Im Laufrad gefangen – „Von Mäusen und Menschen“ feierte Premiere im Landestheater. © Anja Köhler
Walter Gasperi · 01. Dez 2022 · Film

Aktuell in den Filmclubs (2.12. - 8.12. 2022)

Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche das französische Feelgood-Movie „La Dégustation – Weinprobe für Anfänger". Im Skino Schaan läuft unter anderem Nicolette Krebitz´ hinreißender Liebesfilm „A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe", in dem Sophie Rois, Milan Herms und Udo Kier brillieren.

La Dégustation – Weinprobe für Anfänger: Nichts verbindet den Mittsechziger Jacques (Bernard Campan) und die 40-jährige Hebamme Hortense (Isabelle Carré), doch der Messwein bei einem Gottesdienst entflammt Hortense förmlich und lässt sie die Weinhandlung von Jacques aufsuchen. Während er ihr eher missmutig diverse Weine vorschlägt, fängt die alleinstehende Frau sichtlich vom ersten Augenblick an Feuer für den Grantler und überredet ihn eine öffentliche Weinprobe anzubieten.
Die offensichtlichen Avancen von Hortense scheinen bei Jacques aber wie an einem Felsen abzuprallen, bis doch abrupt die Liebe ausbricht. Doch so plötzlich das Glück eintritt, so rasch scheint dieses auch wieder zu zerbrechen.
Zunehmend ernste Töne schleichen sich nämlich in „La Dégustation" ein, wenn die belastende Vergangenheit sowohl von Hortense als auch von Jacques ins Spiel kommt, wenn unbewältigte Schuld und Trauer, aber auch eine einengende Beziehung und unerfüllte Lebenswünsche sichtbar werden.
Nicht zu wenige Belastungen und Probleme bürdet Ivan Calbérac den Protagonist:innen seines vierten Spielfilms damit auf. Zu viel des Guten ist es, dass bei Hortense zur schwierigen Beziehung zur Mutter und zum Engagement im Obdachlosenheim auch noch Kirchenchor und Job als Hebamme kommen müssen.
Doch über solche Schwächen lassen die beiden blendend harmonierenden Hauptdarsteller:innen und Calbéracs warmherziger Blick hinwegsehen. Wunderbar variiert Bernard Campan mit seinem Jacques die Rolle des verbitterten Bestatters aus „Presque – Glück auf einer Skala von 1 bis 10", während Philippe Guilberts Kamerablick auf Isabelle Carré dafür sorgt, dass man diese vom Leben geschlagene Hebamme einfach mögen muss.
Ein großer Film ist das sicher nicht, aber ein durchaus sympathisches Feelgood-Movie, das mit seinem Glauben an eine zweite Chance einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubert und beglückt aus dem Kino entlässt.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 8.12., 20 Uhr


A E I O U - Das schnelle Alphabet der Liebe:
Heftig prallen die 60-jährige Schauspielerin Anna (Sophie Rois) und der junge Adrian (Milan Herms) vor einem Berliner Lokal zusammen, als er ihr die Handtasche raubt. Zufällig begegnen sie sich wieder, als sie ihm Sprachunterricht geben soll. Über alle Unterschiede hinweg entwickelt sich so eine Liebe, die die verhärmte Frau aufblühen und mit ihrem Geliebten schließlich an die Côte d`Azur aufbrechen lässt.
Von der ersten Szene an reißt „A E I O U" mit seiner leichthändigen Inszenierung, seinem Gespür für originelle Situationen und hinreißenden Figuren mit. Einen wunderbar distanzierten und märchenhaften Ton verleiht Nicolette Krebitz ihrer Tragikomödie, indem sie Anna mehrfach die Handlung in der dritten Person kommentieren und auch über das A, mit dem alles beginnt, reflektieren lässt. Dazu kommt eine sphärenhafte Musik, die diese unmögliche Liebesgeschichte förmlich der Welt enthebt. Aber auch die Licht- und Farbgestaltung von Reinhold Vorschneider verleiht dieser Liebesgeschichte einen ganz eigenen, federleichten Touch, während der flüssige Schnitt von Bettina Böhler das Tempo hochhält.
Unterstützt von einem großartigen Ensemble, aus dem Udo Kier als Annas bester Freund heraussticht, entwickelt sich so ein verspielter und poetischer Liebesfilm, der die erzählerische Freiheit der französischen Nouvelle Vague atmet und die Magie des Kinos beschwört.
Skino Schaan: Fr 2.12., 18.15 Uhr

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