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13.12.2018 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (14.12. - 20.12. 2018)

Spielboden Dornbirn und Filmforum Bregenz zeigen diese Woche das packende Politdrama "Wackersdorf". Im Takino Schaan gibt es die Möglichkeit Alfonso Cuaróns grandiosen "Roma" statt via Netflix im Kino zu sehen.

Wackersdorf: Mit aller Macht wollte der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß Anfang der 1980er Jahre den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf durchdrücken. Auch dem sozialdemokratischen Landrat Hans Schuierer (Johannes Zeiler) gefiel dieser Plan zunächst, wurden doch viele Arbeitsplätze und eine saubere Industrie für diese Region versprochen, aus der nach Schließung der Braunkohlebergwerke viele abwanderten. Doch als er erkannte, wie sich die bayerische Regierung über jede Rechtsstaatlichkeit hinwegsetzte, begann er selbst zum Thema Atomkraft zu recherchieren und entschlossen das Projekt zu bekämpfen.
Oliver Haffner setzt in „Wackersdorf“ nicht nur diesem Politiker mit Rückgrat ein Denkmal, sondern verdichtet die jahrelange Entwicklung auch souverän auf einen zweistündigen Spielfilm. Geschickt beglaubigt er auch seinen Film durch eingeschobenes Archivmaterial und dokumentiert darin auch eindrücklich, wie sich die Auseinandersetzungen zwischen Zivilgesellschaft und Polizei sukzessive verschärften.
Konsequent auf der politischen Geschichte, die sich freilich unweigerlich auf das private Leben auswirkt, fokussiert der 44-jährige Regisseur, der die britischen Sozialrealisten Ken Loach und Mike Leigh als Vorbilder nennt. Er schafft mit dem von Johannes Zeiler großartig gespielten Schuierer eine starke Identifikationsfigur und bietet kompakt erzähltes und durch den Dreh an Originalschauplätzen, die sorgfältige Ausstattung und die im Oberpfälzer Dialekt gehaltenen Dialoge atmosphärisch dichtes, packendes Kino, das weit über die historische Aufarbeitung hinaus, zeitlose Themen verhandelt.
Spielboden Dornbirn: Fr 14.12. + Mi 19.12. - jeweils 19.30 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 19.12., 20 Uhr + Fr 21.12., 22 Uhr


Roma:
Für den Streaming-Anbieter Netflix drehte Alfonso Cuarón, der vor fünf Jahren mit dem Science-Fiction-Film „Gravity“ begeisterte, sein von autobiographischen Erfahrungen inspirierte Gesellschaftsbild, das im Mexico City der frühen 1970er Jahre spielt. In Venedig gewann er dafür den Goldenen Löwen, nur kurz aber ist dieses Meisterwerk im Kino zu sehen, wird parallel schon auf Netflix ausgestrahlt.
Doch nicht nur aufgrund des Dreh auf 65mm braucht dieser Schwarzweißfilm im Grunde die große Leinwand, sondern auch durch die Art, wie Cuarón den Raum nutzt. Virtuos arbeitet er nämlich mit Vordergrund und Hintergrund, stellt mehrfach damit in einer Einstellung gleichzeitig glückliche und unglückliche Ereignisse einander gegenüber, und erweckt in mit stupendem Detailreichtum ausgestatteten fulminanten Plansequenzen, in denen die von Cuarón selbst und Galo Olivares geführte Kamera durch die Räume des großen Hauses und die Straßen der Stadt gleitet, die Vergangenheit zum Leben.
Im neunjährigen Sohn Paco kann man das Alter Ego des Regisseurs erkennen, doch im Zentrum steht das Hausmädchen Cleo, dem Cuarón unter dem realen Namen Libo auch den Film gewidmet hat.
Spielerisch leicht fließen hier das Private und das Gesellschaftliche zusammen, wenn einerseits von der Trennung der Eltern, andererseits vom sozialen Gefälle zwischen der Familie und der indigenen Hausangestellten erzählt wird, wenn persönliche Kinoerinnerungen ebenso einfließen wie das Massaker am Fronleichnamstag 1971, bei dem dutzende Menschen von einer paramilitärischen Gruppe getötet wurden.
TaKino Schaan: ab Do 20.12.

 

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