, nicht gerade neu sind Geschichte und Botschaft und allzu brav ist Tuva Novotnys Inszenierung. Das sichere Gespür für den richtigen Ton und ein bestens aufgelegtes Ensemble, das von einer großartigen Pernilla August angeführt wird, nehmen aber doch für diese auch aufgrund ihrer Warmherzigkeit sympathische Tragikomödie ein.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Mo 1.7., 18 Uhr; Di 2.7., 20.30 Uhr; Mi 3.7., 18 Uhr; Do 4.7., 20.30 Uhr

Die Kinder der Toten

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Britt-Marie war hier

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