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23.11.2017 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (24.11. - 30.11. 2017)

Filmforum Bregenz und Takino Schaan zeigen diese Woche Francis Lees im ländlichen Nordengland spielende schwule Liebesgeschichte „God´s Own Country“. Auf dem Programm des TaSKino Feldkirch und des Spielboden Dornbirn steht dagegen mit Greg Zglinskis „Tiere“ ein raffiniertes Vexierspiel, das an die Filme David Lynchs erinnert.

God´s Own Country: So rau wie das von Joshua James Richards Kamera in kalte Blau- und Grautöne getauchte kahle spätwinterliche ländliche Yorkshire  ist, so verschlossen, wortkarg und unfähig ihre Gefühle auszudrücken sind hier auch die Menschen. Wie sehr junge Johnny (Josh O’Connor)  in seinem Denken gefangen ist, machen auch die nahen Einstellungen deutlich, die ein Gefühl der Beklemmung erzeugen, gleichzeitig entwickelt „God´s Own Country“ in den Blicken, im langsamen Streichen einer Hand über den Rücken einer Kuh oder im insistierenden Fokussieren auf Johnnys nacktem Oberkörper auch große Sinnlichkeit, lässt die Sehnsucht nach Berührung und Nähe spüren.
Zu Johnnys Entlastung stellt der Vater für die Arbeit auf dem Bauernhof einen rumänischen Saisonarbeiter (Alec Secareanu) ein. Reagiert Johnny auf diesen zunächst sehr ablehnend, so merkt Georghe doch bald, dass sein Gegenüber mit seinem rassistischen und homophoben Verhalten nur über seine eigentliche Neigung hinwegtäuschen will.
Zurückhaltend inszeniert Francis Lee, der selbst auf einem Bauernhof in Yorkshire aufgewachsen ist, diese schwule Liebesgeschichte, die durch Landschaft und bäuerliches Milieu an Ang Lees „Brokeback Mountain“ erinnert. Viel Zeit lässt er sich für die Schilderung der alltäglichen Arbeit auf dem Bauernhof.
Dabei erzählt Lee nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch eine Entwicklungsgeschichte, wenn Johnny mit der Liebe auch wächst, und nicht nur Verantwortung zu übernehmen und eine neue Beziehung zu seinem behinderten Vater zu entwickeln, sondern auch seinen eigenen Weg zu gehen lernt.
Und beiläufig ist das auch ein Kommentar zur Krise der Landwirtschaft in Europa, spricht Landflucht an und macht im Finale mit der Kontrastierung mit einem industriellen landwirtschaftlichen Großbetrieb in Rumänien auch die Qualität eines eigenes Hofes sichtbar, auf dem man kein von der Arbeit entfremdeter Lohnarbeiter ist, sondern noch einen Bezug zu seiner Arbeit und seinen Tieren hat.
Takino Schaan: Fr 24.11. + So 26.11., 18.30 Uhr; Di 28.11., 20.30 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Sa 25.11., 22 Uhr
 

Tiere: Nach einem Drehbuch des Österreichers Jörg Kalt, der 2007 Selbstmord beging, erzählt der Pole Greg Zglinski von einem Wiener Paar, das eine Auszeit auf einer Berghütte im Jura nehmen will. Doch auf der Fahrt dorthin überfahren Nick und Anna ein Schaf und Anna wird aufgrund des Unfalls – scheinbar nur kurz - ins Krankenhaus eingeliefert. Die Grenzen zwischen Realität und Wahn oder Traum verschieben sich von nun aber zunehmend.
Wie David Lynch in „Lost Highway“ oder „Mulholland Drive“ spielt Zglinksi mit Verdoppelungen und Zeitschleifen, wenn spätere Ereignisse vorweggenommen werden, wechselt immer wieder die Perspektive und wirft so Fragen nach der Zuverlässigkeit der Wahrnehmung, nach Realität und Imagination auf. Gleichzeitig kann man „Tiere“ aber auch als Film über die nicht funktionierende Kommunikation zwischen Mann und Frau lesen, denn Nick und Anna reden hier im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder aneinander vorbei und verstehen sich nicht.
So sehr dieser vertrackte Mix aus Beziehungsdrama und Psychothriller, der teilweise auch wie eine Fingerübung und ein Versuch in filmischem Erzählen wirkt, den Zuschauer verärgern kann, so kann man sich andererseits, wenn man sich auf dieses Vexierspiel einlässt, doch auch über 90 Minuten gut unterhalten. Denn durch die raffinierte Konstruktion und dank des starken Spiels von Birgit Minichmayr und Philipp Hochmair hält Zglinski die Spannung hoch, bietet am Schluss auch eine mögliche Erklärung, lässt aber auch Verunsicherung und Rätsel zurück.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Mi 29.11., 18 Uhr; Do 30.11., 20.30 Uhr; Fr. 1.12. + Sa 2.12., 22 Uhr
Spielboden Dornbirn: Fr 1.12. + Sa 9.12. + Mi 27.12. – jeweils 19.30 Uhr

God´s Own Country

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