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10.01.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (11.1. - 17.1. 2019)

Mit „The Man Who Laughs“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ zeigen der Spielboden Dornbirn und das vorarlberg museum diese Woche zwei Stummfilmklassiker. Eine warmherzige Dramödie steht dagegen mit „Puzzle“ im TaKino Schaan auf dem Programm.

Puzzle: Wenige Einstellungen reichen Marc Turtletaub, um ein Bild vom monotonen Alltag der etwa 40-jährigen Agnes zu zeichnen: Staubsaugen, Tisch herrichten, Girlande für die Geburtstagsparty aufhängen und auch während der Party muss sie arbeiten. – Und dabei ist es doch ihr Geburtstag.
Die Rollen sind in der Familie klar verteilt: Der Ehemann arbeitet und bringt das Geld ins Haus, dafür will er sich ebenso wie die beiden fast erwachsenen Söhne zu Hause bedienen lassen. Haushalt ist Sache der Frau, daneben kann sie sich ja noch in der Pfarre engagieren. Doch dann erhält Agnes zum Geburtstag ein Puzzle – und eine neue Leidenschaft erwacht bei ihr. Weil sie es versteht die Teilchen rasend schnell zusammenzusetzen, antwortet sie auf die Anzeige eines Mannes, der eine Partnerin für die nationale Puzzle-Meisterschaft sucht. Ganz andere Wertschätzung als zu Hause erfährt sie von diesem indisch stämmigen Erfinder, blüht sichtlich auf und geht zunehmend ihre eigenen Wege.
So vorhersehbar und überschaubar die Handlung dieses Remakes eines gleichnamigen argentinischen Films aus dem Jahre 2010 auch ist, so ist das doch mit viel Gefühl inszeniert und um die blendend harmonierenden Irrfan Khan und Kelly Macdonald auch in den Nebenrollen trefflich besetzt. Macdonald ist das Zentrum und Herz dieses Films, verkörpert ebenso glaubhaft die naive und biedere Hausfrau, die scheinbar keine Wünsche hat, wie das langsame Aufkeimen eines eigenen Willens und die Befreiung aus der Abhängigkeit. – Sie trägt mit ihrem Spiel diese kleine, aber feine, rund inszenierte aber auch etwas zu glatte und kantenlose Dramödie.
Takino Schaan: Sa 12.1., 20.30 Uhr

„The Man Who Laughs“ und „Panzerkreuzer Potemkin“: Peter Madsen startet mit seiner Plattform „CIA – Collective of Improvising Artists“ am Spielboden Dornbirn mit dem im England des ausgehenden 17. Jahrhunderts spielenden „The Man Who Laughs“ eine Serie von Stummfilmen, die um Wahnsinn kreisen. Im Eröffnungsfilm erzählt der Deutsche Paul Leni, der Ende der 1920er Jahren auch in den USA reüssierte, nach einem Roman von Victor Hugo von einem jungen Mann, dessen Gesicht wegen einer Majestätsbeleidigung seines Vaters grausam entstellt wurde. Düstere expressionistische Ausleuchtung der Szenen machen „The Man Who Laughs“, in dem Conrad Veidt in der Titelrolle brilliert, einerseits zum Horrorfilm, andererseits sorgt die unglückliche Liebe zu einer Frau und eine geplante Zwangsverheiratung für melodramatische Akzente.

Ein Feuerwerk der Montage, bei der die Bilder in furiosem Rhythmus kollidieren, brennt dagegen Sergej Eisenstein in „Panzerkreuzer Potemkin“ ab, der als Begleitprogramm zur Ausstellung „Wacker im Krieg“ im vorarlberg museum gezeigt wird. Zum 20. Jahrestag der blutig niedergeschlagenen Revolution von 1905 drehte Eisenstein diesen Klassiker über den Aufstand der Matrosen des titelgebenden Panzerkreuzers der Schwarzmeerflotte. Legendär ist nicht nur die Szene vom Massaker auf der Hafentreppe von Odessa, sondern auch, wie die Montage der Bilder den Eindruck erweckt, dass sich sogar Steinlöwen gegen das autokratische Regime des Zaren erheben.
The Man Who Laughs: Spielboden Dornbirn: Mi 16.1., 20 Uhr
Panzerkreuzer Potemkin: vorarlberg museum: Do 17.1., 19 Uhr

Puzzle

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The Man Who Laughs

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