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31.01.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (1.2. - 7.2.2019)

Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche – ebenso wie der Spielboden Dornbirn Mitte Februar im Rahmen einer Filmreihe über selbstbestimmte Frauen – den Dokumentarfilm „Matangi / Maya / M.I.A.“. Im Takino Schaan steht dagegen im Rahmen des 14. Holocaust-Gedenktags Ruth Beckermanns Dokumentarfilm „Waldheims Walzer“ auf dem Programm.

Selbstbestimmte Frauen am Spielboden Dornbirn: Der Spielboden Dornbirn zeigt im Februar vier Dokumentarfilme, in denen starke und kämpferische Frauen porträtiert werden. Während Betsy West und Julie Cohen in „RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit“ (6.2. + 26.2.) mittels Interviews mit Bekannten, Arbeitskollegen und Familienmitgliedern sowie mit einer Fülle von Archivmaterial das Leben der amerikanischen Obersten Richterin und Ikone der Frauenbewegung Ruth Bader-Ginsburg nachzeichnen, bietet Steve Loveridge in „Matangi / Maya / M.I.A.“ (19.2.; Filmforum Bregenz: 1.2.) vor allem mittels privater Videos der Porträtierten selbst und ihres nächsten Umfelds Einblick in das Leben und Wirken der 1995 von Sri Lanka nach London geflohenen Künstlerin.
Programmatisch ist der Titel, der sie mit ihren drei Namen im Spannungsfeld zwischen ihrer tamilischen Herkunft („Matangi“), dem Blick der Freunde und Bekannten („Maya“) und dem Image des Popstars („M.I.A.“) charakterisiert. Durch die Verwendung privater Videos als Hauptquelle ist der Film hautnah dran und unverfälscht, vermittelt andererseits aber auch nur M.I.A.s Perspektive.
Kurz wird ihre Sozialisation in England gestreift, im Zentrum steht aber ihr gesellschaftspolitisches Engagement. Von ihrer öffentlichen Thematisierung der Verbrechen an den Tamilen, über ihre umstrittenen Videos, in denen sie Klischees über Migranten bloßstellt („Paper Planes“) oder drastisch die Verfolgung und Erschießung einer Rothaarigen durch US-Soldaten („Born Free“) zeigt bis zum Skandal, für den sie beim Auftritt mit Madonna beim Super Bowl 2012 sorgte, als sie dem Publikum den Mittelfinger zeigte, spannt Loveridge den Bogen. – Passend zur widersprüchlichen, mehrfach für den Grammy und einen Oscar nominierten Sängerin ist „Matangi / Maya / M.I.A.“ kein runder, sondern ein roher und gerade deshalb schillernder und packender Film.
Weitere Filme in der Reihe sind „#Female Pleasure“ (14.2. + 20.2.), in dem die Schweizerin Barbara Miller fünf Frauen porträtiert, die gegen die Unterdrückung ihrer Freiheit und Lust auf sexuelle Erfüllung aufbegehrten, und Houchang Allahyaris Hommage „Ute Bock Superstar“ (28.2.).
Spielboden Dornbirn: jeweils 19.30 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Matangi / Maya / M.I.A. – Fr 1.2., 22 Uhr

Waldheims Walzer: Das Lincoln-Zitat, dass man nicht alle Leute auf Dauer anlügen könne, stellt Ruth Beckermann ihrem Dokumentarfilm voran und zeigt dies am Beispiel der Waldheim-Affäre, die Kurt Waldheims über 40-jähriges Lügengebilde 1986 im Laufe des Wahlkampfs für den österreichischen Bundespräsidenten zerbrechen ließ.
Mit eigenem altem und vielfältigem anderem Archivmaterial zeichnet Beckermann, die sich selbst an der Protestbewegung gegen Waldheim beteiligte, detailreich die Monate des Wahlkamps und der wachsenden Proteste nach. Im Voice-over erinnert sie sich auch an ihr eigenes Erleben dieser Zeit, nennt Waldheim nie beim Namen, sondern spricht nur vom Kandidaten. Sie arbeitet durch die Auswahl des Materials heraus, wie er mit den Armen arbeitete, um die Masse einzubeziehen, blickt auf seine Betonung von Heimat und Christentum, zeigt auf, wie er immer auch die Leiden der Österreicher im Zweiten Weltkrieg oder der deutschen Soldaten betonte, und fast schon verräterisch lächelte, wenn er über den Holocaust sprach.
Der materialreiche Film macht aber auch die internationale Tragweite des Wahlkampfs sichtbar, zeigt, wie sich in Österreich Fronten bildeten und wie von der Volkspartei eine „jetzt erst recht“-Stimmung geschürt wurde.
Anschaulich zeigt Beckermann in der historischen Recherche und Aufarbeitung auch auf, wie die Waldheim-Affäre in Österreich zu einem Umdenken führte, wie man begann die bisher gern gepflegte Rolle vom ersten Opfer Nazi-Deutschlands zu hinterfragen und sich kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Takino Schaan: Do 7.2., 18.30 Uhr

Matangi / Maya / Mi.I.A. (c) Stadtkino Filmverleih

Matangi / Maya / Mi.I.A. (c) Stadtkino Filmverleih

Waldheims Walzer

Waldheims Walzer

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  • Matangi / Maya / Mi.I.A. (c) Stadtkino Filmverleih Matangi / Maya / Mi.I.A. (c) Stadtkino Filmverleih
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