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31.10.2019 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (1.11. - 7.11. 2019)

Der FKC Dornbirn zeigt diese Woche in Anwesenheit von Regisseur Sebastian Brameshuber "Bewegungen eines nahen Bergs". Im Kinotheater Madlen in Heerbrugg wird im Rahmen des "Besonderen Films" André Téchinés "L'adieu à la nuit" gezeigt.

L'adieu à la nuit: Wie schon André Téchinés letzter Film „Quand on a 17“ spielt auch „L'adieu à la nuit“ im Südwesten Frankreichs, am Fuße der Pyrenäen. Und wiederum erweist sich der 75-jährige Franzose als souveräner Erzähler. Im Mittelpunkt des 2015 angesiedelten Dramas steht die von Catherine Deneuve gespielte Muriel, die mit ihrem nordafrikanischen Partner einen Hof mit Kirschenplantage und Reitangebot betreibt.
Erfreut ist sie über den Besuch ihres etwa 20-jährigen Enkels Alex, der nach dem Tod seiner Mutter bei ihr aufgewachsen ist. Langsam muss sie aber – und mit ihr der Zuschauer – erkennen, dass Alex zum radikalen Islamisten konvertiert ist, der nicht, wie er vorgibt, nach Kanada reisen, sondern in den Krieg nach Syrien aufbrechen will. Verzweifelt beginnt Muriel um ihren Enkel zu kämpfen und unternimmt alles, um ihn von seinem Vorhaben abzuhalten.
Beeindruckend ist, wie leichthändig Téchiné inszeniert, wie selbstverständlich er von diesem Kampf der Oma erzählt und den Zuschauer mit ihren Augen auf Alex blicken lässt. Er nennt zwar Gründe für seine Wandlung, doch verstehen kann der Zuschauer diese so wenig wie Muriel und wohl auch Téchiné selbst, der markant in einer Parallelmontage einer Szene der islamistischen Indoktrination die Lebensfreude eines Festes auf dem Hof, bei dem gesungen und getanzt wird, gegenüberstellt.
Wie schon in "Quand on a 17" zieht auch hier Téchiné den Zuschauer mit nah geführter und beweglicher Handkamera ins Geschehen hinein, arbeitet differenziert die Familienkonstellation heraus, und kann auch auf seine starken Hauptdarsteller Kacey Mottet Klein und Catherine Deneuve vertrauen.
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 4.11., 20.30 Uhr

 

Bewegungen eines nahen Bergs: Der Nigerianer Cliff betreibt in der Steiermark einen Handel mit Teilen alter Autos und Gebrauchtwagen. Teilweise verkauft er sie nach Nigeria, verhandelt aber auch mit Einheimischen oder Kunden aus Ungarn.
Sebastian Brameshuber knüpft an die Sage vom Erzberg an, der entstanden sein soll, da die Bauern von einem Wassermann, den sie ergriffen, als Belohnung für die Freilassung Gold für einen Augenblick, Silber für die Zeit eines Menschenlebens oder Eisen für immer bekamen und das Eisen wählten. Während der Bergbau am Erzberg aber inzwischen stillgelegt ist, handelt Cliff immer noch mit Eisen.
In langen Einstellungen folgt Brameshuber seinem Protagonisten durch den Alltag. Er zeigt ihn beim mühsamen Zerlegen der alten Autos in seiner Halle, beim Feilschen mit Kunden, aber auch beim Grillen oder bei Autofahrten durch die Landschaft, bei denen er auf Parkplätzen bei alten Autos seine Visitenkarte deponiert. – Und über allem steht der Traum von Nigeria, wohin er schließlich auch aufbrechen wird.
Der 38-jährige österreichische Regisseur ist nicht an einem Spektakel interessiert, er ist ein geduldiger Beobachter, konzentriert sich ganz auf die alltägliche Arbeit Cliffs. Leise und ruhig dokumentiert er, mischt dabei geschickt Dokumentarisches mit Inszeniertem und lässt gerade in dieser unaufdringlichen Erzählweise Raum und Anreiz, um über heutige Arbeitswelten, aber auch über das Spannungsfeld zwischen Europa und Afrika nachzudenken.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 6.11., 18 Uhr + Do 7.11., 19.30 Uhr
Am Mittwoch in Anwesenheit des Regisseurs und mit anschließender Diskussion.

Weitere Filmkritiken, Festivalberichte, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website https://www.film-netz.com.

L`adieu à la nuit

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Bewegungen eines nahen Bergs

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