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18.08.2022 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (19.8. - 25.8. 2022)

Im Filmforum Bregenz gibt es diese Woche im Dokumentarfilm "Alpenland" Momentaufnahmen von sechs Lebensräumen in den Alpen. Beim Open-Air auf dem Marktplatz Rankweil sorgt der Eberhofer-Krimi "Kaiserschmarrndrama" für unbeschwerte Unterhaltung.

Alpenland: Robert Schabus ("Bauer unser") stellt in seinem 90-minütigen Dokumentarfilm sechs Lebensräume in den Alpen vor und stellt dabei immer wieder traditionelles Leben und Wirtschaften der Zerstörung und Verschandelung der Bergwelt gegenüber. Der Bogen spannt sich von einer Kärntner Bergbauernfamilie über den Immobilienboom in Garmisch-Partenkirchen und alteingesessene Handwerksbetriebe im lombardischen Dorf Premana bis zum leben portugiesischer Arbeitskräfte im Tourismusort Zermatt.
Mit einer stimmigen Mischung aus Aufnahmen dieser Lebensräume und ihrer Zerstörung und Interviews mit Bewohner*innen zeichnen Schabus und sein Kameramann Lukas Gnaiger ein facettenreiches Bild vom Lebensraum Alpen. Nüchtern und sachlich decken sie die Verwüstung und Sackgasse auf, in die das auf schnellen Profit ausgerichtete Tourismusdenken führen, und zeigen die Verdrängung und Gefährdung traditioneller gewachsener Strukturen auf, die immer auch mit Bindung an Ort und Familie verknüpft sind. – Insgesamt ist der Befund ziemlich bedrückend und mehr Zweckoptimismus als echte Zuversicht verbreitet die Tochter des Kärntner Bergbauern, wenn sie am Ende meint "Irgendwie wird es schon weitergehen."
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 24.8., 20 Uhr

Kaiserschmarrndrama:  Während die meisten Krimis mit einem Verbrechen beginnen und unmittelbar darauf die Ermittlungen einsetzen, lässt sich Ed Herzog auch bei der siebten Verfilmung eines Romans von Rita Falk zunächst geradezu provozierend viel Zeit für private Geschichten und Konflikte.
Der Titel kommt sogleich ins Spiel, wenn Polizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) seinen Freund Rudi Birkenhofer (Simon Schwarz) im Krankenhaus besucht und Rudi sich über den dortigen Kaiserschmarren beklagt. Mit einer Rückblende wird aufgeklärt, wie er sich die schweren Verletzungen zuzog. Nur eines der Zentren des Films ist freilich die Freundschaft zwischen diesen beiden Männern, mindestens genauso wichtig ist Eberhofers Familie mit der Oma, die sich um alles kümmert, dem Hanf anbauenden und reichlich konsumierenden Vater (Eisi Gulp) und Franz´ Freundin Susi (Lisa Maria Potthof). Aber auch Hund Ludwig erhält hier viel Gewicht und sorgt schließlich für einen emotionalen Höhepunkt.
Daneben gibt es aber auch noch den Pathologen, einen Mitarbeiter von Franz, der einen Festgenommenen im Heizkeller vergisst, sowie den Metzger des Dorfes und eine Rockerbande, die dem Installateur übel mitspielt, da er sich zu sehr für die Frau des Rocker-Bosses interessiert.
Ein Mordfall muss sich schließlich zwar auch noch einstellen und Ermittlungen, bei denen sich eine auswärtige Kommissarin (Nora Waldstätten) einmischt, bleiben nicht aus. Diese werden aber nie zum dominierenden Element, laufen vielmehr neben den anderen kleinen Geschichten mit.
Wirklich entwickelt wird hier kein Aspekt und kein Konflikt, außen vor bleiben auch aktuelle gesellschaftliche Themen und Probleme. Kurze Häppchen werden dem Publikum geboten, doch das sehr spielfreudige und bestens harmonierende Ensemble, das auch in den Nebenrollen unter anderem mit Maria Hofstätter, Nora Waldstätten und Kabarettist Sigi Zimmerschied hochkarätig ist, sowie die herrlich schrägen Typen, und ein Gespür für bayrisches Lokalkolorit sorgen durchgängig für unbeschwerte Unterhaltung.
Open-Air "Filme unter Sternen", Markplatz Rankweil: Mi 24.8., 21 Uhr


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https://www.film-netz.com.

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