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15.11.2009 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (16.11. - 22.11. 2009)

Alles für meinen Vater: In seinem Regiedebüt erzählt Dror Zahavi von einem jungen Palästinenser, der glaubt, nur durch ein Selbstmordattentat mitten auf dem Markt von Tel Aviv die Ehre seines Vaters retten zu können. Da die Bombe aber nicht zündet, gewinnt er zwei Tage Zeit, in denen er die jüdische Kultur und die unterschiedlichsten Menschen kennenlernt.
Die Rezensionen zu dem Film heben einerseits die „erstaunliche Sicherheit, mit der sich der Regisseur auf dem schmalen Grat zwischen Tragödie und Komödie bewegt“ hervor (Berliner Zeitung) und betonen, dass der Film eindrücklich vor Augen führt, „wie fließend die Grenzen zwischen denjenigen sind, die dieses Land gemeinsam bewohnen, und wie fragil das Arrangement der israelischen Besatzung ist - wie unklar letztlich die Abgrenzung zwischen Freund und Feind" (ebenfalls Berliner Zeitung). Andererseits wird Dror Zahavi auch vorgeworfen, dass er keine eigene Sicht auf das brisante Thema wage (Berliner Morgenpost) und, dass es dem Film an einem starken Kern mangle, was wohl auch an den beiden jungen Hauptdarstellern liege, die die schwierigen Biografien ihrer Figuren nicht mit dem nötigen Facettenreichtum ausstatten könnten (Filmdienst).
Im Rahmen der Jüdischen Filmwochen:
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz:
Mi, 18.11., 20 Uhr + Fr, 20.11., 22 Uhr
FKC Dornbirn in den Weltlichtspielen Dornbirn: Sa, 21.11. + So, 22.11., jeweils 19.30 Uhr


Pandora's Box: Die Alzheimererkrankung ihrer alten Mutter zwingt drei erwachsene Geschwister von Istanbul in ihre Heimat in der Bergregion am Schwarzen Meer zurückzukehren und die Mutter zur Pflege in die Großstadt mitzunehmen. Doch sowohl die beiden Töchter als auch der Sohn sind viel zu sehr mit sich selbst und ihren eigenen Problemen beschäftigt, als dass sie Zeit für die Mutter hätten. So wird diese nur herumgeschoben und einzig der wie die Oma orientierungslose Enkel im Teenageralter findet einen emotionalen Zugang zur alten Frau.
Mit größter Einfühlsamkeit und in langsamem Rhythmus, der dem Zuschauer Zeit lässt, sich auf die Bilder einzulassen, inszeniert, entwickelt Yesim Ustaoglu in ihrem letztes Jahr beim Filmfestival von San Sebastian mit dem Hauptpreis ausgezeichneten Film ein bewegendes Drama. Wesentlich zur Dichte und Geschlossenheit tragen dabei auch hervorragende Darsteller und die präzise und atmosphärisch dichte Verankerung der Geschichte im geographisch-sozialen Umfeld bei. Im Mittelpunkt steht freilich weniger die Alzheimer-Krankheit als vielmehr der Gegensatz von Stadt und Land sowie die Kluft zwischen den Generationen, die Unfähigkeit zur Kommunikation, die Beziehungslosigkeit und Entfremdung.
Takino Schaan: Do, 19.11., 20 Uhr; Sa, 21.11. – Mo, 23.11., jeweils 18 Uhr


Peeping Toms: Der Titel bezieht sich auf Michael Powells Kultfilm „Peeping Tom“, in dem Karlheinz Böhm als voyeuristischer Psychopath jungen Frauen nachstellt und sie vor laufender Kamera ermordet. Den Thriller verschiebt Uri Zohar in seinem 1972 entstandenen Film aber ins Satirische. Die Peeping Toms sind in seinem Film junge Spanner, die am Strand von Tel Aviv Frauen in den Umkleidekabinen beobachten. Diese muss Guta, der von Uri Zohar selbst gespielte Protagonist, der als nicht mehr ganz junger Beachboy sein Geld verdient, immer wieder vertreiben.
Im Blick auf das Strandleben, auf das sexistische Nichtstun und eine säkulare Gesellschaft, die mit den heroischen Normen, zionistischen Werten und Filmen der frühen Jahre nicht so recht etwas anfangen kann und will, zeichnet Zohar ein nostalgisch-romantisierendes Bild des Tel Aviver Stadtstrands, wie er so heute nicht mehr existiert (nach Frank Stern)
Im Rahmen der Jüdischen Filmwochen: FKC Dornbirn in den Weltlichtspielen Dornbirn: Do, 19.11., 19.30 Uhr + Fr, 20.11., 21.30 Uhr

Alles für meinen Vater © Filmladen Filmverleih

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Pandora´s Box

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Peeping Toms

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