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21.11.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (22.11. - 28.11. 2019)

Das Kino Madlen in Heerbrugg zeigt diese Woche die knochentrockene marokkanische Komödie „Le miracle du Saint Inconnu“. Die Kammgarn Hard lädt dagegen zu einem Wiedersehen von Joel und Ethan Coens 2001 gedrehter Film noir-Hommage „The Man Who Wasn´t There“ ein.

Le miracle du Saint Inconnu: Ein Bankräuber vergräbt kurz vor seiner Verhaftung seine Beute in der marokkanischen Wüste und tarnt das Versteck als Grab. Als er aus der Haft entlassen wird, möchte er die Beute endlich bergen, muss aber, als er zum Hügel zurückkehrt, feststellen, dass über seinem Versteck ein Mausoleum für einen unbekannten Heiligen errichtet wurde, zu dem zahlreiche Pilger strömen. Zudem gibt es nahe der Pilgerstätte, an der unwissend, aber doch treffend für die heutige Zeit das heilige Geld verehrt wird, inzwischen auch ein Dorf. Dem Räuber bleibt nichts anderes übrig, als sich im Hotel des Orts einzuquartieren und auf eine günstige Gelegenheit zu warten, um seine Beute auszugraben.
Schon oft erzählt wurde so eine Geschichte von einem Bankräuber, der seine Beute vergräbt und nach Haftentlassung feststellen muss, dass über dem Versteck inzwischen ein anderes Gebäude errichtet wurde („Thunderbolt and Lightfoot“, „Der Diamantencop“, „Fack ju Göhte“). Mehr als die Geschichte des Räubers interessiert Eddine Aljem aber der Mikrokosmos der Dorfbewohner: Da gibt es einen Friseur, der auch als Zahnarzt tätig ist und unterschiedlichen Rasierschaum je nach Ansehen des Kunden verwendet, den Wächter des Mausoleums mit seinem Hund, der als Dorfheld gefeiert wird, als er einen Dieb vertreibt, einen Schafhirten und seinen Sohn, der wegziehen möchte, da es schon seit zehn Jahren nicht mehr geregnet hat. Und auch ein neuer Arzt kommt ins Dorf.
Die Bilder sind genau komponiert, verstehen farblich mit blauem Himmel und sandiger Wüstenlandschaft zu überzeugen. Auch eine herrlich witzige Charakterisierung der Figuren gelingt Aljem, doch im Grunde entwickelt sich die Handlung nicht weiter, verliert sich der Film in dieser Aneinanderreihung von lakonischen kleinen Szenen, die den Gegensatz von Moderne, für die Arzt und Räuber stehen, und Tradition deutlich machen. So geht Erzählfluss, der am Anfang noch da ist, zunehmend verloren und trotz herrlich burlesker Szenen lässt das Interesse des Zuschauers mit Fortdauer nach.
Kino Madlen, Heerbrugg: Mo 25.11., 20.15 Uhr

 

The Man Who Wasn´t There: Ein Städtchen in Kalifornien Ende der 1940er Jahre. Vom ersten bis zum letzten Bild erzählt der ununterbrochen rauchende Friseur Ed Crane (Billy Bob Thornton) aus dem Off seine Geschichte von Erpressung, Ehebruch und Mord.
Die Coen-Brüder und der Film noir: Nicht nur ihr Debüt „Blood Simple“ und „Fargo“ sind davon geprägt, fast ihr ganzes Werk enthält Elemente dieses Genres. Und dennoch entwickeln sie ihr filmsprachliches Vokabular ständig weiter. Formale Meisterschaft ist auch bei ihrem ersten Schwarzweißfilm eine Selbstverständlichkeit. Die Story tritt in den Hintergrund, Erzählrhythmus und Erzählhaltung sind entscheidend. Die Gelassenheit, die ihre Filme kennzeichnet, wird hier ebenso ins Extrem getrieben wie die Langsamkeit des Erzähltempos, die eine gleitende Kamera, langsame Schnitte und Beethovens Klaviersonaten erzeugen.
Nichts scheint von Bedeutung, der Friseur ist kein vielschichtiger Charakter, sondern ein moderner Mensch ohne Eigenschaften in einer anonymen Massengesellschaft - ein Niemand -, das Leben ein Gefängnis mit Sackgassen und Irrwegen. Klare Erkenntnis ist unmöglich: Alle Schuldigen werden zwar bestraft, aber für Vergehen, die von anderen begangen wurden.
Jedes Streben ist sinnlos. - Vergänglichkeit durchweht die in sich wunderbar geschlossene Welt dieses Films.
Kammgarn Hard: Mi 27.11., 20.30 Uhr

Le miracle du Saint Inconnu

Le miracle du Saint Inconnu

The Man Who Wasn´t There

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